Palantir Aktie: Burry wettet auf Kollaps unter einen Dollar

Investor Michael Burry wettet auf fallende Palantir-Kurse, während das US-Verteidigungsministerium einen Großauftrag ohne Ausschreibung plant. Die Aktie bleibt zwischen Euphorie und Skepsis gespalten.

Die Kernpunkte:
  • Burry sichert sich Put-Optionen
  • Pentagon plant Millionen-Deal
  • Umsatzprognose für 2026 angehoben
  • Aktie gilt technisch als überkauft

Zwei Männer schauen auf dasselbe Unternehmen und sehen völlig Verschiedenes. Der eine, ein Investor namens Michael Burry, hat sich Put-Optionen mit Laufzeit März 2027 gesichert und lässt öffentlich wissen, er halte die Palantir-Aktie langfristig für „unter einem Dollar“ wert.

Der andere ist das US-Verteidigungsministerium, das laut einem Memo vom 4. August bis zu 243,9 Millionen Dollar für KI-Datenanalysedienste von Palantir bereitstellen will – ohne Ausschreibung. Diese Gegensätzlichkeit ist der eigentliche Stoff, aus dem sich die Palantir-Geschichte im Sommer 2026 speist.

Eine Wette gegen die Substanz

Burrys Position ist bemerkenswert, weil sie sich gegen den Strom stellt. Während 32 von Analysten befragte Häuser laut einer Umfrage von S&P Global im Konsens ein „Buy“-Rating und ein durchschnittliches Kursziel von 189,9 Dollar ausgeben, wettet der Investor, der einst mit seiner Position gegen den US-Immobilienmarkt bekannt wurde, auf einen Kollaps um mehrere Zehnerpotenzen.

Solche Wetten sind selten Zufall – sie signalisieren tiefes Misstrauen gegenüber der Bewertung eines Unternehmens, dessen operative Zahlen zuletzt eigentlich für sich sprachen.

Und genau hier liegt die Spannung: Der Rückenwind aus dem zweiten Quartal, in dem der Umsatz auf 1,94 Milliarden Dollar kletterte und die Prognose für das Gesamtjahr auf 8,15 bis 8,16 Milliarden Dollar angehoben wurde, ist inzwischen gut eine Woche alt.

Der Kurs hat seither um 4,3 Prozent zugelegt und schloss am Donnerstag bei 155,24 Euro. Doch die Frage, die Burrys Wette aufwirft, bleibt unabhängig vom Kalender: Trägt das Wachstum die Bewertung, oder ist die Aktie zum Symbol einer KI-Euphorie geworden, die sich irgendwann von den Fundamentaldaten löst?

Der Staat als Ankerkunde

Während Burry auf den Absturz setzt, vertieft sich Palantirs Verankerung im staatlichen und militärischen Sektor weiter. Die Partnerschaft mit Mercury Systems, verkündet am 3. August, zielt darauf ab, die Automatisierung von Materialplanung und Fabrikbetrieb für US-Militärprogramme zu beschleunigen.

Gefördert wird das Vorhaben von der US-Regierung im Rahmen eines sogenannten Tradewind Prototype Agreement. Palantir soll Mercury dabei helfen, eine Unternehmens-Ontologie aufzubauen – ein digitales Abbild der eigenen Betriebsabläufe.

Das mögliche Auftragsvolumen von 243,9 Millionen Dollar für KI-Datenanalyse ist im Kontext eines Unternehmens mit einer Marktkapitalisierung von 356,13 Milliarden Euro überschaubar.

Bedeutsamer ist das Muster: Der Bund vergibt Aufträge zunehmend ohne Wettbewerbsausschreibung an Palantir – ein Vertrauensvorschuss, der zugleich als politisches Risiko gelesen werden kann, sollte sich der Wind in Washington drehen. Ob der Deal überhaupt final abgeschlossen wurde, ist bislang offen.

Kursdynamik trifft auf gespaltene Meinungen

Technisch betrachtet befindet sich die Aktie in einer angespannten Lage: Der Relative-Stärke-Index von 72,7 signalisiert eine überkaufte Situation, während die Aktie mit einem Abstand von 33 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt notiert. Die annualisierte Volatilität von 99 Prozent über die vergangenen 30 Tage unterstreicht, wie nervös der Markt dieses Papier derzeit handelt – Ausschläge in beide Richtungen sind eingepreist.

Auch innerhalb des eigenen Führungskreises herrscht keine einheitliche Botschaft. Firmen-CTO Shyam Sankar wandelte am 6. August im Rahmen eines bereits im März aufgesetzten automatisierten Handelsplans 35.000 Class-B- in Class-A-Aktien um und verkaufte sie zu Preisen zwischen 153,07 und 157,52 Dollar, was Erlöse von 5,45 Millionen Dollar einbrachte.

Solche planbasierten Verkäufe sind bei Führungskräften Routine und für sich genommen kein Warnsignal – aber sie zeigen, dass auch Insider Gewinne mitnehmen, während der Markt insgesamt euphorisch bleibt.

Am Ende bleibt Palantir ein Lehrstück dafür, wie unterschiedlich sich dieselben Fakten deuten lassen. Wachstum, Staatsverträge und Analystenzuversicht auf der einen Seite, eine spektakuläre Short-Wette und überkaufte Indikatoren auf der anderen. Wer heute auf den Kurs schaut, sieht nicht die Wahrheit über das Unternehmen – er sieht lediglich, welche der beiden Erzählungen der Markt gerade für glaubwürdiger hält.

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