Oracle Aktie: S&P stuft auf BBB- herab

S&P senkt Oracles Bonitätsnote auf BBB-; die hohe Verschuldung für den KI-Ausbau gefährdet die Finanzstabilität des Konzerns.

Die Kernpunkte:
  • S&P senkt Kreditrating auf BBB-
  • Freier Cashflow tief im Minus
  • Schuldenlast steigt auf 122 Mrd. Dollar
  • Analysten sehen trotzdem Kurspotenzial

Oracle-Aktien fallen wieder, und diesmal kommt der Schlag nicht vom Aktienparkett. Er kommt vom Anleihemarkt. Am Freitag brach die Aktie um 4,1 Prozent auf 129,90 Euro ein und rutschte damit fast wieder unter ihren 50-Tage-Durchschnitt von 130,74 Euro. Ein Großteil der Erholung der vergangenen 30 Tage ist damit wieder verpufft.

Jahrelang wurde Oracle in der Sprache des Wachstums erzählt: Cloud-Buchungen, Auftragsbestand, KI-Partnerschaften. Zunehmend wird die Aktie jedoch in der Sprache des Kreditrisikos erzählt. S&P Global Ratings stufte die langfristige Emittentenbonität im Juli von BBB auf BBB- herab und senkte auch das kurzfristige Rating. Oracle liegt damit nur noch eine Stufe über Ramschniveau. Moody’s hält zusätzlich einen negativen Ausblick — eine weitere Herabstufung steht im Raum.

Ein Wachstum, das komplett auf Pump läuft

Das ist relevant, weil Oracle seine gesamte KI-Expansion mit geliehenem Geld finanziert — und zwar in einem Ausmaß, das selbst für Hyperscaler-Verhältnisse ungewöhnlich ist. Der freie Cashflow des Konzerns lag im Geschäftsjahr 2026 bei minus 23,7 Milliarden Dollar. Das ist die Lücke zwischen dem, was Oracle operativ verdient, und dem, was in neue Rechenzentren, Chips und Leasingverträge fließt.

Die Bilanz zeigt die Spannung an jeder Ecke. Das Sachanlagevermögen hat sich binnen eines Jahres von 56,7 auf 129,6 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Die langfristigen Schulden kletterten im selben Zeitraum von 85,3 auf 122,3 Milliarden Dollar. Auch die Leasingverpflichtungen haben sich mehr als verdoppelt, und die gesamten Verbindlichkeiten wuchsen von 147,4 auf 218,7 Milliarden Dollar — in nur zwölf Monaten.

Die Ratingagenturen haben sich verkalkuliert

Bemerkenswert an der Herabstufung ist weniger die Zahl selbst als das Eingeständnis dahinter. S&P schreibt offen, das Ausmaß der Investitionen für Oracles KI-Ausbau unterschätzt zu haben. Die Agentur erwartet nun, dass Oracles Cloud-Infrastruktursparte — im Geschäftsjahr 2026 noch 27 Prozent des Umsatzes — bis zum Geschäftsjahr 2028 auf fast 60 Prozent anwächst. Mit anderen Worten: Die Ratingagenturen bewerten Oracle gerade in Echtzeit neu, und die Richtung zeigt konsequent nach unten, nicht nach oben.

Genau diese Spannung verkörpert die Aktie inzwischen. Ein Unternehmen mit spektakulären Umsatzzahlen, dessen Kreditprofil sich fast im gleichen Tempo verschlechtert. Konkurrenten wie Microsoft und Amazon stemmen ihren KI-Ausbau überwiegend aus eigener Kraft, finanziert durch bestehende Cashflows. Oracle baut dagegen im Tempo eines Hyperscalers — nur ohne dessen Bilanzstärke.

Charttechnik trifft auf Bilanzrealität

Technisch betrachtet ist die Aktie überverkauft, aber nicht gebrochen. Der RSI steht bei 55,3 — neutrales Terrain, kein Kapitulationssignal. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 62 Prozent erzählt die eigentliche Geschichte: Der Markt weiß schlicht nicht, wie er dieses Risiko einpreisen soll.

Die von Analysten im Konsens vergebenen Kursziele sehen im Schnitt bei 247,17 Euro noch erhebliches Aufwärtspotenzial — rund 64,5 Prozent über dem aktuellen Niveau. Diese Kluft zwischen Wall-Street-Kurszielen und dem, was der Markt tatsächlich bezahlt, ist selbst ein Symptom. Sie zeigt den Graben zwischen der KI-Wachstumserzählung und der Kreditrealität, die inzwischen auf ihr lastet.

Nicht Wachstum ist die Frage, sondern Solvenz der Story

Mit rund 374,82 Milliarden Euro Marktkapitalisierung spiegelt Oracle noch immer echten Optimismus über seinen Cloud-Kurs. Aber die Entwicklung der Kreditratings dürfte inzwischen die wichtigere Kennzahl sein. Ein Unternehmen kann skeptische Aktieninvestoren mit Wachstum überzeugen. Deutlich schwerer wird es, eine Ratingagentur zu überzeugen, die bereits signalisiert hat, die Kapitalintensität der Wette unterschätzt zu haben — und die zusieht, wie die Verschuldung schneller steigt, als der Cashflow aufholen kann.

Für Oracle dürften die nächsten Kapitel dieser Geschichte weniger in Cloud-Buchungen geschrieben werden. Sie dürften sich in Kreditspreads abspielen.

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