Oracle Aktie: Cloud-Expansion entscheidet über Kurswende

Skepsis trotz voller Auftragsbücher

Anleger des Softwarekonzerns stehen vor einer Richtungsentscheidung. Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC belegten am Mittwoch einen weiteren Insider-Verkauf: CEO Michael D. Sicilia veräußerte 10.882 Aktien zu einem Preis von 139,94 US-Dollar im Rahmen eines Handelsplans nach Rule 10b5-1. Medienberichten zufolge summierten sich die Verkäufe von Führungskräften in den vergangenen 90 Tagen damit auf rund 133,8 Millionen US-Dollar, maßgeblich getrieben durch Vice Chairman Jeffrey Henley.

Diese Transaktionen treffen auf einen Markt, der die jüngsten Expansionspläne des Konzerns zurückhaltend bewertet. Am Freitag ging die Oracle-Aktie bei 128,70 Euro aus dem Handel. Seit Jahresanfang steht damit ein Kursrückgang von 23 Prozent zu Buche.

Gleichzeitig passten mehrere Analysehäuser ihre Erwartungen an das Papier an: BMO Capital Markets senkte das Kursziel am 11. September von 220 auf 195 US-Dollar, stufte die Aktie jedoch weiterhin mit „Outperform“ ein. Freedom Broker reduzierte das Ziel am 14. September von 210 auf 205 US-Dollar.

Die Belastungsprobe für den freien Cashflow

Für Investoren spitzt sich die Lage auf eine fundamentale Kennzahl zu: die Tragfähigkeit der massiven Investitionen im Verhältnis zum freien Barmittelzufluss. Das Management hält für das laufende Geschäftsjahr 2027 an einer Prognose für die Investitionsausgaben (CapEx) in Höhe von 90 bis 95 Milliarden US-Dollar fest.

Zwar erzielte das Unternehmen mit 23 Milliarden US-Dollar einen Rekord beim operativen Cashflow, doch kletterten die Ausgaben für Sachanlagen zeitgleich auf 28 Milliarden US-Dollar.

Das Ergebnis war ein negativer freier Cashflow von minus 5 Milliarden US-Dollar. Ob sich dieser Liquiditätsabfluss in den kommenden Quartalen verringert oder weiter ausweitet, bestimmt die Risikowahrnehmung der Marktteilnehmer.

Oracle setzt darauf, den Ausbau der Rechenzentren über Kundenanzahlungen und Finanzierungsvereinbarungen abzusichern. Gelingt dies nicht im erhofften Ausmaß, droht die Finanzierungsstruktur des Konzerns zunehmend in den Fokus der Anleger zu rücken.

Hohe GPU-Auslastung treibt die Ertragsfantasie

Das positive Szenario für die Aktie stützt sich auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Rechenleistung für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz. Die vertraglich gebundenen, aber noch nicht realisierten Umsätze (Remaining Performance Obligations, RPO) erreichten 664 Milliarden US-Dollar und übertrafen damit die Markterwartungen von 630,6 Milliarden US-Dollar.

Auf operativer Ebene meldete Oracle eine Auslastung seiner Grafikprozessoren (GPUs) von 97,9 Prozent bei mehr als 300.000 im Quartal bereitgestellten Einheiten.

Zudem baut das Unternehmen seine Plattformangebote weiter aus. Im September folgten funktionale Erweiterungen der OCI Enterprise AI, darunter das Modell Moonshot AI Kimi K3 sowie Freigaben für Cloud-Regionen im Regierungs- und Verteidigungssektor.

Bestätigt sich die Nachfrage, dürfte die angehobene Jahresprognose für das Geschäftsjahr 2027 erreichbar bleiben. Diese stellt einen bereinigten Gewinn von 8,10 US-Dollar je Aktie bei einem Mindestumsatz von 90 Milliarden US-Dollar in Aussicht.

Hohe Fixkosten und Margendruck gefährden die Erholung

Auf der Kehrseite stehen erhebliche operative und finanzielle Risiken. Die Verpflichtung zu Investitionen von bis zu 95 Milliarden US-Dollar bindet gewaltige Mittel in einem Umfeld, in dem der Konzern parallel strikte Sparmaßnahmen umsetzt.

Führungskräfte wurden angewiesen, die Personalausgaben vor dem 1. September zu senken, was in einzelnen Teams zu zweistelligen prozentualen Kürzungen führen soll. Bereits im vorangegangenen Geschäftsjahr war die weltweite Belegschaft um rund 21.000 Beschäftigte geschrumpft.

Sollten die Erlöse aus der Cloud-Infrastruktur hinter den hohen Erwartungen zurückbleiben, drohen die massiv hochgefahrenen Rechenzentrumskapazitäten die Profitabilität zu belasten. Bei einem längerfristig negativen freien Cashflow könnte Oracle gezwungen sein, zusätzliche Verbindlichkeiten aufzunehmen oder geplante Expansionsschritte zu drosseln. Dies würde das prognostizierte Wachstum dämpfen und Bewertungsabschläge nach sich ziehen.

Der nächste Härtetest für das Cloud-Wachstum

Aus charttechnischer Sicht verläuft der 200-Tage-Durchschnitt bei 142,97 Euro, womit der Kurs aktuell 10,0 Prozent unter dieser langfristigen Trendlinie liegt. Solange Oracle nachweisen kann, dass die immensen Investitionen durch feste Kundenanzahlungen gegenfinanziert sind, bleibt das Erholungsszenario intakt.

Kippt hingegen das Vertrauen in die Finanzierbarkeit des Ausbaus oder geraten die operativen Margen unter Druck, droht der Aktie eine Fortsetzung der Konsolidierung.

Der nächste konkrete Katalysator für die Bestätigung der Wachstumsdynamik ist der Quartalsbericht für das zweite Geschäftsquartal. Hier peilt das Management ein Umsatzwachstum zwischen 30 und 34 Prozent an. Erst diese Zahlen werden zeigen, ob sich die milliardenschweren Vorleistungen zeitnah in realen Mittelzuflüssen niederschlagen.

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