Oracle Aktie: 56,89 Prozent unter Rekordhoch
Oracle-Aktie steigt trotz massiver Vermögensverluste von Larry Ellison um fast 13 Prozent. Analysten bleiben uneins über die zukünftige Entwicklung des KI-Konzerns.

- Wochenplus von 12,84 Prozent
- Cloud-Auftragsbestand erreicht Rekordhöhe
- UBS senkt Kursziel, Guggenheim bleibt bullish
- Ellison verliert 213 Milliarden Dollar
Ein Konzernchef verliert binnen Wochen mehr Vermögen, als die meisten Länder an Wirtschaftskraft aufbringen – und die Aktie, die dafür verantwortlich ist, legt in derselben Zeitspanne eine der stärksten Wochenrallys ihrer Geschichte hin. Genau das ist bei Oracle und Larry Ellison zu beobachten, und es erzählt viel über den Zustand des gesamten KI-Booms.
Ende Juli hatte sich Ellisons mit Oracle verknüpftes Vermögen laut Medienberichten binnen kurzer Zeit um rund 213 Milliarden Dollar reduziert, von einem Höchststand nahe 388 Milliarden auf etwa 175 Milliarden Dollar. Der Grund: Oracle-Aktien waren zu diesem Zeitpunkt binnen des Jahres 2026 um rund ein Drittel eingebrochen, seit Anfang Juni sogar um fast die Hälfte. Wer glaubt, damit sei die Geschichte der Aktie erzählt, irrt – denn genau in dieser Woche kam die Gegenbewegung.
Die Rally: Verträge, Partnerschaften, geopolitische Erleichterung
Am Freitag schloss das Papier bei 127,10 Euro, ein Plus von 12,84 Prozent innerhalb einer Woche. Der Auslöser war eine Kette positiver Meldungen binnen wenigen Tagen: Oracle weitete seine Partnerschaft mit Google Cloud aus und bringt Googles Gemini-Modelle künftig in Oracle Fusion Applications und NetSuite ein. IT-Dienstleister CACI verkündete eine Zusammenarbeit mit Oracle beim HRIT-Modernisierungsvertrag des US Office of Personnel Management. Dazu kamen die Ausweitung von Oracle Health auf Krankenhäuser in Ontario und ein Rekord-Auftragsbestand im Cloud-Geschäft von 638 Milliarden Dollar, befeuert durch Signale von Microsoft, Amazon und Samsung über anhaltend starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Hinzu kam ein makroökonomischer Rückenwind: Die von Präsident Trump abgesagten Militärschläge gegen den Iran und die Ankündigung neuer Verhandlungen sorgten für eine breitere Marktentlastung, von der auch Oracle profitierte.
Wer die Aktie nur an dieser Woche misst, sieht eine Erfolgsgeschichte. Wer weiter zurückblickt, sieht etwas anderes: Trotz der Rally liegt das Papier noch immer 56,89 Prozent unter seinem Rekordhoch vom 10. September 2025. Genau in dieser Spanne – zwischen kurzfristiger Euphorie und langfristiger Erosion – bewegt sich derzeit die gesamte Debatte um Oracle.
Analysten uneins, Risiken bleiben
Die Bank UBS senkte am 3. August ihr Kursziel für Oracle von 285 auf 245 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Analyst Karl Keirstead begründete den Schritt mit Risiken rund um steigende Ausgaben für KI-Infrastruktur, die Kapitalrendite, die Lage an den Kreditmärkten und Oracles Abhängigkeit von OpenAI. Zur Einordnung verwies UBS darauf, dass die Aktie seit den Zahlen zum vierten Geschäftsquartal um 27 Prozent gefallen war – trotz starkem Umsatzwachstum und robuster Prognose. Am selben Tag bekräftigte Guggenheim nach Gesprächen mit dem Oracle-Management sein „Buy“-Rating und nannte ein Kursziel von 400 Dollar. Diese Kluft zwischen 245 und 400 Dollar zeigt, wie unterschiedlich die Wall Street die Risikolage bewertet – ein aggregierter Konsens der vergangenen Monate liegt Berichten zufolge irgendwo zwischen 248 und 262 Dollar, blendet frische und ältere Einschätzungen aber zusammen.
Härter fiel das Urteil von Motley Fool aus, das Oracle trotz der jüngsten Erholung als das finanziell prekärste der großen Hyperscaler bezeichnete – mit der Warnung, sollte sich der KI-Markt drehen, gerate die Aktie in ernste Schwierigkeiten. Diese Einschätzung passt zu einem Muster, das sich branchenweit beobachten lässt: Wer beim Wettlauf um Rechenzentren und KI-Kapazität mithalten will, muss enorme Summen vorfinanzieren, lange bevor sich diese Investitionen auszahlen.
Ellisons Paramount-Wette als Nebenschauplatz mit Symbolkraft
Parallel zur operativen Geschichte läuft eine juristische: Ellison hat für die Fusion von Paramount Skydance mit Warner Bros. Discovery eine unwiderrufliche persönliche Garantie über 40,4 Milliarden Dollar der Eigenkapitalfinanzierung übernommen und darf während des laufenden Verfahrens keine Vermögenswerte aus dem betreffenden Trust abziehen. Das Justizministerium hatte den Deal im Juni freigegeben, die EU-Kommission folgte am 22. Juli mit Auflagen zur Filmverwertung in Europa. Zwölf Generalstaatsanwälte, angeführt von Kalifornien, klagten daraufhin gegen die Fusion, ein Bundesrichter setzte die Transaktion vorläufig aus. Am 24. Juli einigte man sich darauf, dass der Deal nicht vor dem 1. Juni 2027 oder fünf Tage nach einer Entscheidung in der Sache abgeschlossen wird. Für Oracle-Anleger ist das kein operatives Risiko, aber ein Hinweis darauf, wie eng Ellisons persönliches Engagement mittlerweile mit hochriskanten, fremdfinanzierten Wetten verknüpft ist – ein Muster, das sich in Oracles eigener Bilanz spiegelt.
Der nächste Prüfstein folgt am 7. September, wenn Oracle die Zahlen zum ersten Geschäftsquartal 2027 vorlegt; der Konsens erwartet einen Gewinn pro Aktie von 1,77 Dollar bei einem Umsatz von 19,52 Milliarden Dollar. Im Oktober folgt mit der Oracle AI World vom 25. bis 28. das nächste Schaufenster für die KI-Strategie des Konzerns. Bis dahin bleibt die Aktie ein Barometer dafür, wie lange sich Wachstumsversprechen und Bilanzsorgen im Gleichschritt halten lassen.
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