Oracle Aktie: Führungsriege verkauft geschlossen

Oracle meldete erneut bessere Quartalswerte als erwartet; zugleich baut der Konzern sein Angebot für Banken aus. Insiderverkäufe dienten teils der Steuerzahlung.

Die Kernpunkte:
  • CEO verkauft Aktien nach RSU-Vesting
  • Steuern lösen weitere Aktienverkäufe aus
  • Cloud-Infrastruktur wächst um 120 Prozent
  • Bankenplattform soll 2027 verfügbar sein

Wenn CEO und Chief Accounting Officer innerhalb weniger Tage Aktien im Millionenwert abstoßen, schauen Anleger genauer hin. Bei Oracle ist genau das passiert — allerdings mit einem entscheidenden Kontext, der die Verkäufe relativiert.

CEO Michael Sicilia trennte sich am 22. September 2026 von 22.562 Aktien zu je 151,59 Dollar, insgesamt rund 3,42 Millionen Dollar. Der Verkauf lief über einen Rule-10b5-1-Handelsplan, der bereits im Dezember 2025 eingerichtet wurde — solche Pläne werden im Voraus festgelegt und laufen automatisch, unabhängig von aktuellen Unternehmensnews. Chief Accounting Officer Maria Smith veräußerte parallel 2.631 Aktien für etwa 399.122 Dollar.

Beide Transaktionen folgten auf das Vesting von Restricted Stock Units. Sicilia erhielt zunächst 109.213 Aktien kostenlos, musste davon aber 52.806 Stück im Wert von rund 7,79 Millionen Dollar abgeben, um die daraus entstehende Steuerlast zu begleichen.

Bei Smith lief es ähnlich: Nach dem Erhalt von rund 17.400 Aktien aus RSU-Vesting wurden 9.105 Anteile für etwa 1,34 Millionen Dollar zur Steuerdeckung verkauft. Solche Pflichtverkäufe zur Steuerbegleichung sind bei US-Führungskräften Routine und kein eigenständiges Warnsignal.

Kurs unter Druck, Bewertung aber günstig

Die Aktie notiert aktuell bei 144,56 Dollar und liegt damit 53 Prozent unter dem Stand vor einem Jahr — eine deutliche Korrektur nach der starken KI-Rally der Vorperiode. Trotzdem gilt das Papier bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22,7 als unterbewertet, gemessen an Fair-Value-Modellen.

Mehrere Analystenhäuser bestätigten zuletzt positive Einschätzungen: Mizuho und DA Davidson mit „Outperform“ beziehungsweise „Buy“, Bernstein ebenfalls mit „Outperform“ unter Verweis auf die Fortschritte bei den Zielen für das Geschäftsjahr 2030. Freedom Broker senkte das Kursziel wegen Margendrucks leicht auf 205 Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest.

Hintergrund der optimistischen Stimmung ist das jüngste Quartalsergebnis. Oracle übertraf zum dritten Mal in Folge die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn, die Cloud-Infrastruktursparte wuchs währungsbereinigt um 120 Prozent im Jahresvergleich.

Neues Standbein im Bankgeschäft

Parallel zu den Personalien und Zahlen treibt Oracle sein Digital-Assets-Geschäft voran. Das Unternehmen erweiterte seine Plattform Digital Assets Data Nexus um Zahlungsintegrationen für tokenisierte Einlagen, Stablecoins und digitale Zentralbankwährungen, verbunden mit KI-gestützter Überwachung für Banken.

Die Lösung soll im Geschäftsjahr 2027 verfügbar sein und wird auf der SIBOS-Konferenz in Miami zwischen dem 28. September und 1. Oktober 2026 vorgestellt.

Die Kombination aus Insider-Verkäufen, die überwiegend technischer Natur sind, und einer soliden operativen Entwicklung zeichnet ein Bild, das weniger dramatisch ist als der nackte Kursverlust vermuten lässt. Die Cloud-Wachstumszahlen und der Ausbau ins Bankengeschäft bleiben die eigentlichen Treiber für die kommenden Quartale.

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