Oracle Aktie: 95 Milliarden für 2027 geplant
Oracles aggressive Investitionsstrategie in die KI-Infrastruktur führt zu einem negativen freien Cashflow und einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

- Aktie nahe 52-Wochen-Tief
- Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden Dollar geplant
- Freier Cashflow rutscht ins Minus
- Kreditwürdigkeit auf BBB- herabgestuft
Oracle war einmal der Inbegriff langweiliger, verlässlicher Datenbank-Software. Heute ist der Konzern zum Härtetest für die gesamte KI-Infrastruktur-Branche geworden. Die Frage, die den Kurs seit Monaten drückt: Kann Oracle sich die eigene Cloud-Zukunft überhaupt noch leisten?
Die Aktie notiert bei 104,10 Euro und liegt damit nur noch 3 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief vom 24. Juli. Seit Jahresbeginn hat das Papier 37,4 Prozent verloren. Selbst ein Zehn-Jahres-Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium über bis zu 7 Milliarden Dollar konnte den Absturz nicht bremsen. Das zeigt, wie tief das Misstrauen der Anleger inzwischen sitzt.
Ein Wettrüsten, das Milliarden frisst
Der Grund für die Nervosität liegt nicht im Tagesgeschäft. Er liegt in der schieren Größenordnung dessen, was Oracle investieren muss, um im Rennen gegen Microsoft und Amazon nicht abgehängt zu werden.
Für das Geschäftsjahr 2027 plant der Konzern Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden Dollar. Im vorangegangenen Jahr lagen die Ausgaben bereits bei rund 55,7 Milliarden Dollar. Diese Zahlen wachsen schneller als der Umsatz, den sie eigentlich absichern sollen.
Die Folge: Der freie Cashflow rutschte im Geschäftsjahr 2026 auf minus 23,7 Milliarden Dollar. Ratingagentur Standard & Poor’s reagierte und stufte die Kreditwürdigkeit von Oracle auf BBB- herab. Begründung: die massiven Ausbaupläne bei den Rechenzentren und der daraus resultierende Kapitalhunger. Um die nächste Ausbaustufe zu stemmen, sucht Oracle Berichten zufolge rund 40 Milliarden Dollar an neuem Fremd- und Eigenkapital.
Kreditmärkte sind schon deutlich nervöser als Aktionäre
Während Aktionäre auf das 52-Wochen-Tief starren, senden die Kreditmärkte ein noch unruhigeres Signal. Die Kosten für die Absicherung von Oracle-Anleihen über fünf Jahre laufende Credit Default Swaps sind auf 215 Basispunkte gestiegen – zu Jahresbeginn lagen sie noch bei 144. Wer Oracles Schulden versichern will, zahlt heute deutlich mehr als noch vor sieben Monaten.
Dahinter steckt eine Debatte, die längst über Oracle hinausgeht. Kritiker sprechen vom „zirkulären Finanzierungsmodell“ der KI-Branche: Cloud-Konzerne pumpen Milliarden in Start-ups wie OpenAI oder Anthropic, nur damit dieses Geld als Cloud-Umsatz wieder zurückfließt. Ein Kreislauf, der sich selbst nährt – solange niemand die Frage stellt, wer am Ende wirklich zahlt.
Oracle setzt trotz alledem weiter offensiv auf seine Cloud-Infrastruktur OCI, etwa mit neuen Vertriebspartnerschaften in Australien. Das operative Geschäft wächst. Nur: Wächst es schnell genug, um die Schuldenlast zu rechtfertigen, bevor die Zinsbelastung selbst zum Problem wird?
Eine Aktie im Überlebensmodus
Mit einer Marktkapitalisierung von 291 Milliarden Euro bleibt Oracle ein Schwergewicht. Aber es ist ein Schwergewicht im Umbau, und dieser Umbau hat einen Preis, den der Markt gerade erst zu verstehen beginnt.
Der RSI von 32,3 deutet auf eine überverkaufte Aktie hin – theoretisch Raum für eine technische Erholung. Bei einer annualisierten Volatilität von 47 Prozent dürfte der Weg dorthin aber alles andere als geradlinig verlaufen.
Oracle macht im Grunde genau das, was der KI-Hype von jedem Hyperscaler verlangt: investieren, ausbauen, wachsen, koste es, was es wolle. Die offene Frage ist, ob der Markt bereit ist, diesen Preis so lange mitzutragen, bis sich die Wette tatsächlich auszahlt.
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