Oracle-Aktie: Ein Downgrade von der Pleite entfernt

S&P senkt Oracle-Rating auf BBB- wegen hoher OpenAI-Abhängigkeit. Die geplante Eigenkapitalaufnahme ist entscheidend für den Ratingerhalt.

Die Kernpunkte:
  • S&P stuft Kreditrating auf BBB- herab
  • Hohe Abhängigkeit von OpenAI als Risiko
  • Geplante 20 Mrd. USD Eigenkapitalemission
  • Freier Cashflow tief im negativen Bereich

Oracle schließt am Dienstag bei 112,18 Euro. Das liegt nur 0,54 Prozent über dem frischen 52-Wochen-Tief von 111,58 Euro, das die Aktie einen Tag zuvor markiert hat. Binnen eines Monats hat das Papier 32,54 Prozent verloren, auf Jahressicht sind es 44,62 Prozent. Die Frage für Anleger lautet längst nicht mehr, ob die KI-Wachstumsstory intakt bleibt. Sie lautet: Schafft Oracle seinen Finanzierungsplan, bevor Ratingagenturen den Konzern in den Ramschstatus abstufen?

Der Auslöser: Ein Rating einen Schritt vor Ramsch

S&P Global Ratings hat Oracles langfristiges Kreditrating von BBB auf BBB- gesenkt. Das ist nur noch eine Stufe über spekulativem Niveau. Die Begründung dreht sich um ein einziges Wort: Kundenkonzentration.

S&P sieht Oracles starke Abhängigkeit von einem einzigen Großkunden als besonders kritisch an. Gemeint ist OpenAI. Rund die Hälfte des vertraglich zugesagten, aber noch nicht gelieferten Auftragsvolumens von 638 Milliarden US-Dollar entfällt auf diesen einen Kunden. S&P warnt offen: Sollte OpenAI seine Zahlungen nicht leisten können, bliebe Oracle auf gewaltigen Rechenzentrums-Mietverträgen sitzen. Diese ließen sich möglicherweise weder kündigen noch zu ähnlich guten Konditionen an neue Mieter weitergeben.

Zusätzlichen Druck bringt eine noch offene Klage von Anleihegläubigern wegen Oracles Schuldenoffenlegung. Der Ausgang dieses Verfahrens ist ungewiss. Er könnte die Finanzierungsstrategie des Konzerns weiter belasten.

Die entscheidende Kennzahl: Fremdkapital oder Eigenkapital

Ein einziger Faktor wird Oracles Weg von hier aus bestimmen. Kann der Konzern seine wachsende Free-Cashflow-Lücke überwiegend mit Eigenkapital statt mit neuen Schulden schließen? Nur so ließe sich die Verschuldungsschwelle einhalten, die eine weitere Herabstufung auslösen würde.

S&P rechnet damit, dass Oracles bereinigte Verschuldungsquote im Geschäftsjahr 2027 in den mittleren 4er-Bereich klettert. Diese Schwelle gilt der Agentur als nicht mehr vereinbar mit einem soliden BBB-Profil. Eine weitere Herabstufung würde Oracle auf BB+ drücken — erstmals in der Firmengeschichte unterhalb von Investment-Grade.

Das bullische Szenario: Auftragsbestand und ein glaubwürdiger Eigenkapitalpfad

Die Nachfrage bleibt trotz des Finanzierungsdrucks robust. Das Cloud-Infrastruktur-Geschäft wuchs im jüngsten Quartal um 93 Prozent. Der Auftragsbestand liefert eine Umsatzsichtbarkeit, die kaum ein Wettbewerber vorweisen kann.

Das Management hat bereits reagiert und steuert bewusst auf Eigenkapital um, um das Investment-Grade-Rating zu schützen. Im Februar 2026 hat Oracle Pflichtwandelvorzugsaktien im Volumen von 5 Milliarden US-Dollar platziert. Für später in diesem Jahr plant der Konzern eine weitere Eigenkapitalaufnahme von 20 Milliarden US-Dollar. Läuft diese Emission glatt, sinkt die Abhängigkeit von frischen Schulden spürbar — zusätzliche Anleihen sind für das Kalenderjahr 2026 ohnehin nicht vorgesehen.

Finanzchefin Maxson brachte die Priorität auf den Punkt: Man bleibe fokussiert auf disziplinierte Kapitalallokation, eine starke Bilanz und den Erhalt des Investment-Grade-Ratings, sagte sie beim Earnings Call. Technisch spricht einiges für eine Gegenbewegung: Der RSI steht bei 25,4, ein klassisch überverkauftes Niveau. Stabilisiert sich die Finanzierungsgeschichte, könnte die Aktie in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts von 156,97 Euro drehen.

Das bärische Szenario: Konzentrationsrisiko trifft juristische Unsicherheit

Das Gegenszenario wiegt genauso schwer. Zur von S&P benannten OpenAI-Konzentration ist ein neues Risiko hinzugekommen: Apple hat OpenAI wegen mutmaßlichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen verklagt. Genau diese Meldung drückte Oracles Aktie auf ihr frisches Jahrestief — direkt nach der S&P-Herabstufung, die schon zuvor auf das extreme Konzentrationsrisiko hingewiesen hatte.

Verschlechtert sich OpenAIs rechtliche oder finanzielle Lage, geraten Oracles Auftragsbestand-Annahmen unmittelbar unter Druck. Der Cash-Verbrauch lässt derweil nicht nach. Im Geschäftsjahr 2026 lag der freie Cashflow bei minus 23,69 Milliarden US-Dollar, bei Investitionen von 55,66 Milliarden US-Dollar. Für 2027 werden minus 42 Milliarden US-Dollar erwartet, gegen geplante 40 Milliarden US-Dollar an neuer Finanzierung.

Verzögert sich die geplante 20-Milliarden-Dollar-Emission, wird sie ungünstig bepreist oder bleibt sie hinter den Erwartungen zurück, könnte Oracle wieder auf die Anleihemärkte angewiesen sein. Genau dann, wenn die Verschuldungsquote bereits angespannt ist. Das ist exakt das Szenario, das S&P als Auslöser für eine Abstufung auf BB+ genannt hat.

Ausblick: Die Verschuldungsschwelle bleibt der Signalgeber

Solange Oracle die geplante Eigenkapitalemission ohne größere Verzögerung oder Preisabschläge durchbringt, spricht die Gemengelage für eine Stabilisierung nahe dem aktuellen Niveau. Das überverkaufte technische Bild stützt dieses Szenario, ebenso ein durchschnittliches Kursziel von 219,87 Euro über verschiedene Datenanbieter hinweg — die einzelnen Schätzungen streuen dabei deutlich.

Gerät die Eigenkapitalaufnahme ins Stocken, oder eskaliert der Rechtsstreit zwischen OpenAI und Apple zu einer echten Bedrohung für OpenAIs vertragliche Verpflichtungen, dürfte die Verschuldungsquote weiter Richtung mittlerer 4er-Bereich klettern. Rating und Aktienkurs blieben dann unter Druck. Der nächste echte Test kommt mit den Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 — dann wird sich zeigen, wie weit Oracle mit seinem Finanzierungsprogramm tatsächlich gekommen ist.

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