Oracle Aktie: OpenAI-Deal über 300 Milliarden Dollar

Oracles Aktie verliert über 50 Prozent vom Rekordhoch. Hohe Investitionen in KI-Infrastruktur belasten die Bilanz und verunsichern Anleger.

Die Kernpunkte:
  • Kurssturz von über 54 Prozent
  • Rekord-Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar
  • Hohe Schulden durch Rechenzentrumsausbau
  • Sorge vor Überkapazitäten im KI-Markt

Wer im September 2025 in Oracle investierte, saß auf dem vermeintlich sichersten Ticket im KI-Boom. Neun Monate später hat sich dieses Ticket in einen der schmerzhaftesten Abstürze der gesamten Technologiebranche verwandelt. Die Aktie notiert aktuell bei 126,48 Euro, nach einem Kursrutsch von 36,36 Prozent allein im letzten Monat. Der heutige Zuwachs von 2,88 Prozent wirkt da fast wie ein Achtungszeichen inmitten eines Sturms, den Oracle bislang nicht abschütteln kann.

Der Absturz vom Rekordhoch bei 280,70 Euro im September 2025 beträgt inzwischen 54,94 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 24,26 Prozent zu Buche. Genau diese Diskrepanz zwischen Oracles gigantischen Versprechen und der nackten Bilanzrealität treibt die Anleger derzeit um.

Die Last des Versprechens

Auf dem Papier ist Oracle ein Gigant des KI-Zeitalters. Der Konzern sitzt auf einem Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar an noch zu erfüllenden Leistungsverpflichtungen. Das entspricht etwa dem Achtfachen des Jahresumsatzes. Darin enthalten: ein Mega-Deal mit OpenAI über mehr als 300 Milliarden Dollar, verteilt auf fünf Jahre und startend erst 2027.

Der Markt interessiert sich aber gerade wenig dafür, was Oracle 2027 verdienen wird. Ihn beschäftigt, was der Konzern jetzt schon ausgibt.

Capex gegen Glaubwürdigkeit

Der Umbau vom Softwarehaus zum KI-Infrastruktur-Schwergewicht kostet massiv. Oracle steckt aktuell rund 95 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Rechenzentren, um den prallen Auftragsbestand überhaupt bedienen zu können. Diese Investitionswelle hat den freien Cashflow ins Minus gedrückt und die Schulden auf über 100 Milliarden Dollar getrieben.

Diese finanzielle Belastung trifft Oracle ausgerechnet jetzt, da eine „Glut Scare“-Stimmung durch die Techbranche zieht. Große Player wie Meta signalisieren bereits, überschüssige KI-Kapazitäten weitervermieten zu wollen. Die Sorge vor einem Überangebot an Rechenleistung wächst. Für Oracle, das mit seiner Gen2-Cloud und seinen Superclustern alles auf eine Karte setzt, entsteht ein reales Risiko: Bis die gewaltigen Rechenzentren voll ausgelastet sind, könnten sich die Premium-Preise des KI-Goldrauschs längst normalisiert haben.

Technische Bodenbildung oder Falle?

Charttechnisch sieht Oracle derzeit aus wie ein fallendes Messer. Der RSI von 30,5 grenzt an überverkauftes Terrain. Das erklärt, warum Analysten von KeyBanc und Mizuho trotz einer neuntägigen Verlustserie an ihren Kaufempfehlungen festhalten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 220,78 Euro – ein theoretisches Aufwärtspotenzial von 74,6 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Reicht ein überverkaufter RSI-Wert allein, um aus einem fallenden Messer wieder ein verlässliches Kaufsignal zu machen? Die Antwort fällt schwer, denn Momentum lässt sich nicht einfach wegdiskutieren. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 71,48 Prozent, ein Wert, der eher zu einem Krisenmodus als zu einer Stabilisierung passt. Der Kurs notiert zudem 21,19 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 160,49 Euro. Der Weg zurück nach oben bleibt damit steil.

Investoren warten offensichtlich nicht mehr nur auf neue Vertragsunterschriften. Sie warten auf den Beweis, dass sich die Milliarden-Investitionen in Infrastruktur tatsächlich in nachhaltige, margenstarke Gewinne verwandeln lassen.

Oracle steckt damit in einer Phase, die man als Bewährungsprobe für die eigene Rendite bezeichnen könnte. Die Vision des gründergeführten Managements ist klar formuliert, und der Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar liefert zumindest theoretisch einen Boden für langfristiges Wachstum. Solange der Markt aber vor allem auf kurzfristige Kapitaleffizienz schaut, bleibt Oracles gewaltiger Investitionskurs ein Wagnis, das sich für die Aktionäre in diesem Jahr noch nicht ausgezahlt hat.

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