Oracle Aktie: Herabstufung trifft Rekordnachfrage
S&P stuft Oracle auf BBB- herab, während der Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar und hohe Investitionen die Bilanz belasten.

- S&P senkt Kreditwürdigkeit auf BBB-
- Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar
- Freier Cashflow bei minus 23,7 Milliarden
- Cloud-Umsatz steigt um 93 Prozent
Ein Rating knapp über Ramsch-Niveau, ein Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar und eine Aktie, die nur noch 3,62 Prozent über ihrem Jahrestief notiert. Oracle steckt gerade in einem handfesten Widerspruch: Die Nachfrage nach KI-Cloud-Diensten bricht Rekorde, während die eigene Bilanz zunehmend unter Druck gerät. Am Mittwoch schloss die Aktie bei 115,62 Euro – fast 59 Prozent unter ihrem Hoch vom September 2025.
Auslöser der aktuellen Talfahrt ist eine Herabstufung durch S&P Global Ratings. Die Agentur senkte die Kreditwürdigkeit von Oracle am 15. Juli auf BBB-, nur eine Stufe über Ramsch-Status. Als Begründung nennt S&P ein Konzentrationsrisiko: Rund die Hälfte der zukünftigen Geschäftsverpflichtungen von Oracle hängt an einem einzigen Partner – OpenAI.
Die entscheidende Frage
Kann Oracle seinen gigantischen Auftragsbestand schnell genug in echten Cashflow verwandeln? Das Unternehmen sitzt auf offenen Verpflichtungen von 638 Milliarden Dollar. Gleichzeitig verbrennt es Geld: Der freie Cashflow liegt bei minus 23,7 Milliarden Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 plant Oracle zusätzliche Investitionen von 95 Milliarden Dollar. Ohne schnellere Umwandlung des Auftragsbestands drohen weitere Kapitalmaßnahmen – etwa eine verwässernde Aktienausgabe oder teure neue Schulden.
Bullen-Szenario: Die Infrastruktur zieht
Für Optimisten spricht Oracles Tempo beim Ausbau der KI-Infrastruktur. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 stieg der Umsatz mit Cloud-Infrastruktur um 93 Prozent auf 5,787 Milliarden Dollar. Damit gewinnt Oracle Marktanteile im Segment der KI-Supercluster – selbst gegenüber größeren Hyperscaler-Konkurrenten.
Hinzu kommt ein möglicher Prestigeerfolg: Medienberichten vom 15. Juli zufolge gilt Oracle als Favorit für einen hochsicheren, abgeschotteten Cloud-Auftrag der japanischen Regierung. Eine Bestätigung würde die Position im Markt für staatliche Cloud-Lösungen deutlich stärken.
Auch die Bewertung liefert Argumente. Nach dem Kursrutsch um fast 59 Prozent seit dem Hoch hat sich das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 16,2 reduziert. Der durchschnittliche Kursziel-Konsens der Analysten liegt bei 220,32 Euro – ein Aufwärtspotenzial von gut 90 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Der 14-Tage-RSI von 30,0 signalisiert zudem eine überverkaufte Aktie. Bullen sehen darin einen seltenen Einstiegspunkt in einen Wachstumswert mit KI-Rückenwind.
Bären-Szenario: Bilanzstress und Klumpenrisiko
Die Gegenseite blickt auf eine Bilanz, die zunehmend Fragen aufwirft. Die Hälfte des gewaltigen Auftragsbestands hängt an OpenAI – Oracle macht sich damit abhängig von der finanziellen Stabilität und dem Börsengangs-Zeitplan eines einzelnen KI-Labors.
Der Cash-Verbrauch ist bereits jetzt erheblich. Die Investitionsausgaben erreichten im Geschäftsjahr 2026 satte 55,7 Milliarden Dollar – 83 Prozent des Umsatzes. Um die Expansion zu finanzieren, plant Oracle Berichten zufolge eine zusätzliche Finanzierung von 40 Milliarden Dollar. Ein Teil davon, rund 20 Milliarden Dollar, könnte über eine neue Aktienausgabe kommen. Für bestehende Aktionäre wäre das eine spürbare Verwässerung.
Operative Risiken kommen hinzu. Oracle streitet aktuell mit der Aufsichtsbehörde von Wisconsin über Sicherheitsleistungen für Rechenzentren – im Raum stehen jährliche Garantien von mehr als 100 Millionen Dollar. Im Geschäftsjahr 2026 baute Oracle bereits 21.000 Stellen ab, um Kosten zu senken. Der Spielraum für Fehler bei diesem gewaltigen Infrastruktur-Ausbau schrumpft.
Ausblick: Zwischen Stützmarke und Warnsignal
Solange das Jahrestief von 111,58 Euro als technische Unterstützung hält, könnte die überverkaufte Lage kurzfristig eine technische Erholung befeuern. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 155,98 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 164,30 Euro – beide Marken liegen derzeit weit entfernt und markieren, wie tief die Aktie gefallen ist.
Eine nachhaltige Erholung dürfte aber an zwei Bedingungen hängen: die offizielle Bestätigung des Japan-Auftrags oder eine Stabilisierung des Kredit-Ausblicks. Bricht die Marke von 111,58 Euro, rückt die psychologische Schwelle von 100 Euro in Reichweite – vor allem, falls die geplante Kapitalerhöhung über 20 Milliarden Dollar zu ungünstigen Konditionen kommt.
Drei Katalysatoren dürften in den kommenden Monaten den Ausschlag geben:
- Japan-Cloud-Auftrag: Eine offizielle Zusage wäre ein starkes Signal für Oracles Ruf im Markt für staatliche KI-Infrastruktur.
- Quartalszahlen für das erste Quartal 2027: Das Management hat ein Umsatzwachstum von 27 bis 29 Prozent und ein Cloud-Wachstum von 58 bis 64 Prozent in Aussicht gestellt.
- Umwandlungsrate des Auftragsbestands: Aktuell fließen nur rund 12 Prozent der 638 Milliarden Dollar Auftragsbestand binnen zwölf Monaten in echten Umsatz. Jeder Hinweis auf eine höhere Quote würde die Sorgen um den Cash-Verbrauch dämpfen.
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