Palantir Aktie: Karp prognostiziert 18 Monate Hochwachstum
Palantir steigert den Quartalsumsatz um 93 Prozent und hebt die Jahresprognose an. Die hohe Bewertung bleibt jedoch ein zentraler Kritikpunkt.

- Quartalsumsatz steigt um 93 Prozent
- US-Geschäft mit Firmen wächst 149 Prozent
- Jahresprognose auf 8,15 Milliarden angehoben
- Hohe Bewertung begrenzt weiteres Kurspotenzial
Palantir hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal geliefert, was Kritiker seit Jahren für unmöglich halten: hyperschnelles Wachstum bei gleichzeitig satten Margen. 1,94 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 93 Prozent zum Vorjahr, dazu eine GAAP-Marge von 55 Prozent. Für mich ist das der eigentliche Kern der Geschichte – nicht die Kursausschläge der vergangenen Tage.
Zahlen, die die Bären in die Enge treiben
Das US-Commercial-Geschäft wuchs um 149 Prozent, die Nettoretentionsrate liegt bei 157 Prozent, die Restauftragslage (RPO) kletterte um 103 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar.
CEO Alex Karp nannte das Quartal „otherworldly“ und erklärte, das aktuelle Wachstumstempo sei für weitere 18 Monate haltbar. Das ist eine gewagte Ansage – aber sie stammt nicht aus dem luftleeren Raum, sondern aus einer Guidance, die das Unternehmen selbst für das Gesamtjahr auf 8,15 bis 8,158 Milliarden Dollar angehoben hat, ein Plus von 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Aktuell notiert die Aktie bei 158,50 Euro, nach einem Rücksetzer von 1,5 Prozent am heutigen Handelstag. Der Blick auf die vergangenen 30 Tage relativiert diesen Tagesausschlag deutlich: Dort steht ein Plus von 48 Prozent zu Buche. Wer nur auf die Tagesbewegung starrt, verpasst das eigentliche Bild – hier bewegt sich ein Markt, der eine fundamentale Neubewertung vornimmt, nicht eine kurzfristige Laune.
Die Bewertungsfrage bleibt der wunde Punkt
Und genau hier beginnt meine Skepsis. Bei einem Kurs von 186,29 US-Dollar im US-Handel wurde Palantir zuletzt mit dem 133-Fachen des freien Cashflows und dem 72,7-Fachen des Umsatzes gehandelt. Das ist keine Bewertung, die man mit Wachstumsraten allein rechtfertigen kann – das ist eine Wette auf Perfektion über Jahre hinweg.
Die Analystenschar ist entsprechend gespalten: 32 Häuser decken den Titel ab, das Kursziel-Spektrum reicht von 80 bis 255 US-Dollar, der Durchschnitt liegt bei 191,68 Dollar. UBS traut der Aktie 220 Dollar zu, Piper Sandler sogar 230 – beide stützen sich auf die beschleunigte Kommerzialisierung außerhalb des klassischen Regierungsgeschäfts.
Bemerkenswert finde ich, dass sich das Verhältnis zwischen Staats- und Firmenkunden tatsächlich verschiebt. Im vergangenen Quartal kam das Unternehmen auf rund 3,2 Milliarden Dollar Umsatz aus dem Regierungsgeschäft gegenüber etwa 2,9 Milliarden aus dem kommerziellen Segment – die Lücke schließt sich sichtbar.
Palantir ist zudem schuldenfrei, ein Fakt, der in der Debatte um die „übertriebene“ Bewertung oft untergeht. Wer ein Unternehmen ohne Fremdkapital mit einem Softwarekonzern vergleicht, der auf Kredit wächst, vergleicht Äpfel mit Birnen.
Die Ausweitung ins operative Geschäft ist der eigentliche Trumpf
Was mich an der aktuellen Entwicklung am meisten überzeugt, ist die Erweiterung der Software Richtung Fabrikboden: Materialplanung, digitale Zwillinge, Lieferkettensteuerung – Palantir bewegt sich weg vom reinen Analyse-Tool hin zu einem operativen Rückgrat für Industrieunternehmen. Das erklärt, warum das Wachstum in Fertigung, Energie, Gesundheitswesen und Finanzdienstleistungen so breit gestreut ist und nicht von einem einzelnen Großkunden abhängt.
Die Volatilität der Aktie bleibt hoch, das RSI-Niveau von 66 signalisiert zudem, dass kurzfristig Luft nach oben begrenzt sein könnte. Das 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro liegt gut zwölf Prozent über dem aktuellen Niveau – ein Hinweis darauf, dass der Markt nach der jüngsten Rally erst einmal verschnauft.
Mein Fazit
Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente der Wachstumsstory: Ein schuldenfreies Unternehmen mit dreistelligen Wachstumsraten im Kommerzsegment und einer Retentionsrate jenseits von 150 Prozent liefert operative Substanz, die selten ist. Die Bewertung bleibt gleichzeitig der größte Risikofaktor – sie lässt kaum Raum für Enttäuschungen.
Wer an die 18-monatige Wachstumsprognose von Karp glaubt, dürfte die aktuelle Konsolidierung als Atempause lesen. Wer der extremen Bewertung misstraut, wird in jedem Rücksetzer eine Bestätigung seiner Zweifel finden. Beide Lager haben nach diesem Quartal gute Argumente – das ist ungewöhnlich für eine Aktie, die so viele Schlagzeilen produziert.
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