Palantir Aktie: US-Geschäft wächst um 104 Prozent

Palantir verliert Aufträge in Frankreich und Großbritannien, während das US-Geschäft stark wächst. Die Aktie notiert deutlich unter dem Jahreshoch.

Die Kernpunkte:
  • Frankreichs Geheimdienst kündigt Palantir
  • NHS-Vertrag in Großbritannien wackelt
  • US-Umsatz steigt um 104 Prozent
  • Aktie 38 Prozent unter Höchststand

Frankreich wirft Palantir raus. Das klingt dramatischer, als es kurzfristig ist — aber es zeigt ein Muster, das Anleger kennen sollten.

Frankreichs Inlandsgeheimdienst DGSI ersetzt Palantirs Analysetools durch Software des heimischen Anbieters ChapsVision. Premierminister Sébastien Lecornu begründete den Schritt mit einem „Souveränitätsimperativ“ und der Abhängigkeit von US-Technologie. Palantir betont, der Vertrag laufe weiter und die Zusammenarbeit bestehe fort. Tatsächlich hatte die DGSI den Kontrakt erst im Dezember 2025 verlängert — als Übergangslösung, bis eine heimische Alternative bereitsteht. Der Wechsel soll ein bis drei Jahre dauern.

Auch in Großbritannien steht ein Vertrag auf der Kippe

Im Vereinigten Königreich gerät Palantirs £330-Millionen-Vertrag mit dem NHS unter Druck. Ein Gesundheitsminister signalisierte Mitte Juni, der NHS solle sich auf einen möglichen Anbieterwechsel vorbereiten. Imperial College prüft die Plattform bis 2029. Eine Entscheidung über eine Ausstiegsklausel, die Anfang 2027 greifen könnte, fällt noch in diesem Jahr. Eine Auswertung von Freedom-of-Information-Daten ergab, dass der Nutzen der Plattform über NHS-Einrichtungen hinweg „uneinheitlich“ ausfiel.

US-Geschäft kompensiert europäischen Gegenwind

Während Europa kritischer wird, wächst Palantir in den USA rasant. Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtumsatz um 84,7 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar. Das US-Geschäft legte sogar um 104 Prozent zu. Das Management hob die Jahresprognose auf 7,65 bis 7,66 Milliarden Dollar an — ein impliziertes Wachstum von 71 Prozent. Treiber ist vor allem das US-Handelsgeschäft, das in diesem Jahr um mindestens 120 Prozent zulegen soll.

Institutionelle Investoren in den USA halten trotzdem an Palantir fest. New Jerseys knapp 85 Milliarden Dollar schwerer Pensionsfonds hält eine Beteiligung im Wert von über 100 Millionen Dollar. Das, obwohl Aktivisten seit Anfang 2026 wegen Palantirs Verträgen mit der US-Einwanderungsbehörde ICE zum Verkauf aufrufen.

CEO Alex Karp sorgte zuletzt mit Aussagen über KI für Aufsehen. Beim Weltwirtschaftsforum im Januar und in einem CNBC-Interview im März 2026 warnte er, KI werde den wirtschaftlichen Einfluss hochqualifizierter Büroangestellter „erheblich schwächen“. Handwerkliche Berufe gewännen dagegen an Bedeutung.

Kurs weit unter Jahreshoch

Die Aktie notiert aktuell bei 111,74 Euro — rund 38 Prozent unter dem Novemberhoch von 179,98 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 22 Prozent. Der RSI liegt bei 42,1 und signalisiert weder Über- noch Unterbewertung aus technischer Sicht.

Die nächste Bewährungsprobe kommt voraussichtlich im August: Dann legt Palantir die Zahlen für das zweite Quartal vor. Zeigt das US-Wachstum weiter diese Dynamik, dürfte der europäische Gegenwind beherrschbar bleiben.

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