Palantir Aktie: 2,132 Milliarden Dollar neue Verträge im Q2
Palantir übertrifft Erwartungen mit 93 Prozent Umsatzplus, hebt Prognose an und sieht sich zugleich mit Steuervorwürfen konfrontiert.

- Umsatzsprung um 93 Prozent
- Prognose deutlich angehoben
- Steuervorwürfe gegen Konzern
- Analysten streiten über Bewertung
Wenn ein Softwarekonzern an einem einzigen Handelstag um fast dreißig Prozent zulegt, dann ist das mehr als eine Kursnotiz. Es ist ein Symptom für etwas Größeres: den Umbau der öffentlichen Hand und ganzer Industrien auf Datenanalyse und künstliche Intelligenz, den Palantir wie kaum ein anderer Anbieter verkörpert. Am Dienstag lieferte das Unternehmen genau jenen Beweis, den Kritiker der Bewertung seit Jahren einfordern – und ausgerechnet einen Tag später meldete sich die Gegenseite zu Wort, mit einem Vorwurf, der nichts mit Wachstumsraten zu tun hat, sondern mit Steuern.
Der Rekordsprung und seine Zahlen
Palantir meldete am Montag Quartalsumsätze von 1,935 Milliarden Dollar, ein Plus von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der Konsensschätzung von 1,80 Milliarden Dollar. Der Gewinn nach US-GAAP-Regeln erreichte 1,062 Milliarden Dollar, was 0,41 Dollar pro Aktie entspricht – ebenfalls über den Erwartungen von 0,35 Dollar. Besonders auffällig: Das US-Geschäft mit privaten Unternehmen wuchs um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar, während der US-Regierungsbereich um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar zulegte. Firmenchef Alex Karp führte diese Dynamik auf eine wachsende Nachfrage nach „souveräner KI“ zurück – ein Begriff, der treffend beschreibt, worum es bei Palantir im Kern geht: Staaten und Konzerne wollen ihre Datenhoheit nicht mehr auslagern.
Für das Gesamtjahr hob das Management die Umsatzprognose von zuvor 7,65 bis 7,66 Milliarden Dollar auf nun 8,150 bis 8,158 Milliarden Dollar an. Die Guidance für das US-Commercial-Geschäft wurde auf über 3,424 Milliarden Dollar erhöht, ein Wachstum von mindestens 134 Prozent. Getragen wird dieser Optimismus laut einer Analyse von Trefis maßgeblich von neu unterzeichneten US-Commercial-Verträgen im Volumen von 2,132 Milliarden Dollar im zweiten Quartal, ein Plus von 153 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Am Montag verkündete Palantir zudem eine Partnerschaft mit dem Rüstungszulieferer Mercury Systems: Die Foundry-Software soll dessen Fertigung und Lieferketten in der Verteidigungsindustrie datenseitig vernetzen – ein weiteres Puzzlestück im Bild eines Konzerns, der sich tief in staatliche und industrielle Infrastruktur einnistet.
Zwischen Kursjubel und Kritik
Die Reaktion der Analystenzunft am Dienstag fiel entsprechend deutlich aus. Bank of America hob ihr Kursziel auf 255 Dollar an, Citigroup-Analyst Tyler Radke auf 245 Dollar, Truist auf 223 Dollar, UBS auf 220 Dollar und Mizuho auf 215 Dollar. Deutsche Bank stufte die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch. Gegen diesen Chor stemmte sich am selben Tag Jefferies: Der Analyst beließ sein Votum bei „Underperform“ mit einem Kursziel von 80 Dollar und begründete dies trotz der starken Zahlen mit anhaltenden Bewertungsbedenken. Diese Kluft ist bezeichnend für die Debatte um Palantir – Wachstum trifft auf eine Bewertung, die selbst Optimisten ins Grübeln bringt.
Cathie Woods ARK-Fonds verkauften am Dienstag 39.233 Palantir-Aktien im Wert von rund 4,93 Millionen Dollar und setzten damit einen Trend fort, die Position sukzessive zu reduzieren – ein Kontrapunkt zur Kursrallye, der aufhorchen lässt. Auf der institutionellen Seite zeigte sich hingegen Verus Capital Partners zuversichtlich und stockte seine Beteiligung im ersten Quartal um 4,2 Prozent auf, mit zuletzt rund 104.010 Aktien im Wert von etwa 15,2 Millionen Dollar.
Und dann, gestern, der Dämpfer: Ein von der britischen Gewerkschaft Unison beauftragter Bericht des Centre for International Corporate Tax Accountability and Research warf Palantir vor, 2024 weltweit lediglich einen effektiven Steuersatz von 1,4 Prozent gezahlt zu haben – bei null Bundessteuern in den USA, obwohl der Konzern lukrative Aufträge der öffentlichen Hand einsammelt. Diese Meldung fiel mit einem Kursrückgang zusammen: Die Aktie schloss am Mittwoch bei 137,20 Euro, ein Minus von 2,82 Prozent zum Vortag.
Was bleibt vom Rausch
Trotz des Rückschlags notiert das Papier binnen sieben Tagen noch immer 29,43 Prozent höher und liegt 5,71 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt – die mittelfristige Aufwärtsdynamik ist also intakt, auch wenn der Rekordtag verdaut werden muss. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Palantir wächst – das belegen die Zahlen unmissverständlich –, sondern ob der Preis, den der Markt für dieses Wachstum zu zahlen bereit ist, mit den politischen und steuerlichen Nebengeräuschen kompatibel bleibt. Die nächste Standortbestimmung liefert der Konzern voraussichtlich am 2. November mit den Zahlen zum dritten Quartal.
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