Oracle Aktie: S&P stuft auf BBB- herab
Oracle wehrt sich gegen eine geforderte Sicherheitsleistung von über sieben Milliarden Dollar für ein neues Rechenzentrum in Wisconsin.

- Rechtsstreit mit Wisconsin-Aufsicht
- Rating-Herabstufung als Auslöser
- Schuldenberg von 149 Milliarden Dollar
- Aktie verliert seit Jahresbeginn deutlich
Oracle liefert sich einen offenen Rechtsstreit mit der Aufsichtsbehörde des US-Bundesstaats Wisconsin. Es geht um eine milliardenschwere Sicherheitsleistung für den geplanten „Lighthouse Campus“ in Port Washington, ein Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung, das Oracle gemeinsam mit Vantage und OpenAI errichtet und das rund 15 Milliarden US-Dollar kosten soll. Die Public Service Commission des Bundesstaats verlangt von Oracle einen Kreditbrief über mehr als 7 Milliarden Dollar, weil das Unternehmen nach der jüngsten Rating-Herabstufung unter der Schwelle liegt, ab der der Versorger We Energies Sicherheiten für seine Kraftwerkskosten einfordern darf. Bleibt die Bürgschaft aus, drohen Oracle laufende Zusatzkosten von mehr als 100 Millionen Dollar pro Jahr. Das Unternehmen hat bislang 700 Millionen Dollar angeboten und die Regel vor Gericht angefochten.
Rating-Herabstufung trifft auf wachsenden Schuldenberg
Auslöser des Streits ist die Bonitätsentscheidung von S&P Global, die Oracle am 9. Juli von BBB auf BBB- zurückstufte – nur noch eine Stufe über dem Ramschbereich. Begründet wurde der Schritt mit den hohen Investitionen in KI-Infrastruktur und einem unsicheren Pfad zur Profitabilität. Moody’s bewertet Oracle mit Baa2 und ebenfalls negativem Ausblick. Die langfristigen Schulden des Konzerns kletterten Berichten zufolge auf 149 Milliarden Dollar, nach 96 Milliarden Dollar im Vorjahr, bei liquiden Mitteln von 31,3 Milliarden Dollar. Für den Ausbau der KI-Rechenzentren plant Oracle Kapitalausgaben zwischen 90 und 95 Milliarden Dollar, während der freie Cashflow mit rund 42 Milliarden Dollar deutlich negativ bleibt. Banken haben Berichten zufolge ein Kreditpaket über 38 Milliarden Dollar für die Rechenzentrumsprojekte in Texas und Wisconsin geschnürt. S&P verweist zudem auf die Abhängigkeit von OpenAI, dessen Verträge rund die Hälfte der von Oracle in Aussicht gestellten künftigen Erlöse von 638 Milliarden Dollar ausmachen sollen – ein Klumpenrisiko, sollte OpenAI die eigenen Wachstumsziele verfehlen.
Kurs unter Druck, Stellenabbau läuft
Die Marktreaktion fällt entsprechend aus. Zum Mittwochsschluss notierte die Oracle-Aktie bei 110,30 Euro, ein Minus von 1,16 Prozent zum Vortag. Seit Jahresbeginn steht damit ein Rückgang von 33,63 Prozent zu Buche, und der Titel liegt rund 26,75 Prozent unter seinem eigenen 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen für den anhaltenden Abwärtstrend der vergangenen Monate. Firmengründer Larry Ellison soll dabei laut Berichten in diesem Jahr rund 66 Milliarden Dollar an persönlichem Vermögen verloren haben, sein Nettovermögen wird aktuell auf 181 Milliarden Dollar taxiert. Oracle reagiert auf den Kostendruck auch personell: Für das laufende Geschäftsjahr ist Berichten zufolge ein Abbau von rund 21.000 Stellen vorgesehen, etwa 13 Prozent der Belegschaft. Parallel wächst die Nervosität am Kreditmarkt – die Risikoaufschläge für Kreditausfallversicherungen auf Oracle-Anleihen sollen sich einem Mehrjahreshoch nähern, befeuert auch durch die Sorge vor günstigerer Konkurrenz durch chinesische KI-Modelle.
Analysten bleiben trotz allem mehrheitlich optimistisch
Trotz der Kredit- und Kurssorgen halten viele Analysten an positiven Einschätzungen fest. Der Konsens lautet auf Kaufen, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 260,04 Dollar. Die Einschätzungen einzelner Häuser fallen allerdings weit auseinander: CLSA stuft die Aktie mit Hold und einem Kursziel von 145 Dollar deutlich vorsichtiger ein, während Bernstein mit Outperform und 325 Dollar am oberen Ende liegt. RBC positioniert sich mit Sector Perform und 190 Dollar dazwischen. Bei CNBCs „Fast Money“ äußerten sich Karen Finerman und Guy Adami skeptisch: Finerman warnte, eine weitere Ratingherabstufung könnte die Finanzierung der Rechenzentrumspläne erschweren, Adami verwies auf das Klumpenrisiko durch die OpenAI-Abhängigkeit.
Sicherheitslücken als operative Nebenbaustelle
Zusätzlich musste Oracle im Juli sein turnusmäßiges Critical Patch Update veröffentlichen, mit 1.449 Einzelpatches über 32 Produktfamilien hinweg, darunter mehrere kritische Lücken in Fusion Middleware und Datenbank-Server mit Höchstwerten auf der CVSS-Skala. Parallel wurde bekannt, dass die Hackergruppe ShinyHunters PeopleSoft-Systeme von mehr als 100 Organisationen kompromittiert hat, und Kosmetikkonzern Estée Lauder musste einen fast ein Jahr zurückliegenden Datenabfluss aus seinem Oracle E-Business-Suite-System einräumen. Für Anleger bleiben diese Vorfälle vorerst ein Reputationsthema, während die eigentliche Kursbelastung klar von der Schuldenlast und dem Wisconsin-Streit ausgeht.
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