Oracle Aktie: 6,99-Milliarden-Deal mit Pentagon
Trotz eines 7-Milliarden-Deals mit dem Pentagon bricht die Oracle-Aktie ein. Investoren sorgen sich um die hohen Kosten der KI-Transformation.

- Milliardenvertrag mit Pentagon gewonnen
- Aktie fällt auf neues Jahrestief
- Hohe Schulden für KI-Infrastruktur
- Ratingagentur stuft Kreditwürdigkeit herab
Ein Milliardenauftrag vom Pentagon, und trotzdem bricht die Aktie ein. Bei Oracle passt derzeit vieles nicht zusammen.
Am Freitag sicherte sich der Softwarekonzern einen Zehnjahresvertrag mit dem US-Verteidigungsministerium. Das Volumen: bis zu 6,99 Milliarden Dollar für Cloud- und Datenbankdienste, mit einem Basisvolumen von 3,31 Milliarden Dollar über fünf Jahre. Es ist ein Prestigeerfolg, der Oracle neben Microsoft und AWS als kritischen Infrastrukturanbieter für die US-Regierung positioniert.
Die Börse reagierte trotzdem mit einem Ausverkauf. Die Aktie fiel um 4,08 Prozent und schloss bei 101,20 Euro – ein neues Jahrestief. Bei einer Marktkapitalisierung von 303,95 Milliarden Euro bedeutet das einen Tagesverlust von rund 12 Milliarden Euro. Das ist mehr als das Doppelte des maximalen Vertragswerts, den Oracle gerade erst verkündet hatte.
Wenn ein Pentagon-Deal nicht mehr reicht
Genau das ist die Botschaft an das Management: Stetige Einnahmen aus Regierungsaufträgen reichen den Investoren nicht mehr. Der Markt fragt inzwischen nach etwas anderem. Er will wissen, wie teuer der Umbau zum KI-Infrastrukturanbieter wirklich wird.
Oracle hat zuletzt rund 21.000 Stellen gestrichen, um sich auf KI-optimierte Abläufe umzustellen. Der finanzielle Druck dieser Transformation zeigt sich längst in der Bilanz. Im Geschäftsjahr 2026 verbuchte der Konzern einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar.
Damit steht Oracle nicht allein da. Auch Alphabet meldete kürzlich erstmals seit 2004 einen negativen freien Cashflow – ein Ereignis, das einen branchenweiten Ausverkauf bei Tech-Werten auslöste.
Schulden für die KI-Wette
Um die Expansion zu finanzieren, plant Oracle für das Geschäftsjahr 2027 offenbar eine Finanzierung von rund 40 Milliarden Dollar. Diese aggressive Kreditaufnahme blieb nicht ohne Folgen. Die Ratingagentur S&P stufte Oracles Kreditwürdigkeit am 9. Juli 2026 auf BBB- herab – nur eine Stufe über Ramschniveau.
Reicht ein Pentagon-Auftrag im Wert von knapp sieben Milliarden Dollar aus, um Zweifel an einer Finanzierungslücke von 23,7 Milliarden Dollar auszuräumen? Die Investoren scheinen hier skeptisch zu bleiben, wie der Kursrutsch am Freitag zeigt. Sie wollen sehen, dass die milliardenschweren Infrastrukturinvestitionen tatsächlich Rendite abwerfen, bevor die Schuldenlast weiter wächst. Erst dann dürfte sich das Vertrauen in Oracles KI-Strategie wieder festigen.
Überverkauft, aber nicht überzeugt
Charttechnisch ist die Aktie inzwischen deutlich überverkauft. Der 14-Tage-RSI ist auf 27,6 gefallen – ein Wert, der üblicherweise auf eine überzogene Verkaufswelle hindeutet.
Trotz des Kursverfalls hält der Analystenkonsens an einem Kursziel von 219,10 Euro fest. Das entspräche einem Kurspotenzial von 116,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Zwischen dieser Zuversicht und der institutionellen Vorsicht am Markt klafft derzeit eine erhebliche Lücke.
Ob Oracle diese Lücke schließen kann, hängt nicht von einzelnen Verträgen ab. Der Konzern hat gerade ein Sicherheitsupdate mit 1.449 Patches ausgerollt, um seine globale Datenbank-Infrastruktur abzusichern – ein Hinweis auf die schiere Größe der Systeme, die finanziert werden müssen. Erst wenn diese Investitionen nachweisbar Gewinne statt nur Schulden produzieren, dürfte sich der Graben zwischen Kursziel und Realität schließen.
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