Oracle Aktie: 638 Milliarden Auftragsbestand, CDS auf Krisenniveau
Oracles KI-Expansion führt zu historisch hohen Kreditrisiken. Der Auftragsbestand wächst, doch die Schuldenlast und fallende Aktienkurse belasten die Zukunft.

- Rekordhohe Kreditausfallversicherungen
- 70 Milliarden Dollar Investitionsplan
- Auftragsbestand steigt auf 638 Milliarden
- Aktie 60 Prozent unter Höchststand
Oracle hat sich von der verlässlichen Datenbank-Firma zum riskantesten Namen im großen KI-Infrastruktur-Poker gewandelt. Die Aktie legte am Freitag um 1,77 Prozent zu und schloss bei 112,60 Euro. Unter der Oberfläche zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die Kreditausfallversicherungen auf Oracle-Anleihen notieren so hoch wie zuletzt während der Finanzkrise 2008.
Das ist kein Randdetail. Es ist die eigentliche Geschichte hinter dem Kurs.
Der Preis des KI-Baus
Oracle will im Geschäftsjahr 2027 bis zu 70 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Rechenzentren stecken. Rund 40 Milliarden Dollar davon sollen über eine Mischung aus Schulden und neuem Eigenkapital finanziert werden. Genau diese Fremdfinanzierung treibt die Credit Default Swaps auf Rekordniveau.
Oracle steht damit nicht allein da. Branchenschätzungen zufolge könnte der addierte freie Cashflow der größten Tech-Konzerne von plus 234 Milliarden Dollar auf minus 100 Milliarden Dollar kippen — innerhalb von nur zwei Jahren. Der Grund: Alle bauen gleichzeitig das physische Rückgrat der KI-Ära. Rechenzentren, Chips, Energieverträge. Das kostet, und zwar sofort, während der Ertrag erst später kommt.
Kein Wunder, dass die Anleihemärkte nervös reagieren.
Ein Auftragsberg gegen einen Schuldenberg
Die Aktie liegt satte 59,89 Prozent unter ihrem Hoch von 280,70 Euro, erreicht vor knapp einem Jahr. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 32,25 Prozent zu Buche. Diese Zahlen spiegeln genau das Misstrauen wider, das die Kreditmärkte gerade in Rekordform zeigen: Investoren wollen Belege sehen, dass sich die milliardenschweren Investitionen auszahlen.
Die Gegenrechnung von Oracle ist allerdings beeindruckend. Der Auftragsbestand — die sogenannten Remaining Performance Obligations — ist auf 638 Milliarden Dollar geklettert. Das sind 363 Prozent mehr als vor einem Jahr. Analysten rechnen damit, dass bereits im Geschäftsjahr 2027 rund 77 Milliarden Dollar davon als Umsatz verbucht werden. Projekte wie der geplante Oracle/OpenAI-Campus in Michigan zeigen, wie groß die Nachfrage ist, die Oracle hier zu bedienen versucht.
Damit steht die zentrale Frage für den mit 324,26 Milliarden Euro bewerteten Konzern fest: Reichen diese langfristigen Verträge, um schnell genug Cashflow zu generieren — schneller, als die Zinslast auf die neuen Schulden wächst?
Software-Flaute trifft auf Infrastruktur-Boom
Die Lage wird zusätzlich von einem strukturellen Umbruch verkompliziert. Künstliche Intelligenz beginnt, klassische Softwarefunktionen zu automatisieren. Das setzt etablierte SaaS-Modelle unter Druck — eine Phase, die manche Marktbeobachter bereits als „Software-Flaute“ bezeichnen.
Der Tech-Sektor spaltet sich dadurch in zwei Lager. Wer wie Oracle die physische Recheninfrastruktur besitzt, gewinnt strategisch an Bedeutung. Der Preis dafür: Das einst geschätzte „Asset-Light“-Geschäftsmodell mit niedrigem Kapitalbedarf ist dahin.
Trotz eines Rückgangs von 10,99 Prozent auf Monatssicht bleibt das durchschnittliche Kursziel der Analysten bei 215,09 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 91 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Anleger müssen dabei eine annualisierte Volatilität von 53,56 Prozent auf 30-Tage-Basis einkalkulieren — ein Wert, der die Nervosität rund um die Aktie zusätzlich unterstreicht.
Oracle hat seine Zukunft an die physische Realität der KI-Revolution gekettet. Der Konzern tauscht finanzielle Stabilität gegen die Vorherrschaft bei Rechenzentren — eine gehebelte Wette darauf, dass der Trend „KI frisst Software“ am Ende genug Cashflow liefert, um das historisch hohe Kreditrisiko zu rechtfertigen. Aktuell notiert die Aktie 11,75 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 100,76 Euro. Die Infrastruktur ist gebaut, oder wird gerade gebaut. Ob daraus Erträge werden, die die Schuldenlast rechtfertigen, entscheidet sich in den kommenden Quartalen an der Umsetzung des Auftragsbestands.
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