Oracle: Burry shortet Aktien am 6. August
Investor Michael Burry positioniert sich mit neuen Short-Positionen gegen Oracle. Er kritisiert die Abschreibungsdauer von KI-Chips und erwartet künftige Gewinnbelastungen.

- Burry erneuert Short-Wette auf Oracle
- Kritik an zu langsamer Chip-Abschreibung
- Pentagon-Deal stärkt Auftragsbücher
- Aktie erholt sich trotz Jahresminus
Michael Burry wettete 2008 gegen den amerikanischen Häusermarkt und wurde damit berühmt. Jetzt wettet er gegen Oracle. Diesmal geht es nicht um faule Kredite, sondern um Abschreibungen auf Grafikchips. Für Oracle-Aktionäre wirft das eine unbequeme Frage auf: Rechnet der Softwarekonzern seine KI-Wette schön?
Der Burry-Short und die Abschreibungsfrage
Am 5. August 2026 schloss Burry eine bestehende Short-Position aus langlaufenden Put-Optionen. Er strich dabei nach eigenen Angaben einen deutlichen Gewinn ein. Nur einen Tag später, am 6. August, baute er die Wette neu auf. Diesmal ging er direkt über Aktien-Shorts short.
Seine These trifft den Kern der KI-Debatte. Oracle und andere Infrastrukturanbieter schreiben ihre teuren Grafikprozessoren aus seiner Sicht zu langsam ab. Fällt die tatsächliche Nutzungsdauer der Chips kürzer aus als bilanziert, drohen später massive Abschreibungen. Diese würden die ausgewiesenen Gewinne unabhängig vom Umsatzwachstum auffressen. Burry verglich die hoch verschuldeten Player mit „Fischen im Fass“ – vollgefressen mit außerbilanziellen Verpflichtungen, Leasingverträgen und Abnahmezusagen.
Bilanzdruck trifft auf prallen Auftragsbestand
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Skepsis nicht. Der aggressive Ausbau der Rechenzentren hat Oracles Kreditprofil spürbar belastet. Ratingagenturen stuften den Konzern bereits herab. Das Rating liegt inzwischen nur noch eine Stufe über Ramschniveau.
Im April 2026 holte Oracle deshalb Hilary Maxson als neue Finanzchefin. Sie kam von Schneider Electric, wo sie das globale Finanzgeschäft leitete. Ihr Auftrag ist klar: die Investitionsoffensive mit einem strikten Sparkurs versöhnen, ohne das Wachstumstempo abzuwürgen.
Auf der anderen Seite der Waagschale liegt operative Wucht. Ende Juli 2026 sicherte sich Oracle einen milliardenschweren Zehn-Jahres-Softwarevertrag mit dem Pentagon. Der Konzern sitzt zudem auf einem Auftragsbestand, der ein Vielfaches seines Jahresumsatzes abdeckt. Eine solche Sichtbarkeit können sich nur wenige Wettbewerber leisten.
Charttechnik vor einer datenlastigen Woche
Am Freitag schloss die Aktie bei 127,10 Euro, nach einem Tagesplus von 2,27 Prozent. Binnen einer Woche hat sich das Papier um fast 13 Prozent erholt. Der langfristige Bruch bleibt trotzdem sichtbar: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 23,53 Prozent zu Buche.
Vom 200-Tage-Durchschnitt handelt die Aktie noch immer knapp 17 Prozent entfernt. Das zeigt: Der jüngste Rebound hat den übergeordneten Abwärtstrend bislang nicht gebrochen. Die annualisierte Volatilität liegt bei fast 60 Prozent – heftige Ausschläge in beide Richtungen bleiben also wahrscheinlich.
Die kommende Handelswoche dürfte davon reichlich liefern. Am Mittwoch veröffentlichen die USA den Verbraucherpreisindex, am Donnerstag folgen die Erzeugerpreise, am Freitag die Einzelhandelsumsätze. Jede Überraschung bei diesen Daten kann kapitalintensive Tech-Werte wie Oracle überproportional bewegen, schließlich hängt die Refinanzierung des Rechenzentren-Ausbaus stark vom Zinsniveau ab.
Reicht Oracles gewaltiger Auftragsbestand aus, um Burrys Abschreibungsthese zu widerlegen, bevor die nächsten Quartalszahlen echte Antworten liefern? Die Analystengemeinde bleibt vorerst zuversichtlich. Das durchschnittliche Kursziel von 214,63 Euro impliziert ein Aufwärtspotenzial von knapp 69 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Ob dieser Optimismus trägt, entscheidet sich an den konkreten Abschreibungszahlen, die Oracle in den kommenden Quartalsberichten vorlegen muss.
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