Oracle Aktie: London zieht Aufsicht an
Großbritannien stuft Oracle als systemrelevant für das Finanzsystem ein. Die Aktie bleibt trotz neuer Auflagen und einer Rating-Herabstufung stabil.

- Neue Aufsicht durch britische Finanzbehörden
- S&P senkt Kreditrating auf niedrigste Investment-Grade-Stufe
- Investitionsausgaben steigen auf bis zu 95 Milliarden Dollar
- OpenAI macht Hälfte der Auftragsverpflichtungen aus
Ein Tag nach der Herabstufung durch S&P Global bekommt Oracle gleich die nächste unangenehme Nachricht. Das britische Finanzministerium erklärt den Softwarekonzern zum „Critical Third Party“ für das britische Finanzsystem. Ab dem 13. Juli 2026 steht Oracle damit unter direkter Aufsicht der Bank of England, der Prudential Regulation Authority und der Financial Conduct Authority.
Die Aktie reagiert kaum. Am Montag notiert das Papier bei 123,20 Euro, nahezu unverändert gegenüber dem Freitagsschluss von 123,28 Euro. Der Kurs bleibt damit in der Nähe seines Mehrmonatstiefs, nach einem Absturz von 22,6 Prozent in den vergangenen 30 Tagen.
London reiht Oracle unter die Cloud-Wächter ein
Die neue Einstufung bringt Oracle in eine Gruppe mit drei weiteren großen Cloud-Anbietern. Alle vier müssen künftig regelmäßige Resilienz-Tests durchführen und Störfälle melden. Für Oracle bedeutet das eine dauerhafte Compliance-Last – zusätzliche Kosten für einen Konzern, der sein Wachstum bereits mit Mühe finanziert.
Bemerkenswert: Oracle ist unter den vier benannten Anbietern das einzige Unternehmen, das nur eine Ratingstufe über dem Ramschniveau liegt. Genau das war einen Tag zuvor Thema bei S&P Global.
Die Herabstufung sitzt tief
S&P Global senkte das langfristige Kreditrating von Oracle von „BBB“ auf „BBB-„. Das ist die niedrigste Stufe im Investment-Grade-Bereich der Ratingagentur. Eine weitere Kürzung würde Oracle in den Junk-Bereich drücken. Zusätzlich stufte S&P die kurzfristige Kreditwürdigkeit von „A-2“ auf „A-3“ herab.
Der Auslöser liegt in Oracles Ausgabenplänen. S&P rechnet nun für das Geschäftsjahr 2027 mit Investitionsausgaben von 90 bis 95 Milliarden Dollar – ein massiver Sprung gegenüber der bisherigen Prognose von 60 Milliarden Dollar. Das Defizit beim freien operativen Cashflow soll sich auf 42 Milliarden Dollar ausweiten, fast doppelt so hoch wie zuvor erwartet.
Die bereinigte Verschuldungsquote dürfte im Geschäftsjahr 2027 in den mittleren 4x-Bereich klettern. Damit überschreitet Oracle die Grenze, die S&P für ein solides „BBB“-Profil noch als sicher einstuft.
Analysten bleiben trotzdem gespalten
Nicht jeder an der Wall Street sieht schwarz. Bernstein-Analyst Mark L. Moerdler bekräftigt sein Kaufrating und sein Kursziel von 325 Dollar – ein Aufwärtspotenzial von 132 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Sein Argument: Oracle least seine gesamte Rechenzentrumskapazität, und die Kapazität für alle bestehenden Verträge steckt bereits in Leasingflächen, die Drittanbieter gerade bauen.
Ein weiterer Risikofaktor bleibt die Kundenkonzentration. OpenAI macht schätzungsweise rund die Hälfte der ausstehenden Auftragsverpflichtungen Oracles aus. Jeder Rückschlag auf dem Weg der KI-Branche zur Profitabilität würde Oracle damit überproportional treffen.
Eigenkapital statt Schulden
Um die Bilanz zu stabilisieren, ohne das Kreditprofil weiter zu belasten, setzt Oracle verstärkt auf Eigenkapital statt auf neue Schulden. Im Februar begab der Konzern Pflichtwandelvorzugsaktien im Volumen von 5 Milliarden Dollar. Für später in diesem Jahr ist eine weitere Kapitalerhöhung über 20 Milliarden Dollar geplant, mit der Aussicht auf zusätzliche zweistellige Milliardenbeträge über ähnliche Instrumente.
An der US-Börse legte die Aktie am Tag der Herabstufung sogar um 2,7 Prozent zu. Anleger richteten den Blick offenbar lieber auf den gewaltigen Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar im Cloud-Geschäft als auf die Risiken für die Bilanz.
Der 14-Tage-RSI liegt aktuell bei 31,1 – die Aktie gilt damit technisch als überverkauft. Gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 113,86 Euro aus dem Februar liegt der Kurs noch 8,2 Prozent im Plus, zum Rekordhoch von 280,70 Euro aus dem September 2025 fehlen jedoch 56,1 Prozent. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die zusätzliche Aufsicht aus London die ohnehin angespannte Investorenstimmung weiter belastet.
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