Oracle Aktie: Warum Ellisons Vertrauensbeweis den Kursdruck nicht stoppt

Larry Ellison hält an Oracle fest, während hohe KI-Ausgaben und steigende Restrukturierungskosten die Erholung des Cashflows belasten.

Die Kernpunkte:
  • Ellison annulliert geplanten Aktienverkauf
  • Oracle hebt Umsatzprognose für 2027
  • KI-Ausgaben belasten den Cashflow
  • BMO senkt Kursziel auf 195 Dollar

Ausgangslage

Larry Ellison hat seinen Plan zum Verkauf von Oracle-Aktien annulliert. Der Executive Chair und CTO des Konzerns kippte am 12. September seinen Rule-10b5-1-Plan, mit dem er automatisiert Anteile hätte veräußern können. Für Anleger ist das ein Signal: Der Gründer setzt weiter auf sein eigenes Unternehmen, gerade jetzt, wo die Aktie unter Druck steht.

Der Schritt fällt in eine Phase, in der Oracle ohnehin im Fokus steht. Vor gut einer Woche hatte der Softwarekonzern seine Quartalszahlen samt angehobener Jahresprognose vorgelegt.

Ellisons Rückzieher vom Verkaufsplan ändert daran wenig – aktuell notiert die Aktie bei 121,94 Euro, nur knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 122,27 Euro. Das Signal ist symbolisch stark, aber es trifft auf eine fundamentale Belastung, die tiefer liegt.

Die entscheidende Frage

Der eine Faktor, der über die nächsten Monate entscheidet, ist die Cash-Flow-Erholung im Verhältnis zu den Kosten der KI-Infrastruktur. Oracle hatte mitgeteilt, dass die Restrukturierungskosten im Zuge des Sparprogramms – inklusive Stellenabbau – um rund 700 Millionen Dollar steigen.

Reuters berichtete, Analysten sähen eine Erholung des Cashflows noch in weiter Ferne, während der Konzern parallel massiv in KI-Infrastruktur investiert. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Wachstumsinvestitionen und Liquiditätsbelastung ist der Kern der Bewertungsfrage für Oracle-Aktionäre.

Bullisches Szenario

Sollte sich zeigen, dass die massive Investitionsoffensive tatsächlich in Umsatz übersetzt wird, könnte der Markt die aktuelle Skepsis revidieren. Oracle hatte seine Prognose für das Geschäftsjahr 2027 auf mindestens 90 Milliarden Dollar Gesamtumsatz angehoben und für das zweite Quartal ein Umsatzwachstum von 30 bis 34 Prozent sowie ein Cloud-Umsatzwachstum von 65 bis 71 Prozent in Aussicht gestellt.

Neue Kundenprojekte wie die Vereinbarung mit Quorum Health, das seine Unternehmens-, Finanz- und klinischen Technologieplattformen auf Oracle vereinheitlichen will, unterstreichen die operative Dynamik.

Auch der Ausbau der Energieinfrastruktur – etwa die Ausschreibung für zwei Gigawatt neue erneuerbare Energie in New Mexico im Rahmen von Project Jupiter – signalisiert, dass Oracle langfristig plant und nicht kurzfristig kürzt. Bleibt das Wachstumstempo hoch, dürfte sich der Rücksetzer der vergangenen Wochen als Übertreibung erweisen.

Bärisches Risiko

Dagegen steht ein reales Risiko: Die steigenden Restrukturierungskosten treffen auf eine Cashflow-Situation, die laut Reuters-Berichterstattung noch nicht abzusehen lässt, wann sich die massiven KI-Investitionen rechnen.

Ein Analysehaus hat sein Kursziel bereits gesenkt: BMO Capital Markets reduzierte sein Ziel am 11. September von 220 auf 195 Dollar, behielt aber die Einstufung „Outperform“ bei.

Das Haus bleibt also optimistisch gestimmt, senkt aber gleichzeitig seine Erwartungen – ein Muster, das zu der Aktie passt: Charttechnisch notiert Oracle rund 15 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen für einen intakten mittelfristigen Abwärtstrend. Sollte sich die Cash-Flow-Lücke ausweiten, ohne dass die Cloud-Wachstumsraten wie prognostiziert eintreffen, dürfte der Druck auf die Aktie anhalten.

Ausblick

Solange Oracle die in Aussicht gestellten Wachstumsraten im Cloud-Geschäft tatsächlich liefert und die Restrukturierungskosten sich als einmaliger Effekt erweisen, bleibt das bullische Szenario intakt – Ellisons Verzicht auf den Aktienverkauf wäre dann ein früher Vertrauensbeweis gewesen.

Kippt jedoch die Cash-Flow-Erholung weiter in die Zukunft, während die Infrastrukturausgaben für KI-Projekte wie Jupiter weiter steigen, dürfte der fundamentale Gegenwind stärker wiegen als jedes symbolische Signal aus der Chefetage.

Der nächste konkrete Prüfstein für Anleger ist die Entwicklung des operativen Cashflows in den kommenden Quartalsberichten – erst dort zeigt sich, ob die angehobene Umsatzprognose von mindestens 90 Milliarden Dollar tatsächlich mit einer stabilisierten Liquiditätslage einhergeht.

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