Palantir Aktie: Peter Thiel in Buenos Aires, Aktionäre rebellieren
Palantir steht vor einer richtungsweisenden Hauptversammlung. Investoren fordern mehr Transparenz bei Menschenrechten, während Mitgründer Thiel durch seinen Umzug nach Argentinien für zusätzliche Spannungen sorgt.

- Thiel zieht nach Buenos Aires
- Investoren fordern Menschenrechtsprüfung
- Starke Quartalszahlen stehen im Fokus
- Abstimmung über Transparenzanträge am Mittwoch
Palantir geht in eine heikle Woche. Kurz vor der Hauptversammlung rückt Mitgründer und Chairman Peter Thiel in den Blick, weil er zeitweise nach Buenos Aires gezogen ist. Parallel dazu erhöhen große Investoren den Druck beim Thema Menschenrechte. Das trifft einen Konzern, der operativ stark läuft, politisch aber immer stärker aneckt.
Thiels Umzug sorgt für neue Reibung
Peter Thiel hat in Buenos Aires eine Villa für 12 Millionen Dollar gekauft und seine Familie vorübergehend nach Argentinien gebracht. Seit April 2026 soll er seine Kinder dort eingeschult und politische Gespräche geführt haben.
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Thiel traf unter anderem Präsident Javier Milei sowie Wirtschaftsminister Luis Caputo und Deregulierungsminister Federico Sturzenegger. Als Motive gelten Sorgen über Steuern, einen möglichen Atomkrieg und Risiken durch künstliche Intelligenz.
Ein Streitpunkt liegt in Kalifornien. Dort unterstützt offenbar mehr als die Hälfte der Wähler eine einmalige Vermögenssteuer auf Milliardäre. Thiel verließ den Bundesstaat Ende 2025, kurz vor einer wichtigen Frist zum Jahreswechsel.
Der Vorschlag sieht eine jährliche Steuer von 5 Prozent für Einwohner mit einem Vermögen von mehr als 1 Milliarde Dollar vor. Für Thiel kommt das politisch zur Unzeit. Palantir verdient weiter massiv am US-Staat, im ersten Quartal 2026 lagen die Erlöse mit US-Regierungsaufträgen bei 687 Millionen Dollar.
Investoren drängen auf Menschenrechtsprüfung
Am Mittwoch steht die Hauptversammlung an. Sie beginnt am 3. Juni 2026 um 10.00 Uhr Ostküstenzeit. Dort stimmen Aktionäre über Anträge ab, die Palantir zu mehr Transparenz bei Menschenrechtsrisiken und militärischer Sorgfalt zwingen sollen.
Im Zentrum steht Antrag 5. Er fordert eine öffentlich zugängliche Prüfung der Menschenrechtsfolgen und verweist auf den Einsatz von Palantir-Technologie im Umfeld von Abschiebungen. Genannt werden ein Anstieg der ICE-Inhaftierungen um 84 Prozent und Rekordwerte bei Todesfällen in Gewahrsam seit Januar 2025.
Der Verwaltungsrat lehnt die Anträge ab. Der Druck kommt aber nicht nur von aktivistischen Gruppen. Norges Bank Investment Management, Verwalter des norwegischen Staatsfonds mit 2,3 Billionen Dollar, will für die Anträge zu Menschenrechten und politischen Spenden stimmen.
Auch der New Yorker Finanzkontrolleur forderte im Februar 2026 eine unabhängige Prüfung der Risiken aus Palantirs Arbeit mit DHS und ICE. Der niederländische Pensionsfonds ABP hat sich zuletzt bereits von Palantir getrennt. In mehreren US-Bundesstaaten wächst der Druck auf Pensionsfonds, einen ähnlichen Schritt zu prüfen.
Kritik kommt auch aus Argentinien. Die Oppositionspolitikerin Elisa Lilita Carrió schrieb auf X, „was Peter Thiel tut, ist furchtbar“, bezogen auf seine Palantir-Beteiligung. Die Regierung in Buenos Aires prüft Berichten zufolge einen dauerhaften Aufenthaltsstatus oder eine Staatsbürgerschaft für Thiel, ein Sprecher Mileis wies das jedoch zurück.
Starke Aktie, schwache Governance-Optik
Fundamental steht Palantir nicht unter Druck. Der Konzern hat starke Zahlen für das erste Quartal vorgelegt und die Jahresprognose angehoben. Genau deshalb fällt die Governance-Debatte so stark auf: Wachstum allein reicht nicht mehr, wenn Großinvestoren Vertragsrisiken und politische Angriffsflächen höher gewichten.
Hinzu kommt die besondere Stimmrechtsstruktur. Alle Class-F-Aktien liegen in einem Stimmrechtsvehikel der Mitgründer Stephen Cohen, Alexander Karp und Peter Thiel. Diese Struktur kann den Gründern bis zu 49,999999 Prozent der gesamten Stimmrechte sichern, solange bestimmte Mindestbeteiligungen erfüllt bleiben.
Damit haben Aktionärsanträge einen schweren Stand. Selbst breite Unterstützung durch institutionelle Investoren garantiert keinen Erfolg. Für Kritiker ist genau das ein Teil des Problems: Palantir wächst schnell, bleibt aber bei Kontrolle und Transparenz stark von den Gründern geprägt.
Auch Insidertransaktionen passen nicht perfekt zum starken Kursbild. Thiel verkaufte im März 2026 rund 2 Millionen Aktien zu Preisen zwischen 141 und 147 Dollar. CEO Alex Karp gab im Februar mehr als 490.000 Class-A-Aktien zu 132 bis 135 Dollar ab.
Offene Insiderkäufe am Markt fallen zuletzt nicht auf. Das muss keine Schwäche signalisieren, nimmt der Rally aber etwas Glanz. Kein Wunder, dass die Abstimmung diese Woche genau beobachtet wird.
Die Palantir-Aktie ging am Freitag bei 134,18 Euro aus dem Handel. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 12,74 Prozent, der RSI liegt mit 86,3 klar im überhitzten Bereich.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 179,86 Euro beträgt noch 25,40 Prozent. Zugleich notiert die Aktie 10,40 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Kurzfristig dominiert damit Momentum, während die Bewertung und die politischen Risiken weiter Reibung erzeugen.
Am Mittwoch trifft diese Gemengelage auf die Abstimmung der Aktionäre. Ein Erfolg der Menschenrechtsanträge wäre ein Signal gegen den Willen des Verwaltungsrats. Eine Niederlage würde den Druck nicht beenden, sondern eher in die nächste Runde verlagern.
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