Oracle Aktie: Quartalszahlen überzeugen, Bilanz schreckt ab

Oracle steigert Umsatz und Cloud-Geschäft deutlich, finanziert den Ausbau jedoch mit hohen Investitionen, wachsender Verschuldung und Stellenabbau.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz klettert auf 19,35 Milliarden Dollar
  • Cloud-Infrastrukturgeschäft mehr als verdoppelt
  • Schulden steigen auf 125 Milliarden Dollar
  • Weitere Entlassungen in Seattle angekündigt

Es gibt Quartalszahlen, die einfach nur gut sind. Und es gibt Quartalszahlen, die eine ganze Branchenlogik offenlegen. Oracles jüngster Bericht gehört zur zweiten Sorte.

Ein Umsatzplus von 30 Prozent auf 19,35 Milliarden Dollar, ein Nettogewinn, der um bis zu 63 Prozent zulegte, ein Cloud-Infrastrukturgeschäft, das sich mehr als verdoppelte – und trotzdem schloss die Aktie den Handelstag nur rund zwei Prozent im Plus, nachdem sie zuvor tief im Minus gelegen hatte. Wer nach diesen Eckdaten Champagner erwartet hätte, sieht sich getäuscht. Der Markt feiert nicht das Wachstum, er misstraut dem Preis, den es kostet.

Und der Preis ist enorm. Für das laufende Geschäftsjahr peilt Oracle nun 90 bis 95 Milliarden Dollar Capex an.

Der freie Cashflow rutschte auf minus 5,4 Milliarden Dollar ab, während die Schulden auf 125 Milliarden Dollar anwuchsen. Dazu kommen 288 Milliarden Dollar an Leasingverpflichtungen, fast ausschließlich für Rechenzentren. Das ist die Rechnung, die hinter jedem gefeierten KI-Cloud-Vertrag steht.

Der Umbau hinter der Fassade

Während draußen von Wachstum die Rede ist, rumort es innen gewaltig. Oracle hat im vergangenen Geschäftsjahr 21.000 Stellen gestrichen, ein Minus von 13 Prozent der globalen Belegschaft. Jetzt rollt die nächste Welle: 359 weitere Kündigungen in Seattle, die vierte Massenentlassung in Washington binnen etwa 13 Monaten, dazu Berichte über bis zu 3.000 mögliche Stellenstreichungen in Indien.

CFO Hilary Maxson wehrte sich bei einer Mitarbeiterversammlung ausdrücklich gegen die Formel „mehr mit weniger“, während Co-CEO Mike Sicilia den Kundennutzen betont. Das Restrukturierungsbudget wuchs um 700 Millionen auf rund 2,8 Milliarden Dollar an – fast 15 Prozent des Quartalsumsatzes fließen damit in Abfindungen und Umbau.

Man kann das zynisch nennen: Wer Milliarden in GPUs und Rechenzentren steckt, muss anderswo sparen. Man kann es aber auch als das lesen, was es ist – ein Konzern, der sein Personalmodell komplett neu ausrichtet, während er gleichzeitig über 300.000 Grafikprozessoren auslieferte und mehr als 30 Milliarden Dollar an neuen KI-Cloud-Verträgen einsammelte. Der Auftragsbestand (RPO) liegt inzwischen bei rund 664 Milliarden Dollar. Das ist eine Zahl, die selbst hartgesottene Zweifler nachdenklich macht.

Ein Geschäftsmodell auf Pump – und ein Markt, der nervös wird

Genau hier trifft Oracle auf einen größeren Trend, der die gesamte Tech-Welt umtreibt: die Frage, wie lange sich der KI-Boom noch schuldenfinanziert durchhalten lässt.

Der Chefökonom von Apollo Global warnte diese Woche, dass sich Kreditausfallversicherungen auf Hyperscaler-Anleihen spürbar verteuern – ein Signal wachsenden Kreditrisikos bei genau jenen Unternehmen, die wie Oracle massiv auf Pump in Rechenzentren investieren.

Für einen Konzern mit 125 Milliarden Dollar Schulden und einem negativen Cashflow ist das kein Nebenschauplatz, sondern eine direkte Belastung der Finanzierungskosten.

Dazu passt, dass Oracle sich auch politisch Ärger einhandelt: Die Ethikkommission von New Mexico bewertete eine über 3,4 Millionen Dollar teure Werbekampagne für das Rechenzentrumsprojekt Jupiter als größte je gemeldete Lobbykampagne des Bundesstaates – mit dem Ziel, eine Genehmigung zur Luftqualität zu beeinflussen.

Die Aktie notiert nach alldem bei 124,58 Euro, gut ein Drittel unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 279,35 Euro, aber auch ein Viertel über dem Jahrestief. Sie bewegt sich knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, deutlich unter dem 200-Tage-Schnitt.

Diese Konstellation beschreibt exakt das Dilemma, in dem Anleger stecken: Wachstumsstory und Bilanzrisiko ringen um die Deutungshoheit über denselben Kurs. Wer auf Oracle blickt, blickt eigentlich auf die Frage, die derzeit die gesamte KI-Branche umtreibt – wie viel Schulden ein Zukunftsversprechen verträgt, bevor die Zinsen die Rechnung präsentieren.

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