Oracle Aktie: Zerrissene Signale

Oracle verzeichnet starke operative Zahlen, doch Insiderverkäufe, ein geplatztes Milliardenprojekt und steigende Risikoaufschläge belasten die Aktie und die Bilanzperspektive.

Die Kernpunkte:
  • Insider verkaufen Aktien im Wert von 39 Millionen US-Dollar
  • Finanzierung für 10-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum geplatzt
  • Starke operative Zahlen mit Gewinn- und Umsatzüberhang
  • Analysten sehen Aufwärtspotenzial von rund 57 Prozent

Oracle steckt in einer heiklen Phase: Operativ liefert der Konzern starke Wachstumszahlen, gleichzeitig häufen sich Warnsignale von der Finanzierungs- und Insiderseite. Im Kern geht es um die Frage, wie tragfähig das milliardenschwere KI-Ausbauprogramm wirklich ist – und ob der Markt die Risiken inzwischen höher gewichtet als das Wachstum.

Insiderverkäufe und dividierte institutionelle Anleger

Besonders kritisch wirkt aktuell der Blick ins Management-Depot. In den vergangenen 90 Tagen haben Insider Oracle-Aktien im Gegenwert von rund 39,08 Millionen US-Dollar veräußert.

Im Detail fallen vor allem Spitzenkräfte ins Gewicht:
– CEO Clayton Magouyrk trennte sich von 40.000 Aktien und nahm damit etwa 11,07 Millionen US-Dollar ein.
– Director Jeffrey Berg verkaufte 49.365 Aktien im Wert von rund 13,97 Millionen US-Dollar.
– Weitere Führungskräfte wie Mark Hura und Stuart Levey gaben ebenfalls Paketgrößen im Millionenvolumen ab.

Diese Verkaufswelle trifft auf eine Aktie, die bereits deutlich von ihren Höchstständen zurückgekommen ist. Marktbeobachter deuten ein solches Muster häufig so, dass das Management kurzfristig nur begrenztes Aufwärtspotenzial sieht.

Gleichzeitig zeigen institutionelle Investoren im dritten Quartal 2025 ein gespaltenes Bild.
– Bell Bank hat ihren Bestand um 132,4 % auf 7.633 Aktien aufgestockt und setzt damit klar auf eine Erholung.
– SJS Investment Consulting erhöhte sein Engagement noch stärker um 374,3 %.
– Auf der Gegenseite schraubte Grey Ledge Advisors LLC seine Position um 19,7 % herunter, Altfest L J & Co. reduzierte sogar um 45,5 %.

Diese gegenläufigen Bewegungen unter Profianlegern spiegeln die Unsicherheit über die künftige Bewertung von Oracle in einem Umfeld hoher Investitionen für KI-Infrastruktur wider.

Finanzierungsabbruch und Stresssignale im Bondmarkt

Den stärksten Druck auf die Aktie löst derzeit ein geplatztes Großprojekt aus. Der Finanzinvestor Blue Owl Capital ist laut Berichten aus der geplanten Finanzierung eines 10-Milliarden-US-Dollar-Rechenzentrums in Michigan ausgestiegen.

Die Nachricht sorgte zuletzt für einen Kursrückgang von mehr als 5 % und lenkte den Fokus direkt auf die Bilanzqualität. Die Folgen sind an den Kreditmärkten klar ablesbar:
– Die Credit Default Swaps (CDS) von Oracle – eine Art Ausfallversicherung auf Unternehmensanleihen – sind auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008 geklettert.
– Oracle-Bonds handeln zeitweise nahe Niveaus, die typischerweise Hochzinsanleihen (Junk Bonds) vorbehalten sind.

Damit signalisiert der Anleihemarkt deutlich gestiegene Risikoaufschläge. Hintergrund ist vor allem die Sorge, dass der enorme Kapitalbedarf für den KI-Infrastrukturausbau die Verschuldung stark erhöhen und die Bilanz belasten könnte.

Fundamentaldaten: Starkes Wachstum trifft Finanzierungssorgen

Operativ zeigt Oracle dagegen ein ganz anderes Bild. Im zweiten Quartal übertraf der Konzern die Erwartungen deutlich:
– Gewinn je Aktie (EPS): 2,26 US-Dollar gegenüber einem Konsens von 1,64 US-Dollar – ein klarer Überhang von 0,62 US-Dollar.
– Umsatzwachstum: plus 14,2 % im Jahresvergleich.
– Cloud-Infrastruktur: Erlöse stiegen um 68 % auf 4,08 Milliarden US-Dollar.

Trotz dieser Zahlen notiert die Aktie aktuell deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Auf Basis der jüngsten Kurse ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 36,78. Historisch ist das ambitioniert, im Vergleich zu anderen KI-Werten wirkt die Bewertung angesichts des Wachstums aber nicht extrem.

Der am Freitag erreichte Schlusskurs von 195,71 US-Dollar liegt rund 10 % über dem 50-Tage-Durchschnitt und knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt, während die 12-Monats-Performance mit gut 20 % im Plus steht. Das unterstreicht: Langfristig ist der Trend noch positiv, kurzfristig dominiert jedoch die Nervosität rund um Finanzierung und Bilanz.

Analysten bleiben deutlich optimistischer

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Marktpreis und Analysteneinschätzungen. Während die Aktie sich um die Marke von knapp 196 US-Dollar bewegt, liegt das durchschnittliche Kursziel der Analysten bei 307,72 US-Dollar.

Die wichtigsten Eckpunkte:
– Konsensrating: „Moderate Buy“
– Empfehlungsscore: 1,71 auf einer Skala von 1 (Strong Buy) bis 5 (Sell)
– Theoretisches Aufwärtspotenzial: etwa 57 % bis zum durchschnittlichen Kursziel

Analysten gewichten offenbar den langfristigen Rückenwind durch KI und Cloud höher als die aktuellen Finanzierungssorgen. Ein zentraler Punkt ist dabei der ausgewiesene Auftragsbestand (Performance Obligations) von 523 Milliarden US-Dollar, der zukünftige Umsätze wahrscheinlicher macht, aber eben auch entsprechende Investitionen erfordert.

Fazit: Zwischen Wachstum und Bilanzdruck

Unterm Strich steht die Oracle-Aktie in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite starkes Cloud- und KI-Wachstum mit deutlichen Ergebnisüberraschungen, auf der anderen Seite ein geplatztes Milliardenprojekt, steigende Risikoaufschläge im Bondmarkt und umfangreiche Insiderverkäufe. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird nun sein, zu welchen Konditionen Oracle alternative Finanzierung für seine KI-Rechenzentren aufstellt und ob es gelingt, die ambitionierten Ausbaupläne mit einer belastbaren Bilanzstruktur zu verbinden.

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