Palantir Aktie: Rackspace wird bevorzugter Partner
Trotz neuer Deals mit Rackspace, GNP und SNP bleibt die Palantir-Aktie unter Druck. Hohe Bewertung und Insiderverkäufe belasten den Kurs.

- Partnerschaft mit Rackspace Technology
- Erster kommerzieller Kunde in Lateinamerika
- Kooperation mit SAP-Spezialist SNP
- Aktie notiert nahe 50-Tage-Linie
Palantir Technologies hat binnen weniger Tage gleich drei kommerzielle Vereinbarungen bekanntgegeben – und doch bleibt die Aktie unter Druck. Am 10. Juli 2026 stellten Rackspace Technology und Palantir ein gemeinsames Betriebsmodell-Framework für regulierte und souveräne Unternehmen vor. Es kombiniert Palantir Foundry und AIP mit der Private Cloud, der Sovereign Cloud sowie On-Prem-Infrastruktur und Managed Operations von Rackspace. Zielbranchen sind Gesundheitswesen, Finanzdienstleister, Energieversorger und staatliche Organisationen. Rackspace wird dabei zum bevorzugten Partner von Palantir und hat seit Februar 2026 rund 400 eigene Palantir-Zertifizierungen aufgebaut. Als Referenz nennen die Unternehmen einen US-Hersteller von Solar-Trackern, der seine Angebotszykluszeit mit Foundry um 94 Prozent gesenkt haben soll.
Lateinamerika und SAP-Welt als neue Standbeine
Bereits am 7. Juli hatte Palantir eine Erweiterung seiner Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Versicherer GNP Seguros verkündet – nach eigenen Angaben der erste öffentlich genannte kommerzielle Kunde in Lateinamerika. GNP Seguros setzt Foundry und AIP für Betrugserkennung, Risikoüberwachung und Underwriting ein. Einen Tag später, am 8. Juli, folgte auf der Transformation World in Heidelberg die strategische Partnerschaft mit SNP SE, einem Anbieter mit mehr als 3.000 Kunden und über 15.000 SAP-Projekten. Erstes gemeinsames Produkt ist der „Test Data Proposal“, ein KI-Werkzeug, das Testdaten für SAP-Migrationen automatisiert identifiziert und die SNP-Plattform Kyano erweitert. SNP ergänzte das Portfolio zudem um die neue KI-Schicht Kyano Lorna, die laut Unternehmensangaben Entscheidungen beschleunigt und rund um die Uhr in mehreren Sprachen verfügbar ist.
Kurs bewegt sich seitwärts, Bewertung bleibt Streitpunkt
An der Börse hinterlassen die Nachrichten bislang kaum Spuren. Die Palantir-Aktie notiert aktuell bei 113,78 Euro und legt im Tagesvergleich 0,78 Prozent zu, nach einem Schlusskurs von 112,90 Euro am Vortag. Auf Wochensicht steht ein Plus von 1,34 Prozent, über 30 Tage sind es 0,80 Prozent. Der Blick auf die längere Frist zeigt jedoch deutlichen Gegenwind: Seit Jahresbeginn liegt der Titel 20,49 Prozent im Minus, binnen zwölf Monaten beträgt das Minus 6,57 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 179,98 Euro, erreicht am 3. November 2025, trennen die Aktie noch immer 36,78 Prozent, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 93,30 Euro vom 26. Juni 2026 bei 21,95 Prozent liegt. Der 50-Tage-Durchschnitt von 114,83 Euro liegt nur knapp über dem aktuellen Niveau, der 200-Tage-Durchschnitt von 133,62 Euro dagegen deutlich darüber – ein Zeichen, dass der mittelfristige Trend angeschlagen bleibt. Der RSI von 52,2 signalisiert eine neutrale Marktlage, die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 53,16 Prozent zeigt weiterhin ein volatiles Handelsbild. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 281,62 Milliarden Euro.
Die operative Entwicklung liefert Argumente für Optimisten: Im ersten Quartal 2026 übertraf Palantir mit einem Gewinn je Aktie von 0,33 US-Dollar sowie einem Umsatz von 1,63 Milliarden US-Dollar, einem Plus von 84,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Konsensschätzungen deutlich. Der durchschnittliche Analystenkonsens lautet auf „Moderate Buy“ mit einem Kursziel von 190,85 US-Dollar. Kritiker verweisen dagegen auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 43 auf Basis der erwarteten Umsätze und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 93 auf Basis der Gewinnprognosen – Bewertungsniveaus, die selbst wohlwollende Analysten als anspruchsvoll bezeichnen.
Insiderverkäufe und politische Risiken im Blick
Gleichzeitig mehren sich Verkäufe aus den eigenen Reihen: Chief Technology Officer Shyam Sankar veräußerte Anfang Juli weitere Aktien, nachdem bereits im Mai CEO Alex Karp einen größeren Aktienblock abgegeben hatte. Über drei Monate summierten sich die Insiderverkäufe auf rund 150 Millionen US-Dollar. Institutionelle Anleger reagieren uneinheitlich: Während Ibex Wealth Advisors seine Position im ersten Quartal nur leicht um 3,6 Prozent reduzierte, baute Main Street Research seinen Bestand um 61,9 Prozent ab. Hinzu kommt politischer Gegenwind: Eine Analyse verweist auf das Risiko, dass die Nähe Palantirs zur US-Regierung unter Präsident Trump europäische Aufträge belasten könnte – ein Punkt, der angesichts der jüngsten Expansionsschritte in Lateinamerika und Europa an Bedeutung gewinnt.
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