Palantir Aktie: 149 Prozent Wachstum im US-Kommerz
Palantir meldet starkes Wachstum im US-Kommerzgeschäft und erstmals Milliarden-Nettogewinn. Trotz überkaufter Aktie sehen Analysten weiteres Potenzial.

- Umsatzplus von 93 Prozent
- Erstmals Milliarden-Nettogewinn erzielt
- US-Kommerzgeschäft wächst um 149 Prozent
- Analysten uneins über weiteres Potenzial
Neun Tage, 39 Prozent Kursgewinn – und trotzdem stellt sich am Ende der Woche eine unbequeme Frage. Hat der Markt bei Palantir gerade eine fundamentale Neubewertung vorgenommen, oder einfach nur überreagiert? Beides scheint zuzutreffen, und genau das macht die kommende Handelswoche interessant.
Am Freitag schloss die Aktie bei 148,84 Euro, ein Plus von 9,88 Prozent an einem einzigen Tag. Auslöser war ein Quartalsbericht, der eines der zentralen Gegenargumente gegen Palantir faktisch entkräftet hat: die Sorge, das Unternehmen bleibe für immer ein Nischenanbieter für Regierungsprojekte ohne echte Skalierbarkeit.
Das Ende der Nischen-Erzählung
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden Dollar. Der eigentliche Treiber war aber nicht das Behördengeschäft, sondern das US-Kommerzsegment. Es wuchs um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar und ist damit längst kein Nebenschauplatz mehr, sondern das Rückgrat des Wachstums.
Der qualitative Wandel zeigt sich in den sogenannten AIP-Bootcamps, mit denen Palantir neue Firmenkunden gewinnt. Über 1.300 solcher Trainingsprogramme hat das Unternehmen inzwischen durchgeführt, bei einer Abschlussquote von rund 75 Prozent. Der klassische Verkaufszyklus von zwölf bis 18 Monaten schrumpft dadurch auf etwa eine Woche zusammen.
Diese Effizienz spiegelt sich in einem „Rule of 40“-Wert von 155 wider – eine Kennziffer, die Wachstum und Profitabilität kombiniert und Palantir damit in eine seltene Spitzengruppe der Softwarebranche hebt. Das Management hat die Jahresprognose für 2026 entsprechend angehoben: Mindestens 8,15 Milliarden Dollar Umsatz sollen es werden.
Zur Erinnerung an die Substanz hinter dem Kurssprung: Der Nettogewinn nach US-GAAP erreichte im zweiten Quartal 1,07 Milliarden Dollar – erstmals über der Milliardenmarke. Der freie Cashflow lag bei 1,22 Milliarden Dollar, eine Marge von 63 Prozent. Bei einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 324,08 Milliarden Euro ist das ein beachtliches finanzielles Kissen.
Überhitzt, aber nicht ohne Grund
Technisch betrachtet, befindet sich die Aktie in einer Zone extremer Anspannung. Der 14-Tage-RSI steht bei 72,2 und signalisiert überkaufte Bedingungen. Nach dem Kurssprung liegt die Aktie 29,64 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 114,81 Euro – eine Distanz, die selten von Dauer ist.
Genau hier liegt für mich der Kern der Sache. Das Wachstum ist real, die Zahlen sind kein Blendwerk. Aber der Markt hat innerhalb von sieben Handelstagen vorweggenommen, was eigentlich mehrere Quartale hätte einpreisen sollen.
Die Analystenschaft ist entsprechend gespalten. Bank of America bleibt bei einer aggressiv bullischen Einschätzung mit Kurszielen deutlich über dem aktuellen Niveau. RBC und Jefferies halten dagegen an Underperform-Ratings fest, mit Zielmarken klar unter 100 Euro. Der Analystenkonsens liegt bei 160,60 Euro – ein moderates Aufwärtspotenzial von rund 7,9 Prozent, wenn man den Extremen auf beiden Seiten nicht folgt.
Diese Kluft zwischen Optimisten und Skeptikern ist kein Zufall, sondern Ausdruck der eigentlichen Bewertungsfrage: Wie viel Zukunftswachstum darf man heute schon bezahlen?
Was die kommende Woche entscheidet
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 100 Prozent macht klar: Ruhe ist hier nicht zu erwarten. Sollte der Markt Gewinne mitnehmen wollen, werden die gleitenden Durchschnitte bei 129,44 Euro und 118,20 Euro zu den Linien, an denen sich zeigt, ob die Rally auf soliden Beinen steht.
Mein Fazit: Eine Verschnaufpause wäre nach diesem Tempo gesund und keine Warnung. Die Kombination aus 153 Prozent mehr Auftragseingang im US-Kommerzgeschäft und dem operativen Umbau spricht dafür, dass kurzfristiger Druck eher eine Frage des Preises ist – nicht der Substanz des Geschäfts.
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