Oracle Aktie: CDS auf Rekordhoch
Oracles Schuldenberg und sinkende Bonität treiben die Kreditkosten in die Höhe. Analysten sehen Risiken durch die milliardenschwere KI-Offensive.

- CDS-Risikoindikator auf Rekordniveau
- S&P stuft Bonität auf BBB- herab
- Investitionen von 55,7 Milliarden Dollar
- Freier Cashflow tief im Minus
Der Indikator für das Ausfallrisiko des Softwarekonzerns, gemessen an Credit Default Swaps, kletterte laut Bloomberg-Daten am 19. Juli 2026 auf ein Rekordhoch. Investoren verlangen demnach eine deutlich höhere Absicherung gegen das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit – ein direktes Resultat der schuldenfinanzierten Ausgabenoffensive des Konzerns im Bereich künstliche Intelligenz. Business Upturn stuft die Lage als noch nicht akut ein, verweist aber auf die gestiegene Risikoeinpreisung durch den Markt.
Die Nervosität kommt nicht aus dem Nichts. Erst am 9. Juli hatte die Ratingagentur S&P Oracle auf BBB- herabgestuft und dabei eine „anhaltende Unterschätzung“ der Investitionsausgaben durch den Konzern moniert. Analysten warnen laut Voice of Emirates, dass die massiven Ausgaben für KI- und Cloud-Infrastruktur die Finanzierungsabhängigkeit weiter erhöhen und eine erneute Ratingüberprüfung nach sich ziehen könnten. Oracle selbst hält dagegen: Die Investitionen seien strategischer Natur und sollten langfristig überdurchschnittliches Umsatzwachstum sichern.
Milliardenschwere Wette auf KI-Infrastruktur
Die Zahlen hinter der Debatte sind gewaltig. Im Geschäftsjahr 2026 investierte Oracle 55,7 Milliarden Dollar in den Ausbau von Rechenzentren – ein Sprung von 162 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der freie Cashflow rutschte dadurch auf minus 23,7 Milliarden Dollar, während die Gesamtverschuldung die Marke von 130 Milliarden Dollar überschritt. Der Umsatz wuchs im gleichen Zeitraum um 17 Prozent auf 67,4 Milliarden Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr 2027 hat Oracle bereits Netto-Investitionen von rund 70 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, brutto sollen es zwischen 90 und 95 Milliarden Dollar werden.
Ein zentraler Baustein der Wachstumsstory bleibt der Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar, von dem OpenAI nach Berechnungen von Memeburn etwa die Hälfte ausmacht. Gleichzeitig baute Oracle Personal ab: Die Belegschaft schrumpfte um 13 Prozent auf 141.000 Mitarbeiter, begleitet von Restrukturierungskosten in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar.
Dass sich die Ausgaben nicht immer wie geplant entwickeln, zeigen konkrete Projekte. Das mit 16,5 Milliarden Dollar veranschlagte Rechenzentrum in New Mexico musste wegen Umweltauflagen von Erdgas- auf Brennstoffzellentechnik umgestellt werden, was Berichten zufolge Mehrkosten in Milliardenhöhe verursacht. Ein Projekt in Wisconsin verzeichnet wegen einer Entscheidung zu Übertragungskosten sowie Anforderungen im Zusammenhang mit dem Rating zusätzliche Belastungen von mehr als 100 Millionen Dollar. Das Fachmedium The Information berichtete zudem über milliardenschwere Kostenüberraschungen bei Oracles Rechenzentren, ohne die Details öffentlich zugänglich zu machen.
Institutionelle Anleger uneins, Insider verkauft
Das Bild bei institutionellen Investoren fällt gemischt aus. Jennison Associates reduzierte seine Position im ersten Quartal 2026 um 26,3 Prozent und verkaufte 2.479.269 Aktien, hält aber weiterhin ein Paket im Wert von rund 1,02 Milliarden Dollar. Assetmark trennte sich von 43,6 Prozent seines Bestands, Kinsale Capital Group von 39 Prozent. Auf der Käuferseite stiegen Copeland Capital Management mit rund 4,56 Millionen Dollar neu ein, während SEB Asset Management im gleichen Zeitraum 382.268 Aktien im Wert von etwa 56,24 Millionen Dollar erwarb. Vice Chairman Jeffrey Henley veräußerte am 24. Juni im Rahmen eines vorab festgelegten Verkaufsplans 400.000 Aktien zum Kurs von 159,16 Dollar.
Trotz der Unruhe an den Kreditmärkten bewertet der Analystenkonsens die Aktie mehrheitlich als Kaufkandidat mit einem durchschnittlichen Kursziel von 268,27 Dollar. Simply Wall St bezifferte den fairen Wert zuletzt sogar auf 242,10 Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr peilt Oracles eigene Wachstumserzählung bis 2029 einen Umsatz von 171,1 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 36,6 Milliarden Dollar an – ein Pfad, der ein jährliches Wachstum von knapp 38,7 Prozent voraussetzt.
Kursreaktion bleibt volatil
Der starke Kurseinbruch der vergangenen Wochen spiegelt sich in den Handelsdaten wider. Zum Wochenschluss am Freitag legte die Aktie um 1,79 Prozent auf 110,56 Euro zu – eine kurze Erholung nach dem massiven Ausverkauf der vorangegangenen Wochen. Vom 52-Wochen-Tief, das die Aktie erst kürzlich markierte, notiert der Titel damit nur noch 5,20 Prozent entfernt. Der Relative-Stärke-Index von 29,0 signalisiert eine überverkaufte Marktlage, die angesichts der anhaltenden Debatte um Kreditrisiko und Investitionstempo vorerst bestehen dürfte.
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