Palantir Aktie: Burry-Gerüchte bremsen Rally
Spekulationen über eine Short-Wette von Michael Burry lassen Palantir-Aktie um vier Prozent fallen. Analysten bleiben trotz politischer Risiken optimistisch.

- Kursrutsch nach Burry-Gerüchten
- Software-Sektor insgesamt unter Druck
- Staatsgeschäft wächst weiter kräftig
- Analysten sehen Kurspotenzial
Sechs Gewinntage in Folge, ein Kursplus von rund 24 Prozent, eine Marktkapitalisierung jenseits der 300-Milliarden-Dollar-Marke — und dann bricht die Rally abrupt ab. Auslöser sind Gerüchte um einen prominenten Namen: Michael Burry, der Investor, der 2008 den Immobiliencrash vorhersagte.
Am Mittwoch verlor die Palantir-Aktie zeitweise vier Prozent. Marktbeobachter machten Spekulationen verantwortlich, wonach Burry Short-Positionen gegen mehrere bekannte KI-Werte aufgebaut haben soll. Palantir könnte darunter sein. Welche Ticker genau betroffen sind, ist bislang nicht bestätigt.
Burry selbst hat Palantir öffentlich kritisiert. Er argumentiert, das Unternehmen Anthropic fresse Palantir „das Mittagessen weg“ und positioniert sich laut Marktberichten mit einer größeren Short-Wette gegen die Aktie. Bestätigt ist das nicht — trotzdem reichte das Gerücht, um Wachstumswerte im Techsektor zu belasten.
Software-Sektor gerät unter Druck
Der Rückschlag traf nicht nur Palantir. Nachdem der brüchige Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran zusammenbrach, weitete sich die Schwäche auf die gesamte Software-Branche aus. Workday verlor vier Prozent, SAP 3,4 Prozent, Oracle zwei Prozent und ServiceNow 3,6 Prozent.
Damit gab Palantir einen Teil des Schubs ab, den ein Ende Juni bekannt gewordener Nvidia-Deal ausgelöst hatte. Die Kooperation sieht vor, KI-Modelle für US-Regierungsstellen und kritische Infrastruktur in souveränen Umgebungen zu betreiben.
Hinzu kommt politischer Gegenwind. Palantirs enge Verbindung zur Trump-Regierung sorgt laut einem Bericht der Financial Times für wachsenden Druck — besonders falls die Demokraten im Repräsentantenhaus wieder Untersuchungsbefugnisse erhalten und die Regierungsaufträge des Unternehmens genauer prüfen. Konkurrenz um KI-Fachkräfte und interne Spannungen verschärfen die Lage zusätzlich.
Staatsgeschäft wächst trotz Kritik weiter
Die politische Prüfung ändert bislang nichts am operativen Geschäft. In den zwölf Monaten nach Trumps Amtsantritt erzielte Palantir knapp 2,2 Milliarden Dollar Umsatz aus Bundesaufträgen — ein Plus von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das kommerzielle Geschäft hat sich im selben Zeitraum sogar mehr als verdoppelt.
Charttechnisch bleibt das Bild gemischt. Die Aktie notiert weiterhin unter dem 200-Tage- und dem 100-Tage-Durchschnitt, während sie den 20-Tage-Durchschnitt in den USA noch knapp hält. Der im Februar entstandene Death Cross wirkt fort.
In Euro gerechnet zeigt sich ein ähnliches Bild. Der deutsche Handelsplatz schloss die Aktie am Mittwoch bei 115,72 Euro — das liegt 13,63 Prozent unter dem 200-Tage-Schnitt, aber nur 0,60 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Auf Sicht von sieben Handelstagen steht dennoch ein Plus von 2,39 Prozent, seit Jahresbeginn bleibt aber ein Minus von 19,13 Prozent.
Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch
Trotz der Turbulenzen hat sich die Stimmung an der Wall Street nicht grundlegend gedreht. Das Kursziel-Konsensus liegt bei 174,10 Dollar bei einer Buy-Einstufung. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von 33 Cent gegenüber 16 Cent im Vorjahr, bei einem Umsatz von 1,81 Milliarden Dollar gegenüber einer Milliarde Dollar vor Jahresfrist.
Die jüngsten Ratingaktionen fielen überwiegend positiv aus:
- DA Davidson stufte die Aktie am 2. Juli auf Buy hoch und hob das Kursziel auf 175 Dollar an
- Wolfe Research hob die Einstufung am 16. Juni auf Peer Perform an
- Rosenblatt bestätigte sein Buy-Rating mit einem Kursziel von 225 Dollar
Nicht alle Marktteilnehmer sehen die Bewertung als gerechtfertigt an. Ein technischer Analysedienst stufte die Aktie nach dem Kursrutsch von „Buy Candidate“ auf „Hold/Accumulate“ zurück und verwies auf ein gemischtes Signalbild trotz der starken Zwei-Wochen-Gewinne.
Nächster Termin: Quartalszahlen im August
Die Aktie notiert derzeit 35,70 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro, erreicht am 3. November 2025. Gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 93,30 Euro, markiert am 26. Juni, liegt sie 24,03 Prozent im Plus. Diese Spanne allein zeigt, wie volatil das Papier gehandelt wird — die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei gut 60 Prozent.
Der nächste größere Termin ist der Quartalsbericht, der für Anfang August erwartet wird. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob sich die Burry-Gerüchte bestätigen oder zerstreuen. Parallel bleibt die politische Debatte um Palantirs Regierungsverträge ein Thema, das die Kursentwicklung unabhängig von den Quartalszahlen beeinflussen kann.
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