Oracle Aktie: CDS auf 198,23 Basispunkte

Oracles Schuldenkosten erreichen Rekordniveau, während die Aktie nahe ihrem Jahrestief notiert. Analysten warnen vor den Risiken der milliardenschweren KI-Investitionen.

Die Kernpunkte:
  • Kreditausfallversicherung auf Rekordhoch
  • S&P stuft Oracle auf BBB- herab
  • KI-Investitionen von bis zu 95 Milliarden Dollar
  • Aktie verliert über 60 Prozent seit Rekordhoch

Oracle steckt mitten im teuersten Umbau seiner Firmengeschichte – und die Finanzmärkte quittieren das mit wachsendem Misstrauen. Die Kosten für die Versicherung gegen einen Zahlungsausfall des Softwarekonzerns sind am 17. Juli 2026 auf ein Rekordniveau von 198,23 Basispunkten gestiegen und haben damit den bisherigen Höchststand von 198,18 überschritten. Parallel dazu bleibt die Aktie tief in der Baisse gefangen, nachdem die Ratingagentur S&P Global das Unternehmen im Juli 2026 auf BBB- herabgestuft hat – nur noch eine Stufe über dem Ramschstatus.

Ausufernde AI-Investitionen belasten die Bilanz

Der Auslöser der Herabstufung ist bekannt: Oracle stemmt gigantische Investitionen in KI-Rechenzentren, ohne dass der Cashflow damit Schritt hält. Für das Geschäftsjahr 2027 plant der Konzern Investitionsausgaben von 90 bis 95 Milliarden Dollar – deutlich mehr, als S&P mit rund 60 Milliarden Dollar veranschlagt hatte. Der freie Cashflow ist bereits negativ und soll sich einem Defizit von etwa 42 Milliarden Dollar nähern. Oracle zählt mit rund 117 Milliarden Dollar ausstehenden Anleihen inzwischen zum größten Nicht-Finanz-Emittenten im Bloomberg-Index für Investment-Grade-Anleihen in den USA. Laut Seeking Alpha rentieren Oracle-Bonds bereits mit 7,8 Prozent – ein für ein Investment-Grade-Unternehmen ungewöhnlich hoher Wert, der die Skepsis der Anleihemärkte widerspiegelt.

Die operative Größenordnung bleibt zwar beeindruckend: Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verbuchte Oracle einen Gewinn je Aktie von 2,11 Dollar bei einem Umsatz von 19,18 Milliarden Dollar, während der Auftragsbestand um 363 Prozent auf 638 Milliarden Dollar sprang. Doch die Kehrseite wiegt schwer: Rund die Hälfte dieser Auftragsreserven entfällt allein auf die Vereinbarung mit OpenAI, einem Unternehmen, das laut Berichten selbst tief in den roten Zahlen steckt. Business Insider zitiert den Analysten Tyler Richey von Sevens Report Research, der die Herabstufung als möglichen „Kanarienvogel in der Kohlemine“ für den breiteren Aktienmarkt bezeichnet – ein Warnsignal, das über Oracle hinausweisen könnte.

Personalabbau und wachsender Wettbewerbsdruck

Um die Kostenlast abzufedern, hat Oracle binnen eines Jahres rund 21.000 Stellen gestrichen, etwa 13 Prozent der Belegschaft. Zusätzlichen Druck brachte die Veröffentlichung des offenen KI-Modells Kimi K3 durch Moonshot AI am 16. Juli 2026, das mit 2,8 Billionen Parametern auf Augenhöhe mit führenden geschlossenen Modellen operiert und in der Branche als Beleg dafür gilt, dass die milliardenschweren Wetten der Hyperscaler auf proprietäre KI-Infrastruktur nicht zwingend uneinholbar sind. Die Nachricht löste eine breitere Verkaufswelle bei Technologiewerten aus und traf Oracle inmitten seiner ohnehin fragilen Kreditlage.

Oracle ist mit seinem Finanzierungsbedarf nicht allein: Amazon, Alphabet, Nvidia, Meta und SpaceX haben zusammen mit Oracle im laufenden Jahr rund 182 Milliarden Dollar über Investment-Grade-Anleihen aufgenommen – gegenüber weniger als 13 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. JPMorgan schätzt, dass die weltweiten KI-Infrastrukturinvestitionen bis 2030 auf 5,5 Billionen Dollar anwachsen könnten. Doch die Nachfrage der Anleiheinvestoren schwächelt bereits: Amazons jüngste Anleihe über 25 Milliarden Dollar wurde nur 1,6-fach überzeichnet, deutlich unter dem üblichen Niveau früherer Deals.

Aktie nahe am frischen Jahrestief

An der Börse zeigt sich der Vertrauensverlust deutlich. Zum Schluss des vergangenen Freitags notierte die Oracle-Aktie bei 110,56 Euro, ein Plus von 1,79 Prozent auf Tagesbasis – doch das ändert wenig am übergeordneten Bild. Erst am 17. Juli 2026 markierte das Papier mit 105,10 Euro ein neues 52-Wochen-Tief, nachdem es sich von seinem Rekordhoch aus dem September 2025 um mehr als 60 Prozent entfernt hat. Auf US-Dollar-Basis war die Aktie bereits am 16. Juli um 6,25 Prozent auf 124,21 Dollar gefallen, rund 64 Prozent unter dem damaligen Höchststand von etwa 345 Dollar.

Nicht alle Stimmen sind ausschließlich negativ: Seeking Alpha verweist darauf, dass Oracle mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,4 auf Basis der erwarteten Gewinne unter seinem Fünf-Jahres-Durchschnitt handelt und sich technisch ein doppelter Boden andeuten könnte. Die extreme Marktstimmung lässt sich auch am technischen Bild ablesen: Der 14-Tage-RSI liegt bei 29,0 und signalisiert einen überverkauften Zustand. Ob das für eine baldige Stabilisierung reicht, hängt jedoch maßgeblich davon ab, wie die Anleihemärkte auf Oracles weiteren Finanzierungsbedarf reagieren – denn ohne frisches Fremdkapital lässt sich das ambitionierte Investitionsprogramm kaum fortsetzen.

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