Orlen: Vereinbart LNG-Lieferungen mit Naftogaz
Orlen vereinbart LNG- und Treibstofflieferungen an Naftogaz, prüft Rohölverarbeitung und kritisiert geplante Sondersteuern in Polen.

- Drei LNG-Ladungen für 2027 vorgesehen
- Treibstoffpaket erreicht bis zu 500 Millionen Dollar
- Verarbeitung ukrainischen Rohöls wird geprüft
- Orlen-Aktie verliert heute 3,4 Prozent
Der polnische Energiekonzern Orlen weitet seine Lieferbeziehungen mit der Ukraine deutlich aus. Auf dem mitteleuropäischen Gipfeltreffen Carpathian Eight unterzeichnete das Unternehmen Vereinbarungen mit der staatlichen Naftogaz-Gruppe. Die Abkommen umfassen die Lieferung von verflüssigtem Erdgas sowie Treibstoffen, um das kriegsversehrte Nachbarland im kommenden Winter zu stabilisieren.
Flüssiggas und Treibstoffe für Naftogaz
Die Vereinbarungen bestehen aus zwei Absichtserklärungen. Ein Dokument sieht vor, der Ukraine im ersten Quartal 2027 drei LNG-Ladungen bereitzustellen. Damit soll der saisonale Spitzenbedarf während der Heizperiode abgedeckt werden. Bereits seit vergangenem Jahr liefert der Konzern Erdgas auf Basis von US-Flüssiggas an das Nachbarland.
Parallel dazu vereinbarte Orlen eine Kooperation mit der Naftogaz-Tochter Ukrnafta über Treibstofflieferungen. Nach Angaben von Naftogaz erreicht das Paket für Mineralölprodukte einen Wert von bis zu 500 Millionen US-Dollar. Da russische Angriffe die ukrainische Förder- und Raffinerieinfrastruktur schwer getroffen haben, hängt das Land vollständig von Treibstoffimporten ab.
Geprüft wird zudem, ob ukrainisches Rohöl künftig in mitteleuropäischen Raffinerien von Orlen verarbeitet werden kann. Orlen-Vorstandschef Ireneusz Fąfara betonte die Bedeutung der Kooperation für die Energiesicherheit der gesamten Region. Naftogaz-Chef Sergii Fedorenko verwies auf die akuten Zerstörungen an eigenen Förderanlagen.
Schutz kritischer Infrastruktur und Steuerpläne
Neben den Exportabkommen stärkt Orlen den Schutz seiner heimischen Anlagen. Zu Wochenbeginn schloss der Konzern eine Vereinbarung mit dem Pipelinebetreiber PERN. Ziel der Kooperation sind gemeinsame Schulungen und der Austausch über Bedrohungslagen zum Schutz von Pipelines und Tanklagern.
Gleichzeitig formiert sich Widerstand gegen polnische Steuerpläne. In einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf UD459 wandte sich Orlen gegen geplante Erhöhungen der Körperschaftsteuer für Öl- und Gaskonzerne. Der Entwurf sieht für die betroffenen Sektoren Sondersteuersätze von 30 Prozent für das Jahr 2027 und 26 Prozent für 2028 vor. Orlen forderte deutliche Nachbesserungen sowie mehr Flexibilität für Investitionen in emissionsarme Technologien.
Konsolidierung nach Höhenflug
Am Aktienmarkt spiegeln sich die operativen Herausforderungen und geopolitischen Spannungen wider. Die Orlen-Aktie notiert heute bei 147,26 PLN und verzeichnet damit ein Minus von 3,4 Prozent. Die Anleger nehmen nach der kräftigen Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate vorerst Gewinne mit.
Trotz des jüngsten Rücksetzers bleibt das übergeordnete Bild positiv. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Plus von 53 Prozent, getragen von robusten Raffineriemargen und der führenden Marktstellung in Mitteleuropa.
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