Palantir Aktie: Anthropic kopiert Forward-Deployed-Modell

Wettbewerber wie Anthropic imitieren Palantirs Einsatzstrategie, während CEO Karp erneut Aktien verkauft. Analysten hinterfragen die hohe Bewertung.

Die Kernpunkte:
  • KI-Konkurrenten kopieren Palantirs Playbook
  • CEO Karp verkauft weitere Aktienanteile
  • Netto-Geldbindungsrate steigt auf 150 Prozent
  • Bewertung mit KGV über 150 bleibt umstritten

Der Druck auf Palantir Technologies wächst. Gleich mehrere Entwicklungen belasten den Aktienkurs des KI-Spezialisten: Wettbewerber kopieren sein erfolgreiches Einsatzmodell, der CEO verkauft weiter Aktien – und die hohe Bewertung bleibt umstritten.

KI-Labore greifen an

Anthropic hat mit der Übernahme von Fractional AI einen direkten Einstieg in den Markt für Unternehmens-KI vollzogen. Das Start-up entwickelt generative KI-Anwendungen für Firmenkunden. Parallel baut Anthropic eine eigene Consulting-Sparte auf.

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Die Strategie ist eine direkte Kopie des Palantir-Playbooks: Ingenieure werden direkt bei Kunden vor Ort eingesetzt, um Software anzupassen und zu implementieren. Dieses Modell – „forward-deployed engineer“ genannt – gilt seit Jahren als Palantirs Kernkompetenz.

Morningstar-Analysten verfolgen die Entwicklung genau. Auch OpenAI versucht mit seiner Einheit DeployCo, Palantirs Ansatz nachzuahmen.

Retention-Rate unter Druck

Die Konkurrenz trifft Palantir in einer heiklen Phase. Die Aktie zählt zu den am meisten beachteten KI-Werten. Ihre Bewertung hängt maßgeblich davon ab, ob Kunden ihre Ausgaben weiter steigern.

Die Zahlen sind stark: Die Netto-Geldbindungsrate (Net Dollar Retention) kletterte auf 150 Prozent – ein Plus von 11 Prozentpunkten. Der Gesamtwert der abgeschlossenen Verträge verdoppelte sich auf 11,8 Milliarden Dollar.

Doch Analysten zweifeln an der Nachhaltigkeit. Sobald die frühe AIP-Einführungsphase abgeschlossen ist, wird eine weitere Expansion schwieriger. Das Risiko: Unternehmen testen konkurrierende KI-Berater. Das könnte die Preise drücken oder die Verkaufszyklen verlängern.

Morningstar: Fair bewertet, aber…

Morningstar hält Palantir für ein großartiges Unternehmen – die Kombination aus Wachstum und Profitabilität sei selten. Die entscheidenden Fragen seien aber, ob die Bewertung tragbar ist und ob die KI-Labore eine echte Bedrohung für Palantirs Ontologie darstellen.

Finanziell steht das Unternehmen solide da: 2,2 Milliarden Dollar Cash, keine Schulden. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen (Remaining Performance Obligations) beliefen sich per Ende März auf 4,5 Milliarden Dollar. Rund 39 Prozent davon dürften innerhalb der nächsten zwölf Monate als Umsatz verbucht werden.

Karp kassiert weiter

CEO Alexander Karp hat am 20. Mai 2026 erneut Aktien verkauft: 397.744 Stück, Erlös rund 54 Millionen Dollar. Sein verbleibender Anteil wird auf über 880 Millionen Dollar geschätzt.

Laut SEC-Meldungen hat Karp in den letzten fünf Jahren 37 Transaktionen getätigt – ausnahmslos Verkäufe. Das Muster wird von Anlegern kritisch beäugt, auch wenn die Verkäufe in der Regel über vorab festgelegte Handelspläne laufen.

Bewertung bleibt Sprengstoff

Die Aktie notierte zuletzt bei 136,60 Dollar. Im vergangenen Jahr bewegte sie sich zwischen 118,93 und 207,52 Dollar. Der Abschlag vom Allzeithoch beträgt rund 34 Prozent.

Gemessen am durchschnittlichen Analystenkursziel von 183,73 Dollar handelt das Papier etwa 26 Prozent unter seinem fairen Wert. Dennoch: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 66, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei über 150. Für das laufende Jahr wird ein KGV von rund 100 erwartet.

Die Kernfrage bleibt: Ist Palantir mehr als ein KI-Hype-Wert? Die Imitation seines Modells durch finanzstarke Konkurrenten macht die Antwort nicht leichter.

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