Oracle Aktie: Auftragsbestand steigt auf 638 Milliarden

Trotz Rekordumsätzen und Milliarden-Auftragsbestand bricht Oracle-Aktie ein. Anleger fürchten hohe Investitionskosten und Kapitalbedarf.

Die Kernpunkte:
  • Rekordumsätze und Cloud-Boom
  • Investitionsausgaben belasten Cashflow
  • Kapitalbeschaffung von 40 Milliarden
  • Hohe Abhängigkeit von OpenAI

Oracle meldet Rekordumsätze und explodierende Cloud-Erlöse. Der Auftragsbestand erreicht unfassbare 638 Milliarden US-Dollar. Nach konventionellen Maßstäben läuft hier alles nach Plan. Die Realität an der Börse sieht anders aus. Die Aktie stürzte nach den Zahlen zweistellig ab. Dieser Kontrast definiert aktuell den gesamten Investment Case. Das Unternehmen verzeichnet eine gigantische Nachfrage. Parallel dazu alarmiert der Preis für dieses Wachstum die Anleger. Die Börse hinterfragt zunehmend die Kosten der KI-Ambitionen.

Die Rechnung für den Auftragsstau

Die Investoren stören sich nicht an den Umsätzen. Das Problem liegt bei den massiven Investitionsausgaben. Diese erreichten im abgelaufenen Quartal 15,9 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr summiert sich das auf 55,7 Milliarden US-Dollar. Das übertrifft die eigene Prognose deutlich.

Der operative Cashflow stieg zwar auf einen Rekordwert. Der freie Cashflow blieb wegen der Infrastruktur-Ausgaben jedoch tiefrot. Er lag bei minus 23,7 Milliarden US-Dollar. Das ändert die Diskussion grundlegend. Kurz gesagt: Es geht nicht mehr um Wachstum. Es geht nackt um die Finanzierung.

Oracle braucht frisches Geld. Der Konzern plant eine Kapitalbeschaffung von 40 Milliarden US-Dollar über Fremd- und Eigenkapital. Zuvor hatte das Management bereits zweistellige Milliardenbeträge eingesammelt. Finanzchefin Hilary Maxson rechnet für 2027 mit Netto-Investitionsausgaben von rund 70 Milliarden US-Dollar. Das Management hat Kunden-Vorauszahlungen hier bereits abgezogen.

Das Paradox der Nachfrage

Das macht die Situation für Aktionäre so unbequem. Die Ausgaben sind nicht leichtsinnig. Sie reagieren auf echte und vertraglich gesicherte Nachfrage. Allein im vierten Quartal schlossen vier Kunden Verträge über jeweils mehr als acht Milliarden US-Dollar ab.

Ein massives Klumpenrisiko bleibt. Analysten schätzen die Bindung des Backlogs an OpenAI auf rund 300 Milliarden US-Dollar. Das entspricht fast der Hälfte des gesamten Auftragsbestands von einem einzigen Vertragspartner. Morningstar bezeichnet diese enorme Abhängigkeit als echtes Risiko.

Zwischen zwei Narrativen

Aktuell notiert die Oracle-Aktie bei 159,26 Euro. Damit liegt das Papier gut 43 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Auf Sicht von einem Jahr verzeichnet der Titel ein Minus von rund zwölf Prozent. Der RSI-Wert von 43,3 signalisiert keine echte Kaufdynamik.

Analysten sehen die Lage deutlich optimistischer. Das durchschnittliche Kursziel von 220,52 Euro verspricht ein sattes Aufwärtspotenzial. Von 43 Experten raten 36 zum Kauf. Diese Lücke zeigt einen klaren Konflikt. Profis und der Markt interpretieren dieselben Daten völlig unterschiedlich.

Kapazitätswende oder weitere Verwässerung?

Das Management hält an seinen langfristigen Zielen fest. Für das Geschäftsjahr 2027 prognostiziert Oracle ein Umsatzwachstum von 34 Prozent. Die Bullen stützen sich auf ein physisches Versprechen. Oracle lieferte zuletzt mehr als 1,2 Gigawatt an Rechenkapazität aus.

Allein im laufenden Quartal soll fast ein weiteres Gigawatt ans Netz gehen. Das entspricht nahezu der gesamten Vorjahresleistung in nur drei Monaten. Der Umsatz folgt dieser Kapazität. Wenn dieser Ausbau gelingt, dürfte sich auch der freie Cashflow dramatisch verbessern.

Wer heute Oracle-Aktien kauft, vertraut auf eine präzise physische Umsetzung. Das Unternehmen muss den gigantischen Auftragsbestand in profitables Cloud-Wachstum übersetzen und die Investitionskosten kontrollieren. Gelingt der geplante Kapazitätsausbau im laufenden Quartal, steht der freie Cashflow vor einem massiven Wendepunkt. Scheitert der Zeitplan, droht angesichts des enormen Kapitalbedarfs eine weitere Verwässerung der Aktionäre.

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