Oracles 95-Milliarden-Capex-Plan erschüttert SAP, ASML und den gesamten Tech-Sektor
Oracles Investitionsplan von bis zu 95 Milliarden Dollar löst Ausverkauf im Tech-Sektor aus. ASML profitiert, während SAP und D-Wave unter Druck geraten.

- Oracle-Aktie bricht nach Quartalszahlen ein
- SAP verliert trotz eigener solider Zahlen
- ASML mit Analystenrückenwind und Kursplus
- Fluence Energy als KI-Infrastruktur-Partner
Oracles Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen — und lösten trotzdem einen Ausverkauf aus. Der Grund: Ein Investitionsplan von bis zu 95 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2027, fast 30 Milliarden über dem Analystenkonsens. Die Schockwelle erfasste am Mittwoch den gesamten Technologiesektor und riss SAP, D-Wave Quantum, ASML und Fluence Energy mit in die Turbulenzen.
Oracle: Rekordzahlen, aber der Preis ist gewaltig
Oracle lieferte für das vierte Quartal 2026 Ergebnisse ab, die auf dem Papier beeindrucken. Der Gesamtumsatz kletterte um 21 % auf 19,2 Milliarden Dollar, das Cloud-Geschäft wuchs sogar um 47 %. Der Gewinn pro Aktie lag mit 2,11 Dollar rund 12 % über den Erwartungen.
Die Auftragsbücher quellen über: Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen (Remaining Performance Obligations) explodierten um 363 % im Jahresvergleich auf 638 Milliarden Dollar. Für das Geschäftsjahr 2027 bestätigte Oracle seine Umsatzprognose von 90 Milliarden Dollar und hob die bereinigte EPS-Guidance auf 8,05 Dollar an.
All das verpuffte im nachbörslichen Handel. Die Aktie sackte um fast 10 % ab, heute notiert Oracle bei 162,56 € — ein Wochenverlust von über 20 %. Der Auslöser: Die angekündigten Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden Dollar, während Analysten rund 67,7 Milliarden eingeplant hatten. Oracle selbst rechnet damit, etwa 25 Milliarden durch Kundenrückzahlungen zurückzuerhalten. Der Nettoaufwand läge damit bei rund 70 Milliarden — immer noch eine Zahl, die den Markt nervös macht.
Der freie Cashflow drehte zum Geschäftsjahresende auf minus 23,69 Milliarden Dollar. Allein in den ersten neun Monaten des Fiskaljahres 2026 beliefen sich die Investitionsausgaben auf 39,2 Milliarden — mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Die Wall Street bleibt dennoch mehrheitlich konstruktiv. Bank of America sieht das Kursziel bei 240 Dollar, UBS hob auf 285 Dollar an, und die Citigroup traut der Aktie sogar eine Rückkehr Richtung Allzeithoch bei 330 Dollar zu. Der Durchschnitt von 43 Analysten liegt bei einem Zwölfmonatsziel von 255,18 Dollar.
SAP: Zwischen Oracles Schockwelle und eigenen Baustellen
SAP selbst hatte weder Quartalszahlen vorgelegt noch ein Ziel verfehlt. Trotzdem verlor die Aktie am Mittwoch über 4 %. Als größter europäischer Softwarekonkurrent Oracles traf die Panik den DAX-Schwergewicht mit voller Wucht. Heute handelt SAP bei 143,58 € — ein Rückgang von über 11 % in nur einer Woche.
Der Kursrückgang war aber nicht rein sympathiegetrieben. Goldman Sachs senkte am selben Tag das Kursziel für SAP und verwies auf erwartete Margenbelastungen durch steigende Komponentenpreise in der zweiten Jahreshälfte. Die Kaufempfehlung blieb zwar bestehen, doch der Ton wurde vorsichtiger.
Makroökonomischer Gegenwind verschärft die Lage zusätzlich. Goldman Sachs verschob seine Erwartung für US-Zinssenkungen komplett aus dem Jahr 2026 in das Jahr 2027. Für hoch bewertete Wachstumsaktien wie SAP bedeutet das einen höheren Abzinsungsfaktor — Gift für die Bewertung.
Hinzu kommen hausgemachte Herausforderungen:
- Die Migration auf verbrauchsbasierte Preismodelle verläuft langsamer als erhofft
- Wachsender Wettbewerb im KI-Segment durch Hyperscaler und spezialisierte Anbieter
- Sorgen über eine mögliche Verlangsamung beim Cloud-Auftragsbestand, je reifer die S/4HANA-Migrationsbasis wird
SAPs Cloud-Umsatz wuchs im ersten Quartal 2026 um 19 bis 27 % (währungsbereinigt) auf rund 5,96 Milliarden Euro. Der Cloud-Auftragsbestand legte um 25 % zu. Solide Werte — aber offenbar nicht genug, um die Bewertungsängste aufzufangen. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 29 % eingebüßt.
ASML: Der Lichtblick mit Analystenrückenwind
Während der breite Sektor unter Druck geriet, segelt ASML auf einer anderen Welle. Der niederländische Chipausrüster profitiert strukturell von genau jenem KI-Investitionsboom, der Oracle so teuer zu stehen kommt — schließlich liefert ASML die Maschinen, ohne die keine neuen Chips entstehen können.
Die Analystengemeinde hat das erkannt und in dieser Woche noch einmal nachgelegt. Goldman Sachs bekräftigte am Donnerstag die Kaufempfehlung. Bank-of-America-Analyst Didier Scemama hob sein Kursziel von 1.710 auf 1.921 Euro an, Barclays zog von 1.575 auf 1.900 Euro nach.
Ein zweiter wichtiger Impuls kam von der Personalseite: ASML wird weniger Stellen streichen als ursprünglich geplant. Nach Verhandlungen mit niederländischen Gewerkschaften setzt der Konzern verstärkt auf interne Umbesetzungen statt auf Entlassungen. Ursprünglich waren rund 1.700 Stellen in Management, IT und Entwicklung zum Abbau vorgesehen. Betroffene Mitarbeiter erhalten nun bis Mai 2027 Zeit, eine neue Position innerhalb des Unternehmens zu finden. Die maximale Abfindung liegt bei 400.000 Euro.
Die Fundamentaldaten untermauern den Optimismus. Im ersten Quartal 2026 übertraf ASML mit einem Umsatz von 8,77 Milliarden Euro die Konsensschätzung von 8,5 Milliarden. Der Nettogewinn lag mit 2,76 Milliarden ebenfalls über den Erwartungen. Die Jahresprognose wurde auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben.
Die Aktie notiert heute bei 1.554,20 € — ein Plus von 3,43 % und nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat ASML über 57 % zugelegt. Die Kehrseite der Medaille: Ein KGV von knapp 50 lässt wenig Raum für Enttäuschungen.
D-Wave Quantum: Spekulationskapital auf dem Rückzug
D-Wave Quantum gehört zu den Werten, die bei steigender Unsicherheit als Erste verkauft werden. Bereits am Montag brach die Aktie um fast 9 % ein — gemeinsam mit IonQ, Rigetti Computing und anderen Quantencomputing-Titeln, die allesamt zwischen 9 und 10 % verloren.
Der Auslöser war kein unternehmensspezifisches Problem. Im Vorfeld der CPI-Daten zur Wochenmitte zogen Investoren Kapital aus hochvolatilen Spekulationswerten ab. Quantencomputing-Aktien handeln stärker auf Basis von Zukunftsversprechen als aktueller Ertragskraft — sie sind damit prädestiniert für solche Rotationsbewegungen.
Die Quartalszahlen für Q1 2026 verdeutlichen die Kluft zwischen Narrativ und Realität. Der Verlust pro Aktie fiel mit minus 0,05 Dollar zwar besser aus als die erwarteten minus 0,08 Dollar. Der Umsatz von 2,9 Millionen Dollar verfehlte die Prognose von 4,14 Millionen jedoch um fast 30 %. Die operativen Verluste lagen bei 46,8 Millionen — knapp zehnmal so hoch wie im Vorjahresquartal. Gleichzeitig ist die Aktienanzahl seit Beginn des KI-Booms um rund 226 % gestiegen. Eine Verwässerung, die bestehende Aktionäre teuer zu stehen kommt.
Ein Hoffnungsschimmer bleibt das Auftragsbuch. D-Wave meldete Rekordbuchungen von 33,4 Millionen Dollar — ein Anstieg um fast 2.000 % gegenüber dem Vorjahr. Strategisch sicherte sich das Unternehmen im Mai eine Absichtserklärung über 100 Millionen Dollar Förderung unter dem US-CHIPS-Act. Die Übernahme von Quantum Circuits Inc. für rund 250 Millionen Dollar im Januar erweitert das Portfolio um fehlertolerante Gate-Modell-Systeme.
Heute notiert D-Wave bei 20,84 € — ein Tagesplus von knapp 3 %, aber ein Wochenminus von über 12 %. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 139 % unterstreicht das spekulative Profil. 15 Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“ mit einem Zwölfmonatsziel von 36,44 Dollar, sehen aber auch für 2026 keine Profitabilität.
Fluence Energy: Vom Energiespeicher zum KI-Infrastruktur-Partner
Fluence Energy verkörpert eine Entwicklung, die vor einem halben Jahr kaum jemand auf dem Radar hatte: Ein Energiespeicher-Unternehmen wird zum integralen Baustein der KI-Rechenzentrumsarchitektur.
Die Q2-Zahlen Anfang Mai fielen gemischt aus. Der Umsatz von 464,9 Millionen Dollar lag unter den Erwartungen — rund 80 Millionen an Lieferungen rutschten wegen Zollverzögerungen in Vietnam und eines Verladeengpasses in Spanien ins dritte Quartal. Beide Probleme waren innerhalb weniger Wochen gelöst. Die Aktie stieg am Tag der Zahlen trotzdem um über 27 %, angetrieben vom Rekord-Auftragsbestand von 5,6 Milliarden Dollar und neuen Rahmenverträgen mit zwei großen Hyperscalern.
Den eigentlichen Kursturbo zündete eine Partnerschaft mit Siemens und Nvidia. Fluence wurde als exklusiver Energiespeicherpartner in eine neue Referenzarchitektur für KI-Rechenzentren rund um Nvidias Vera-Rubin-Plattform aufgenommen. Das SmartStack-System von Fluence soll Notstromversorgung, Netzstabilisierung und Lastglättung für die energiehungrigen KI-Fabriken liefern. An einem einzigen Nachmittag legte die Aktie um 46,8 % zu.
Die Datenzentrum-Pipeline wuchs auf rund 12 GWh — ein Plus von über 30 % gegenüber dem Vorquartal. Die Jahresprognose von 3,2 bis 3,6 Milliarden Dollar Umsatz wurde bestätigt, die bereinigte Bruttomarge verbesserte sich auf 11,1 %.
Heute handelt Fluence bei 19,42 € mit einer Volatilität von 214 % auf Jahresbasis. Citi hob das Kursziel auf 26 Dollar an, HSBC und Roth Capital stuften die Aktie nach den Quartalszahlen hoch. Der Analystenkonsens von 20 Experten liegt allerdings nur bei „Hold“ mit einem Ziel von 18,59 Dollar — deutlich unter dem aktuellen Kurs.
KI-Investitionen als Zerreißprobe für den Tech-Sektor
Oracles Quartalszahlen haben eine Debatte kristallisiert, die den Technologiesektor in der zweiten Jahreshälfte 2026 bestimmen wird: Kann das KI-getriebene Umsatzwachstum mit dem Kapitalaufwand Schritt halten, den es erfordert?
Das Bild der fünf Werte spiegelt die Bruchlinien wider. ASML sitzt als unverzichtbarer Zulieferer der Chipindustrie in einer strukturell bevorzugten Position. SAP kämpft mit dem Doppelschlag aus Sektorkontagion und eigener Cloud-Transition. Oracle muss beweisen, dass die Milliarden-Investitionen in absehbarer Zeit zu freiem Cashflow werden. D-Wave Quantum bleibt eine Wette auf eine Technologie, deren kommerzieller Durchbruch noch aussteht. Und Fluence Energy hat sich still und leise in die KI-Infrastruktur-Lieferkette eingenistet — belohnt vom Markt selbst dann, wenn die Quartalsumsätze enttäuschen.
Mit US-Zinssenkungen, die Goldman Sachs nun erst für 2027 erwartet, stehen hoch bewertete Wachstumstitel vor einem anspruchsvolleren Bewertungsumfeld. Die KI-Revolution frisst Kapital — wer davon profitiert und wer daran verbrennt, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.
SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 11. Juni liefert die Antwort:
Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
SAP: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...



