Oracle Aktie: S&P stuft auf BBB- herab

Oracles Aktie leidet unter massiver Verschuldung und Bonitätsherabstufung, während Rekordaufträge und Cloud-Wachstum für Optimismus sorgen.

Die Kernpunkte:
  • S&P stuft Oracle-Bonität herab
  • Insider verkaufen Oracle-Aktien
  • Cloud-Partnerschaft mit Google ausgebaut
  • Sammelklage wegen Anleiheemission eingereicht

Ein Rekordauftragsbestand von 638 Milliarden Dollar auf der einen Seite, ein Free-Cashflow-Defizit von 23,7 Milliarden Dollar auf der anderen – kaum ein Technologiewert zeigt derzeit ein derart gespaltenes Bild wie Oracle. Für mich ist genau dieser Widerspruch der Kern der Geschichte, die sich aktuell um den Softwarekonzern rankt. Die Aktie notiert heute bei 122,24 Euro, ein Minus von 2,24 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 26,45 Prozent zu Buche – ein deutliches Signal dafür, dass der Markt die Risiken zunehmend stärker gewichtet als die Wachstumsstory.

Die Kreditwürdigkeit wackelt

Am 9. Juli stufte S&P Global Ratings die langfristige Emittentenbonität von Oracle von „BBB“ auf „BBB-“ herab, mit stabilem Ausblick. Begründet wurde der Schritt mit einer Verschuldung, die dauerhaft über dem Vierfachen des EBITDA liegt, sowie einem schwächeren operativen Cashflow. Seither hat sich die Lage aus meiner Sicht nicht entspannt: Die Gesamtverschuldung liegt inzwischen bei rund 134 Milliarden Dollar, getrieben von einem beispiellosen Ausbau der KI-Infrastruktur. Im vergangenen Geschäftsjahr explodierten die Investitionsausgaben auf 55,66 Milliarden Dollar. Wer glaubt, das sei nur eine Randnotiz für Bilanzanalysten, irrt – die Nähe zum „Junk“-Status ist für ein Unternehmen dieser Größenordnung ein ernstzunehmendes Warnsignal. Verschärft wird die Debatte durch einen Streit mit Regulierungsbehörden in Wisconsin: Diese verlangen von Betreibern großer Rechenzentren ein AAA-Bonitätsrating, was Oracles aktuelle Einstufung konterkariert. We-Energies-Chef Scott Lauber erklärte am Dienstag zwar, der geplante Hyperscale-Standort in Port Washington sei dadurch nicht gefährdet – doch dass die eigene Bonität überhaupt zum Thema für Energieversorger wird, spricht Bände.

Insider verkaufen, institutionelle Anleger sind gespalten

Parallel zur Bonitätsdiskussion verdichten sich Signale aus dem engeren Umfeld des Konzerns. Vize-Chairman Jeffrey Henley verkaufte im Juni im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans 400.000 Aktien im Wert von rund 63,7 Millionen Dollar. Ein einzelner Insiderverkauf lässt sich immer relativieren, doch er passt ins Bild einer Aktie, die von Höchstständen weit entfernt ist – der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt inzwischen 58,54 Prozent. Auch institutionelle Investoren senden uneinheitliche Signale: Sanders Morris Harris LLC reduzierte seinen Oracle-Bestand um 80,6 Prozent und hält nur noch Anteile im Wert von etwa 843.000 Dollar, während Eastern Bank ihre Position am Dienstag um 2,0 Prozent auf rund 41,2 Millionen Dollar aufstockte. Belastend hinzu kommt ein rechtliches Nachspiel: Eine Gruppe von Anleihegläubigern unter Führung des Ohio Carpenters‘ Pension Plan reichte im Januar vor einem New Yorker Gericht eine Sammelklage ein. Der Vorwurf: irreführende Angaben rund um die 18-Milliarden-Dollar-Anleiheemission vom September 2025. Ein juristisch noch offenes Verfahren, das die Kapitalmarkt-Kommunikation des Konzerns zusätzlich unter Druck setzt.

Wachstum als Gegengewicht

Und doch – die Wachstumszahlen sind nicht zu ignorieren. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 steigerte Oracle den Umsatz um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar, für das Gesamtjahr stehen 67,4 Milliarden Dollar zu Buche, ein Plus von 17 Prozent. Ende Juli erweiterte der Konzern die Partnerschaft mit Google Cloud um die Integration von Gemini-KI-Modellen in Oracle Fusion Cloud Applications und NetSuite – ein Beleg dafür, dass die Cloud-Strategie an Substanz gewinnt. Am Montag bekräftigte Brad Zelnick von der Deutschen Bank sein „Buy“-Rating und argumentierte, der Markt unterschätze den gigantischen Auftragsbestand trotz der hohen Investitionsausgaben. Für Aktionäre bleibt zumindest die Dividende ein fester Anker: Ende Juli zahlte Oracle 0,50 Dollar pro Aktie, wovon allein Chairman Larry Ellison bei seinem Anteil von 1,158 Milliarden Aktien schätzungsweise 579 Millionen Dollar erhielt.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich Oracle an einem Scheidepunkt. Der Auftragsbestand und die Cloud-Wachstumsraten liefern ein starkes Argument für Optimisten wie die Deutsche Bank. Doch die Kombination aus sinkender Bonität, explodierender Verschuldung, einer laufenden Sammelklage und Insiderverkäufen lässt die Risikoseite für mich derzeit schwerer wiegen. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 58,43 Prozent bleibt die Aktie ein Nervenkitzel – wer hier investiert ist, sollte sich der Zerrissenheit dieser Geschichte bewusst sein.

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