Oracle Aktie: Project Jupiter hinkt sieben Monate hinterher

Verzögerungen, Genehmigungsprobleme und Umweltbedenken belasten Oracles Rechenzentrumsprojekt in New Mexico sowie die Finanzierung durch Banken.

Die Kernpunkte:
  • Kredite bei 89 bis 91 Cent
  • Project Jupiter liegt sieben Monate zurück
  • Pipeline-Anträge in New Mexico blockiert
  • Oracle-Aktie 54 Prozent unter Jahreshoch

Der ehrgeizige Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten von Oracle gerät am Anleihemarkt spürbar ins Wanken. Kredite im Umfang von rund 18 Milliarden US-Dollar, die für das von Oracle geleaste Rechenzentrumsprojekt im US-Bundesstaat New Mexico aufgenommen wurden, sind unter erheblichen Preisdruck geraten.

Konsortialbanken wie Santander und Jefferies handelten die Kredite am vergangenen Freitag Medienberichten zufolge bei nur noch 89 bis 91 Cent je Dollar. Solche Notierungen deutlich unter dem Nennwert signalisieren zunehmende Zweifel der Marktteilnehmer an der reibungslosen Umsetzung des Großprojekts.

Verzögerungen und Umweltbedenken belasten Project Jupiter

Im Zentrum der Probleme steht der als „Project Jupiter“ bekannte, rund 1.400 Acre große Campus in Doña Ana County. Der Standort ist ein zentraler Baustein in der Vereinbarung zwischen Oracle und OpenAI zur Bereitstellung enormer Rechenleistung für Anwendungen künstlicher Intelligenz. Doch vor Ort regt sich massiver Widerstand: Bürger und Umweltgruppen äußern erhebliche Bedenken hinsichtlich der Wasserversorgung und der Luftqualität.

Zudem bremsen behördliche Hürden das Vorhaben aus. Das staatliche Land Office in New Mexico blockierte den Genehmigungsantrag für eine Erdgaspipeline, mit der ursprünglich 2,2-Gigawatt-Gasturbinen betrieben werden sollten. Auch ein alternativer Ansatz mit Brennstoffzellen stieß auf Pipeline-Blockaden. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die erste Bauphase bereits mindestens sieben Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückliegt.

Banken bleiben auf Krediten sitzen

Für die finanzierenden Banken erweist sich die Situation als zunehmend ungemütlich. Das Konsortium hatte die milliardenschweren Kredite Ende vergangenen Jahres bereitgestellt, um den Baustart abzusichern. Der Plan, diese Schulden an einen breiteren Kreis institutioneller Investoren weiterzureichen, stockt nun.

Grund dafür ist auch das schwächere Kreditprofil von Oracle: Die Ratingagentur S&P hatte die Bonitätsnote des Softwarekonzerns im Juli auf BBB- gesenkt, womit das Unternehmen nur noch eine Stufe über dem sogenannten Ramschbereich liegt. Infolgedessen müssen die Syndikatsbanken mehr projektbezogene Kredite in ihren eigenen Bilanzen halten als ursprünglich vorgesehen.

Die Analysten von Barclays äußerten sich bereits besorgt über den Zeitplan von Oracles Rechenzentrumsprojekten und hoben insbesondere die Risiken rund um den Standort in New Mexico hervor.

Hoher Kapitalbedarf drückt auf die Stimmung

Die Hängepartie trifft den Konzern in einer Phase enormer Vorleistungen für die Cloud-Infrastruktur. Zwar treiben Großaufträge das Geschäft an, doch die immensen Investitionen fordern ihren Tribut.

Oracle legte am vergangenen Donnerstag Quartalszahlen vor (seither -1,7 %), die die hohen Kapitalausgaben für neue Rechenzentren erneut verdeutlichten. Bereits vor gut einer Woche hatte eine neue Entlassungswelle bei Oracle (seither +3,0 %) den strikten Sparkurs abseits des Infrastrukturausbaus unterstrichen.

An der Börse notiert die Oracle-Aktie heute bei 129,00 Euro und verzeichnet damit ein leichtes Plus von 0,4 Prozent. Die anhaltenden Sorgen um die Finanzierung und Realisierung der KI-Infrastruktur spiegeln sich jedoch im langfristigen Bild wider: Mit einem Abschlag von 54 Prozent bleibt das Papier weit von seinem 52-Wochen-Hoch entfernt.

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