Oracle und Micron fliegen, UPS und Clorox am Boden — S&P 500 tief gespalten

Geopolitische Eskalation im Nahen Osten und starke Quartalszahlen aus dem Tech-Sektor prallen heute aufeinander. Das Ergebnis: ein S&P 500, der selten so zerrissen war. Während KI-Profiteure zweistellige Tagesgewinne einfahren, markieren Konsumgüter- und Logistikwerte neue Jahrestiefs.

Die Kluft hat Substanz. 84 Prozent der bislang berichtenden S&P-500-Unternehmen übertrafen im ersten Quartal 2026 die Gewinnerwartungen — deutlich über dem Fünf-Jahres-Schnitt von 78 Prozent. Gleichzeitig treiben widersprüchliche Berichte über einen möglichen iranischen Angriff auf ein US-Kriegsschiff den Ölpreis und den Cboe Volatility Index nach oben. Zwei Welten, ein Index.

GewinnerKurs (EUR)Veränderung
Oracle155,98+13,31 %
Cboe Global Markets290,00+12,93 %
Micron497,05+12,57 %
VerliererKurs (EUR)Veränderung
LKQ23,57−12,39 %
UPS83,14−10,29 %
Clorox73,60−10,44 %

Oracle: Pentagon-Deal und Cloud-Boom zünden die nächste Stufe

Einen Kurssprung von über 13 Prozent an einem einzigen Tag muss man sich verdienen. Bei Oracle kommen gleich zwei Katalysatoren zusammen. Am 1. Mai verkündete das US-Verteidigungsministerium Partnerschaften mit acht Technologiekonzernen — darunter Oracle — zur Integration fortschrittlicher KI in klassifizierte Operationen. Die Aktie reagierte zunächst mit rund sieben Prozent Plus. Heute legte sie nochmals kräftig nach.

Hinter dem Pentagon-Rückenwind steht ein fundamentaler Umbruch. Der IaaS-Umsatz kletterte im dritten Geschäftsquartal 2026 um 84 Prozent auf 4,89 Milliarden Dollar. Der gesamte Cloud-Umsatz erreichte 8,91 Milliarden Dollar. Besonders eindrucksvoll: Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen explodierten auf 553 Milliarden Dollar — ein Anstieg von 325 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Analystenkonsens liegt bei „Kaufen“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 260 Dollar. Bei einem aktuellen Kurs von 155,98 Euro sehen die Experten also noch erhebliches Potenzial. Bedenken über Kosten und den harten Wettbewerb im Cloud-Markt bleiben bestehen — die Dynamik spricht derzeit aber klar für Oracle.

Cboe Global Markets: Rekordzahlen treiben Aktie auf Allzeithoch

Der Börsenbetreiber notiert bei 290,00 Euro exakt am 52-Wochen-Hoch. Der Grund ist ein Quartalsbericht, der die Wall Street auf dem falschen Fuß erwischte. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 3,70 Dollar — die Erwartung von 3,25 Dollar wurde um knapp 14 Prozent übertroffen. Auch beim Umsatz schlug Cboe mit 729 Millionen Dollar die Konsensschätzung deutlich.

Das Herzstück des Erfolgs sind Derivate. Der Optionsnettoumsatz wuchs um 33 Prozent, das durchschnittliche Tagesvolumen bei Indexoptionen erreichte mit 6,1 Millionen Kontrakten einen neuen Rekord. Maßgeblicher Treiber: die rasant wachsende Nachfrage nach Zero-Days-to-Expiration-Optionen auf den S&P 500.

Parallel schärft das Unternehmen sein Profil. Eine Reduzierung der Belegschaft um 20 Prozent soll annualisierte Kosteneinsparungen von 100 bis 120 Millionen Dollar bringen. Hinzu kommt der Verkauf der kanadischen und australischen Geschäftsbereiche für 300 Millionen Dollar an die TMX Group. Cboe konzentriert sich auf sein margenstärkstes Geschäft — und der Markt honoriert das mit einem Plus von knapp 37 Prozent seit Jahresbeginn.

Micron: KI-Speicherhunger treibt die Rallye ins Extreme

Die Zahlen sind atemberaubend. Micron notiert bei 497,05 Euro und hat sich damit seit dem 52-Wochen-Tief bei 70,78 Euro mehr als versiebenfacht. Allein seit Jahresanfang steht ein Plus von fast 85 Prozent zu Buche.

Der heutige Schub von über 12 Prozent hat einen konkreten Auslöser: Konkurrent Sandisk überraschte am Freitag mit starken Quartalszahlen, woraufhin der gesamte Speicherchip-Sektor anzog. Micron profitiert zusätzlich von der Nachlese seines eigenen Q2-Berichts vom März. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 12,20 Dollar satte 32,7 Prozent über dem Konsens. Der Umsatz übertraf die Erwartungen um knapp 20 Prozent.

Strukturell bleibt High-Bandwidth Memory der zentrale Wachstumstreiber. Nvidia, AMD und andere KI-Chiphersteller verschlingen enorme Mengen an HBM für ihre GPU-Cluster. Micron hat öffentlich erklärt, dass die eigene HBM-Kapazität für die kommenden Quartale ausverkauft ist. Der PHLX-Halbleiterindex erreicht in dieser Phase sein 15. Intraday-Allzeithoch in 2026 — ein seltener Lauf, der die breite Euphorie im Sektor unterstreicht. Der RSI von 73,5 signalisiert allerdings, dass die Aktie kurzfristig überkauft sein könnte.

LKQ: Gewinneinbruch und Klagewelle drücken auf neues 52-Wochen-Tief

Auf der Verliererseite sticht LKQ mit einem Minus von 12,39 Prozent hervor. Die Aktie markiert bei 23,57 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Der Absturz speist sich aus zwei Quellen gleichzeitig.

Operativ enttäuschte der Q1-Bericht: Zwar stieg der Umsatz auf 3,47 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie brach jedoch auf 0,30 Dollar ein. Die GAAP-EPS-Prognose für das Gesamtjahr wurde auf 2,16 bis 2,46 Dollar gesenkt. Nettogewinn und Margen gingen spürbar zurück.

Schwerer wiegt möglicherweise die juristische Front. Mehrere Kanzleien haben Klagen wegen möglicher Wertpapierrechtsverletzungen im Zeitraum Februar 2023 bis Juli 2025 eingereicht. Das Grabar Law Office untersucht darüber hinaus potenzielle Ansprüche im Namen von Investoren. Diese Kombination aus Margenschwäche und Rechtsrisiken vergiftet die Stimmung nachhaltig. Seit dem 52-Wochen-Hoch bei 38,20 Euro hat die Aktie mehr als 38 Prozent verloren.

UPS: Amazons Frontalangriff trifft den wunden Punkt

Ein Kursverlust von über zehn Prozent an einem Tag — für einen Logistikriesen wie UPS ist das ungewöhnlich heftig. Der Auslöser heißt Amazon Supply Chain Services, kurz ASCS. Amazons neuer Dienst zielt direkt auf kleine und mittelgroße Unternehmen. Genau jene Kundschaft, die UPS als strategischen Ersatz für die bewusst reduzierten Amazon-Volumina aufgebaut hatte.

Die Ironie ist kaum zu übersehen: UPS fährt seine Amazon-Lieferungen bis Mitte 2026 planmäßig um 50 Prozent herunter, weil sie kaum Marge brachten. CEO Carol Tomé hatte „Juni 2026 als Wendepunkt“ ausgerufen — verbunden mit dem Versprechen eines hohen einstelligen Betriebsgewinnwachstums im zweiten Halbjahr. Amazons Gegenzug torpediert nun genau diese Strategie.

  • Kernproblem: ASCS bedroht das margenstarke SMB-Segment, auf das UPS setzt
  • Timing: Der Amazon-Ausstieg ist noch nicht abgeschlossen, die Alternative bereits unter Beschuss
  • Kursbild: Bei 83,14 Euro notiert UPS fast 18 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch

Das Risikoprofil hat sich mit einem Schlag deutlich verschlechtert.

Clorox: Defensiver Hafen nimmt Wasser auf

Vermeintlich sichere Konsumgüterwerte schützen nicht vor zweistelligen Verlusten — das zeigt Clorox heute eindrücklich. Die Aktie sackt um 10,44 Prozent auf 73,60 Euro ab und erreicht damit ebenfalls ein neues 52-Wochen-Tief. Der RSI von 21,6 deutet auf eine extrem überverkaufte Lage hin.

Der Auslöser ist eine schmerzhaft deutliche Prognosesenkung. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet das Management nun einen Umsatzrückgang von rund sechs Prozent. Die bereinigte EPS-Prognose wurde auf 5,45 bis 5,65 Dollar zusammengestrichen — vorher standen 5,95 bis 6,30 Dollar im Plan. Höhere Lieferkettenkosten und verzögerte Einsparungen nagen an der Bruttomarge.

Die Analysten reagierten prompt:

  • Goldman Sachs: Kursziel gesenkt von 94 auf 83 Dollar
  • UBS: Reduktion von 110 auf 96 Dollar
  • Morgan Stanley: Rücknahme von 110 auf 97 Dollar

Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 15 Prozent, seit dem 52-Wochen-Hoch bei 109 Euro sogar ein Verlust von über 32 Prozent. Starke Marken allein reichen nicht, wenn die Preissetzungsmacht in einem kostensensiblen Umfeld schwindet.

S&P 500 zwischen Earnings-Euphorie und geopolitischem Gegenwind

Dieser Montag verdichtet die beiden dominierenden Kräfte des aktuellen Marktes auf engstem Raum. Der Technologiesektor liefert die höchste Gewinnwachstumsrate seit dem vierten Quartal 2021. Pentagon-Aufträge, KI-Speichernachfrage und Rekordquartale bei Börsenbetreibern befeuern die Fantasie. Auf der Gegenseite eskalieren die Spannungen im Nahen Osten, steigende Ölpreise belasten Zykliker und Konsumgüteraktien strukturell. Solange die Straße von Hormuz ein Risikofaktor bleibt, dürfte sich an dieser Zweiteilung wenig ändern. Die entscheidende Frage für die kommenden Wochen: Reicht die Gewinndynamik im Tech-Sektor aus, um die schwindende Marktbreite zu kompensieren — oder kippt die Stimmung?

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