Oracle Aktie: Citigroup setzt Kursziel auf 330 Dollar
Citigroup hebt Oracle auf 330 Dollar Kursziel an, während hohe KI-Investitionen die Margen belasten und der Analystenkonsens positiv bleibt.

- Citigroup setzt 330 Dollar Kursziel
- Oracle meldet 638 Milliarden Dollar Auftragsbestand
- 70 Milliarden Dollar Investitionen eingeplant
- KI-Ausbau trifft auf höhere Finanzierungslast
Nach einem heftigen Kurseinbruch seit Anfang Juni traut Citigroup der Oracle-Aktie wieder deutlich mehr zu. Die Analysten setzen ein Kursziel von 330 Dollar und begründen ihren optimistischen Ausblick mit einer höheren Gewinnprognose: Bis zum Geschäftsjahr 2030 soll der Gewinn je Aktie auf 22 Dollar steigen. Damit reiht sich Citi in eine breite Front bullisher Analystenstimmen ein, die den jüngsten Ausverkauf als übertrieben einstufen.
Die Kursbewegung der vergangenen Monate war massiv: Von rund 249 Dollar fiel die Aktie bis auf 114,5 Dollar – ein Einbruch von etwa der Hälfte des Werts binnen weniger Wochen. Im deutschen Handel notierte das Papier am Freitag bei 130,08 Euro, nahezu unverändert zum Vortag.
Auf Sicht von 30 Tagen hat sich der Kurs jedoch um 26 Prozent erholt, bleibt aber seit Jahresbeginn mit 22 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 294,85 Euro, erreicht im September vergangenen Jahres, trennen die Aktie weiterhin 56 Prozent.
Auftragsbestand als Rückgrat der Wachstumsstory
Trotz der Kursverluste bleibt der Auftragsbestand von Oracle beeindruckend: Die Restauftragsverpflichtungen (RPO) summierten sich zum Ende des Geschäftsjahres auf 638 Milliarden Dollar. Nach Berechnungen von Trefis sind davon rund 77 Milliarden Dollar, also etwa 12 Prozent, innerhalb der kommenden zwölf Monate fällig.
Allein im vierten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres unterzeichnete Oracle KI-Infrastrukturverträge im Volumen von 67 Milliarden Dollar, kumuliert kamen 75 Milliarden Dollar zusammen.
Der Wall-Street-Konsens bleibt trotz der Volatilität klar positiv: 32 Analysten kommen im Schnitt auf ein Kursziel von 257,79 Dollar, die Einstufung lautet mehrheitlich Strong Buy. Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2027 rechnen Analysten mit einem Umsatz von 19,13 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie mit einem Gewinn je Aktie von 1,74 Dollar.
Hohe Investitionen belasten die Marge
Die Kehrseite des Wachstumstempos zeigt sich in der Kostenstruktur. Laut Trefis-Berechnungen sackte die Bruttomarge im vergangenen Geschäftsjahr um fünf Prozentpunkte ab, weitere Rückgänge werden erwartet.
Für das laufende Geschäftsjahr 2027 kalkuliert Oracle mit Investitionsausgaben von netto 70 Milliarden Dollar, von denen rund 40 Milliarden Dollar über zusätzliches Fremd- oder Eigenkapital finanziert werden müssen.
Beim Projekt in Abilene, einem zentralen Baustein der KI-Infrastrukturstrategie, waren nach Angaben von Trefis 42 Prozent der Kapazität ausgeliefert, weitere 35 Prozent sollen innerhalb von 90 Tagen folgen.
Diese Finanzierungslast reiht sich in ein Branchenmuster ein, das derzeit mehrere große Technologiekonzerne betrifft: Auch Alphabet erhöhte zuletzt seine Investitionsprognose deutlich und musste dafür Kursverluste hinnehmen. Für Oracle bedeutet das, dass die Aktie an der Schnittstelle zwischen enormem Nachfragewachstum im KI-Cloud-Geschäft und den damit verbundenen Kapitalkosten steht.
Auf operativer Ebene treibt Oracle unterdessen den Ausbau von Agentic-AI-Anwendungen voran. In einer Zusammenarbeit mit KPMG entwickelt das Unternehmen autonome KI-Systeme, die zunächst in Finanzfunktionen von Unternehmen zum Einsatz kommen sollen. Nach Angaben der beteiligten Oracle-Verantwortlichen stehen dabei Vertrauen, Governance und ein durchdachtes Change-Management im Vordergrund, um solche Systeme in größerem Maßstab einzuführen.
Mit einem RSI von 56 und einem Abstand von 6,1 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt zeigt der Kursverlauf derzeit keine überkaufte Situation. Die Diskrepanz zwischen skeptischer Kursreaktion und bullischem Analystenkonsens dürfte die Aktie in den kommenden Wochen weiter volatil halten.
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