Palantir Aktie: 52-Wochen-Tief bei 93,53 Euro

Starke Quartalsergebnisse und angehobene Prognosen können den Kursverfall bei Palantir nicht stoppen. Eine Neubewertung der Aktie setzt das Papier unter Druck.

Die Kernpunkte:
  • Kurs fällt trotz Umsatzplus von 85 Prozent
  • Jahresprognose auf 7,66 Milliarden Dollar angehoben
  • KGV von über 121 belastet die Aktie
  • Technische Indikatoren zeigen Überverkauf an

Starke Quartalszahlen, angehobene Jahresziele — und trotzdem bricht der Kurs ein. Bei Palantir klafft gerade eine ungewöhnliche Lücke zwischen operativer Realität und Marktbewertung.

Die Aktie fiel am Donnerstag auf 94,18 Euro, ein Minus von knapp 6 Prozent. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 93,53 Euro — der Abstand beträgt weniger als ein Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 34 Prozent verloren. Gegenüber dem Allzeithoch von 179,98 Euro vom November 2025 sind es fast 48 Prozent.

Gute Zahlen, schlechte Stimmung

Palantirs erstes Quartal 2026 war objektiv stark. Der Umsatz stieg um 85 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar. Das US-Geschäft wuchs sogar um 104 Prozent auf 1,28 Milliarden Dollar. Das GAAP-Nettoergebnis lag bei 871 Millionen Dollar, der freie Cashflow bei 925 Millionen Dollar.

Das Management hob die Jahresziele an. Die Umsatzprognose für 2026 liegt nun bei rund 7,66 Milliarden Dollar. Beim bereinigten freien Cashflow erwartet Palantir 4,2 bis 4,4 Milliarden Dollar.

Kein Wunder, dass Anleger irritiert sind. Denn der Markt straft das Papier trotzdem ab.

Das eigentliche Problem: der Preis

Der Kern des Drucks ist kein operativer Rückschlag. Es ist eine Neubewertung. Palantir wurde lange als einer der klaren Profiteure des KI-Booms gehandelt — entsprechend hoch war die Bewertung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der vergangenen zwölf Monate lag zuletzt über 121.

Wenn die Risikobereitschaft sinkt, trifft es solche Aktien zuerst und am härtesten. Der RSI liegt bei 27 — ein technisches Signal für einen stark überverkauften Zustand. Der Kurs notiert rund 20 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und mehr als 30 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.

KI-Handel unter Druck

Palantir steht nicht allein. Anfang der Woche brachen mehrere KI-Aktien ein, nachdem Zweifel an der Nachhaltigkeit der Investitionspläne hinter dem KI-Boom aufkamen. Der südkoreanische KOSPI fiel um knapp 10 Prozent. Der Nasdaq schloss den Tag mit einem Minus von 2,2 Prozent.

Für Palantir ist dieser Kontext entscheidend. Das Unternehmen gilt als Wette auf den Durchbruch von KI-Software im Unternehmensbereich. Wenn der Markt genau diese Wette zurückfährt, trifft es Palantir überproportional.

Was zählt jetzt

Im ersten Quartal schloss Palantir 206 Verträge mit einem Volumen von mindestens einer Million Dollar ab. Darunter waren 47 Deals über mindestens zehn Millionen Dollar. Der gesamte Vertragswert des Quartals betrug 2,41 Milliarden Dollar — ein Plus von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Diese Zahlen zeigen, dass echte Nachfrage vorhanden ist. Ob sie ausreicht, um das Vertrauen in die aktuelle Bewertung wiederherzustellen, entscheidet sich mit den nächsten Quartalszahlen — voraussichtlich im August.

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