Oracle Aktie: S&P senkt auf BBB-

S&P stuft Oracle auf BBB- herab, nur eine Stufe über Ramschniveau. Hohe Investitionen in die Cloud-Infrastruktur und die Abhängigkeit von OpenAI belasten die Bonität.

Die Kernpunkte:
  • Kreditrating auf BBB- gesenkt
  • Hohe Abhängigkeit von OpenAI
  • Milliardenprojekt in New Mexico gestoppt
  • Aktie fällt auf neues Jahrestief

Oracle steckt mitten im teuersten Umbau seiner Firmengeschichte. Der Softwarekonzern verwandelt sich in einen Infrastruktur-Anbieter für künstliche Intelligenz — und genau das macht Ratingagenturen und Investoren nervös. S&P Global Ratings hat die Kreditwürdigkeit des Konzerns nun auf BBB- gesenkt. Das ist nur noch eine Stufe über Ramschniveau.

S&P sieht wachsendes Risiko in Oracles Cloud-Wette

Die Herabstufung von BBB auf BBB- begründet S&P mit Oracles radikalem Geschäftsmodellwechsel. Aus dem margenstarken Softwaregeschäft wird ein kapitalintensives Infrastrukturgeschäft. Der Ausbau der Cloud-Sparte Oracle Cloud Infrastructure verschlingt gewaltige Summen.

S&P rechnet nun mit einem freien operativen Cashflow-Defizit von fast 42 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2027. Das liegt deutlich über früheren Schätzungen. Für das Gesamtjahr 2027 plant Oracle zusätzlich Investitionen von 90 bis 95 Milliarden Dollar.

Besonders kritisch sehen die Analysten die Kundenkonzentration im Auftragsbestand. Von den insgesamt 638 Milliarden Dollar an noch zu erfüllenden Aufträgen entfällt nach S&P-Schätzung rund die Hälfte auf einen einzigen Kunden: OpenAI. Sollte der ChatGPT-Entwickler seine mehrjährigen Verträge nicht erfüllen können, bliebe Oracle auf enormen ungenutzten Rechenzentrumskapazitäten und schweren Leasingverpflichtungen sitzen. S&P nennt das offen einen zentralen Kreditrisikofaktor.

Pipeline-Absage bremst Milliardenprojekt in New Mexico

Zur finanziellen Belastung kommt ein handfestes Infrastrukturproblem. Am 17. Juli lehnten Regulierungsbehörden in New Mexico eine 27 Kilometer lange Gaspipeline ab, die Oracles „Project Jupiter“ mit Energie versorgen sollte.

Der Energiekonzern Energy Transfer hatte die Leitung geplant. Sie sollte bis zu 2,5 Gigawatt gasbetriebene Brennstoffzellen von Bloom Energy speisen — genug für einen der größten geplanten Rechenzentrumskampus des Konzerns. Die Behörden verwiesen auf Bedenken beim Wasserverbrauch und bei den Emissionen.

Damit wird Oracles Zielvorgabe für die Inbetriebnahme Mitte August kaum noch zu halten sein. Der Start könnte sich bis ins Jahr 2027 verschieben. Für einen Konzern, der auf schnell verfügbare Rechenkapazität für den KI-Boom angewiesen ist, ist das ein empfindlicher Rückschlag.

Aktie im Sinkflug, Sentiment tief im roten Bereich

Der Markt hat die Nachrichtenlage längst eingepreist. Oracle-Aktien fielen am 17. Juli auf ein neues Jahrestief von 105,10 Euro, bevor sich der Kurs am Freitag leicht erholte und mit 110,56 Euro schloss — ein Tagesplus von 1,79 Prozent. Zum bisherigen Jahreshoch von 280,70 Euro im September 2025 klafft damit eine Lücke von über 60 Prozent.

Der RSI von 29 signalisiert überverkauftes Terrain. Die technische Erholung vom Freitag ändert daran wenig: Auf Monatssicht steht ein Kursrückgang von rund 31 Prozent zu Buche.

KI-Offensive läuft trotz Gegenwind weiter

Oracle hält am Ausbau seiner KI-Plattformen fest, ungeachtet der finanziellen Anspannung. Am 20. Juli kündigte der Konzern die Erweiterung des „AI Agent Studio for Fusion Applications“ an. Unternehmenskunden sollen darüber eigenständig agierende KI-Anwendungen direkt in Oracles Cloud-ERP-Suite einbinden können, mit Modellen von Google und OpenAI.

Der Ausbau folgt auf einen harten Personalschnitt. Im Geschäftsjahr 2026 strich Oracle rund 21.000 Stellen weltweit, etwa 13 Prozent der Belegschaft. Für Abfindungen und Austrittskosten zahlte der Konzern 1,8 Milliarden Dollar.

Steigende Schulden, ein gewaltiger Investitionsbedarf und nun auch regulatorische Hürden bei Schlüsselprojekten treffen aufeinander. Ob Oracle die OpenAI-Abhängigkeit im Auftragsbestand reduzieren kann, dürfte für die weitere Bonitätsentwicklung entscheidend bleiben.

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