Palantir Aktie: Goldman Sachs wählt zwischen SpaceX und Palantir
Nach Goldmans kritischem Votum steht Palantir trotz Rekordzahlen vor einer Bewertungsdebatte. Analysten sehen Kurspotenzial bis 245 Dollar, während ARK Invest Gewinne realisiert.

- Goldman Sachs sieht nur einen KI-Favoriten
- Palantir-Aktie nach Rally unter Druck
- ARK Invest verkauft Palantir-Anteile
- Analystenziele bis 245 Dollar
Goldman Sachs hat Anlegern am Freitag eine unbequeme Entscheidung präsentiert: Von SpaceX und Palantir verdiene nach der jüngsten Kursrally nur noch einer der beiden Werte ein Kaufvotum. Für Palantir kommt diese Einschränkung zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie gerade erst einen ihrer stärksten Kurssprünge der vergangenen Monate hinter sich hat – und die Meinungen unter Investoren so weit auseinanderliegen wie selten.
Die Ausgangslage: Euphorie mit Bremsspur
Nach dem Rekordquartal am vergangenen Samstag, das mit einem Umsatzsprung von 93 Prozent und einem US-Commercial-Wachstum von 149 Prozent aufwartete, schoss die Aktie zunächst deutlich nach oben. Binnen sieben Tagen legte der Kurs um 34,03 Prozent zu.
Seither hat sich die Euphorie etwas gelegt: Aktuell notiert das Papier bei 146,50 Euro, ein Minus von 1,57 Prozent gegenüber dem Vortag. Die Bewegung wirkt wie eine erste Verdauungspause nach einem außergewöhnlich steilen Anstieg – nicht wie ein Vertrauensverlust, aber ein Hinweis darauf, dass die Luft dünner wird.
Genau in dieses Bild passt, dass ausgerechnet Cathie Woods ARK Invest in den Tagen nach dem Zahlenwerk in mehreren Schritten Palantir-Anteile abgebaut hat. Am Donnerstag verkaufte der Fonds 70.259 Aktien im Wert von rund 11,4 Millionen Dollar und setzte damit eine Serie von Verkäufen fort, die bereits in den Tagen zuvor begonnen hatte.
Parallel dazu kaufte ARK nach eigenen Angaben Anteile an SpaceX und Nvidia im Umfang von zusammen knapp 37,6 Millionen Dollar. Das liest sich weniger nach einem Abschied von der Palantir-These als nach klassischer Gewinnmitnahme und Portfolio-Umschichtung innerhalb desselben KI-Themas.
Zwischen 245 Dollar und Nulllinie: die Analysten-Spanne
Wie unterschiedlich die Erwartungen an Palantir ausfallen, zeigt der Blick auf die Kursziele. Citi-Analyst Tyler Radke hob sein Ziel am 4. August von 200 auf 245 Dollar an und bestätigte sein Kaufvotum – begründet mit dem beschleunigten Wachstum, dem starken US-Geschäft und verbesserten Vertragskennzahlen.
Auch DA Davidson erhöhte am selben Tag sein Ziel, von 175 auf 200 Dollar, und schraubte die Umsatzschätzungen für 2027 um 7 Prozent nach oben. Auf der anderen Seite steht die Position von Michael Burry, der seine bearishe Haltung Anfang der Woche noch verschärfte und öffentlich bedauerte, nicht in großem Stil gegen die Aktie gewettet zu haben.
Zwischen diesen Polen bewegt sich nun Goldman Sachs mit seiner Aussage, dass nur eines der beiden KI-Schwergewichte – SpaceX oder Palantir – aktuell ein Kaufargument liefert, ohne sich öffentlich festzulegen, welches.
Meine Einschätzung: Zwei Wahrheiten gleichzeitig
Für mich lassen sich beide Seiten mit denselben Fakten begründen, und das ist das eigentlich Bemerkenswerte an diesem Fall. Operativ hat Palantir im zweiten Quartal geliefert: eine bereinigte operative Marge von 62 Prozent, ein US-Commercial-Geschäft, das sich seit 2024 mehr als verfünffacht hat, und eine angehobene Jahresprognose.
Wer daraus ein Kursziel von 245 Dollar ableitet, argumentiert nicht aus der Luft. Gleichzeitig zeigt die Verkaufsserie von ARK Invest, dass selbst überzeugte Tech-Investoren nach einem derartigen Kurssprung Gewinne realisieren, statt blind nachzukaufen.
Unterm Strich spricht die operative Dynamik weiterhin für die Wachstumsstory – aber Goldmans Entweder-oder-Rahmung macht deutlich, dass die Bewertungsdebatte mit jedem weiteren Rallytag schärfer wird, nicht kleiner.
Nach einem Wochenplus von über 30 Prozent und einer Analystenspanne, die von tiefroten Fair-Value-Schätzungen bis zu 245 Dollar reicht, kauft man bei Palantir derzeit nicht nur Wachstum, sondern auch die Unsicherheit darüber, wie viel davon bereits im Kurs steckt. Genau diese Kluft zwischen operativer Stärke und Bewertungsskepsis dürfte die Aktie in den kommenden Wochen weiter begleiten.
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