Palantir Aktie: Kooperation mit Nvidia vertieft
Palantir steigert Umsatz und US-Gewerbegeschäft deutlich, baut Partnerschaften aus und sieht sich zugleich mit hohen Bewertungserwartungen konfrontiert.

- US-Gewerbeumsatz steigt um 149 Prozent
- Gesamterlöse erreichen rund 1,94 Milliarden Dollar
- Neue Kooperationen mit Nvidia und Fujitsu
- Hohe Bewertung erhöht Rückschlagrisiken
Wer auf Palantir blickt, sieht derzeit zwei völlig unterschiedliche Unternehmen. Auf der einen Seite steht der operative Musterschüler, der sich im Eiltempo vom einstigen Nischenanbieter für Geheimdienste zur unverzichtbaren Schnittstelle der industriellen und militärischen Software-Infrastruktur wandelt. Auf der anderen Seite mahnt eine Bewertung, die selbst für Technologie-Verhältnisse kaum noch Raum für operative Ausrutscher lässt.
Für mich markiert die jüngste Offensive bei globalen Kooperationen einen Wendepunkt. Palantir baut sein Netzwerk massiv aus: Neben einer vertieften Zusammenarbeit mit Nvidia im Bereich der Lieferketten und Cybersicherheit kündigte das Unternehmen eine erneuerte Vereinbarung mit Fujitsu für die internationale Fertigung an. Hinzu kommen Kooperationen mit Partnern wie Method Security und Nebius. Palantir zielt damit gezielt auf die Nervenzentren der Industrie.
Das kommerzielle Geschäft als Wachstumstreiber
Lange Zeit haftete dem Konzern das Stigma an, fast ausschließlich am Tropf staatlicher Budgets zu hängen. Doch dieses Bild greift längst zu kurz. Im zweiten Quartal 2026 kletterte der US-Gewerbeumsatz um beeindruckende 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar, während der Gesamtumsatz um 93 Prozent auf rund 1,94 Milliarden Dollar zulegte. Der operative Gewinn sprang parallel dazu von 269 Millionen auf 912 Millionen Dollar an.
Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll: Unternehmen begnügen sich nicht mehr mit unverbindlichen Experimenten, sondern binden Palantirs Plattformen tief in ihre Kernprozesse ein.
Die Verdopplung des Wachstums untermauert, dass die Nachfrage nach praxistauglicher Software ungebrochen ist. Während reine Sprachmodell-Anbieter noch um tragfähige Erlösmodelle ringen, verdient Palantir an der tatsächlichen Umsetzung im Betriebsalltag bereits handfestes Geld.
Hohe Erwartungen begrenzen den Spielraum
Doch so glänzend die operative Entwicklung verläuft, so nüchtern stimmt der Blick auf den Kurszettel. An den europäischen Handelsplätzen schloss das Papier am vergangenen Freitag bei 154,58 Euro. Zwar notiert der Titel damit rund 14 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro, doch die fundamentale Bewertung spiegelt bereits enorme Wachstumsraten für die kommenden Jahre wider.
Selbst optimistische Szenarien basieren auf der Annahme, dass der freie Cashflow bis zum Ende des Jahrzehnts steil nach oben klettert. Zwar trauen optimistischere Stimmen an der Wall Street der Aktie noch deutliche Sprünge zu – die Analysten der UBS beziffern ihr Kursziel beispielsweise auf 250 Dollar –, doch die Luft wird dünner.
Auf dem aktuellen Niveau entspricht die Bewertung einem Vielfachen des geführten Jahresumsatzes. Für Anleger bedeutet das: Jede noch so kleine Wachstumsdelle im US-Geschäft oder eine Verzögerung bei Neuabschlüssen könnte empfindliche Kursrücksetzer auslösen.
Hinzu kommt politischer und strategischer Gegenwind. Palantir-CEO Alex Karp sorgte am 17. September im US-Fernsehen für Aufsehen, als er strenge Richtlinien und sogar eine Verstaatlichung führender KI-Labore wie Anthropic ins Spiel brachte. Palantir schränkte zudem die interne Nutzung externer Sprachmodelle wegen offener Fragen bei der Datenaufbewahrung ein. Das verdeutlicht, wie fragil das regulatorische Umfeld in diesem Sektor bleibt.
Abwägung für Anleger
Unterm Strich liefert Palantir operativ genau das, was die Märkte verlangen: steiles Wachstum, expandierende Margen und hochkarätige Industriepartnerschaften. Die strategische Positionierung an der Schnittstelle von Rechenzentren, industrieller Fertigung und Cybersicherheit könnte kaum besser sein.
Gleichzeitig halte ich das Chance-Risiko-Verhältnis auf dem gegenwärtigen Kursniveau für anspruchsvoll. Der Markt hat einen Großteil der Erfolge der kommenden Quartale bereits vorweggenommen. Wer investiert ist, profitiert vom intakten operativen Momentum des Softwarehauses. Für Neueinsteiger spricht hingegen vieles dafür, auf Phasen marktweiter Konsolidierung zu warten, bevor zusätzliches Kapital gebunden wird.
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