Palantir Aktie: Zwischen 250-Dollar-Kursziel und der Frage, ob die Bewertung hält

UBS hebt Palantirs Ziel auf 250 Dollar an, während hohe Bewertungsmultiples und die Claude-Blockade den Ausblick belasten.

Die Kernpunkte:
  • UBS erhöht Kursziel auf 250 Dollar
  • Umsatz im zweiten Quartal wächst 93 Prozent
  • Anthropic-Garantie für Datenlöschung bleibt offen
  • 2026-Umsatzprognose steigt auf 8,16 Milliarden Dollar

Ausgangslage

Palantir steht an diesem Mittwoch im Spannungsfeld zweier Erzählungen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Auf der einen Seite hat UBS-Analyst Karl Keirstead das Kursziel am Dienstag von 220 auf 250 Dollar angehoben und Palantir nach der Hausmesse AIPCon als „besten KI-Enabler“ bezeichnet – die dritte Zielanhebung des Hauses in diesem Jahr nach Juni und August.

Auf der anderen Seite zeigen unabhängige Cashflow-Modelle, dass die Bewertung bereits so weit vorausläuft, dass der faire Wert je nach Annahme zwischen zehn Prozent Unterbewertung und 23 Prozent Überbewertung liegen kann.

Dazu kommt ein zweiter, sicherheitspolitisch aufgeladener Handlungsstrang: Palantir hat gemeinsam mit Nvidia und Booz Allen den Zugang zu Anthropics Claude-Modellen eingeschränkt und fordert eine unwiderrufliche Zero-Data-Retention-Garantie, bevor eine engere Anbindung an Palantir-Plattformen erfolgt.

Diese Entwicklung fällt in eine Woche, in der Palantir parallel mit Nvidia, Cisco und Fujitsu neue „Sovereign AI“-Partnerschaften vorstellt. Für Anleger heißt das: Die Story bleibt intakt, aber der Preis dafür wird zum entscheidenden Thema.

Die entscheidende Frage

Der eine Faktor, an dem sich alles entscheidet, ist die Bewertung relativ zum künftigen freien Cashflow. UBS begründet das neue Kursziel mit dem 51-fachen des für 2027 erwarteten Free Cash Flow – ein Multiple, das laut Keirstead unter vergleichbaren Softwarewerten wie Snowflake oder CrowdStrike liegt. Gleichzeitig weisen andere Modelle auf ein aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 138 hin.

Die Kernfrage lautet also: Wächst Palantir schnell genug in seine Bewertung hinein, oder bleibt der Abstand zwischen Erwartung und Realität zu groß? Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden Dollar, das US-Commercial-Geschäft sogar um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar. Ob dieses Tempo anhält, entscheidet, welches der beiden Bewertungsbilder Recht behält.

Bullisches Szenario

Für die optimistische Lesart spricht die Breite der Nachfrage. 220 Deals über einer Million Dollar, davon 73 über zehn Millionen, sowie eine US-Commercial-Pipeline, die um 124 Prozent auf 6,24 Milliarden Dollar zugelegt hat, deuten auf eine sich verbreiternde Kundenbasis hin.

Die frisch angekündigten Partnerschaften – mit Nvidia bei der souveränen Lieferketten-Intelligenz, mit Fujitsu für Foundry- und AIP-Ausrollungen bei über 3.000 Zulieferern, mit Nebius für die Skalierung von Rechenkapazität – erweitern das adressierbare Geschäft über das bisherige Behörden- und US-Kerngeschäft hinaus.

Bleibt das Nettodollar-Retention-Niveau von 157 Prozent aus dem zweiten Quartal stabil, und wächst die operative Marge weiter in Richtung der bereits überschrittenen 60-Prozent-Marke, hätte UBS mit seinem Kursziel von 250 Dollar durchaus Argumente auf seiner Seite. Mit 23 von 33 erfassten Analysten auf Buy oder Strong Buy steht die Mehrheitsmeinung derzeit hinter diesem Bild.

Bärisches Risiko

Die Gegenposition ist ernst zu nehmen. Ein KGV von rund 138 und ein Free-Cash-Flow-Multiple von 51 für ein noch gar nicht erreichtes Geschäftsjahr lassen wenig Spielraum für Enttäuschungen.

Bear-Case-Modelle veranschlagen eine Überbewertung von bis zu 23 Prozent, sollte das Wachstumstempo nachlassen oder sich die Margenexpansion verlangsamen. Hinzu kommt die Auseinandersetzung um Anthropics Claude-Modelle: Die geforderte Zero-Data-Retention-Garantie ist bislang nicht erfüllt, Anthropic behält Prompts und Outputs weiterhin bis zu 30 Tage.

Bleibt diese Blockade bestehen, könnte sie kurzfristig Reibung in KI-Kooperationsprojekten erzeugen, selbst wenn Palantir mit Nvidia parallel eigene Alternativen über Nemotron-Modelle aufbaut.

Zudem bleibt die Aktie seit Jahresbeginn mit rund minus fünf Prozent im Minus, während der Kurs zugleich rund 17 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro notiert – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Story keineswegs bedingungslos honoriert.

Ausblick

Solange Palantir das Umsatzwachstum im Bereich von 90 Prozent oder mehr hält und die Pipeline im US-Commercial-Geschäft weiter zweistellig bis dreistellig prozentual expandiert, dürfte die bullische Lesart mit Kurszielen zwischen 195 und 250 Dollar tragfähig bleiben.

Kippt dagegen das Wachstumstempo spürbar ab, oder verschärft sich die Kluft zwischen operativem Fortschritt und Bewertungsmultiple weiter, rückt das Bear-Case-Szenario mit seiner unterstellten Überbewertung in den Vordergrund.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Entwicklung der für 2026 auf 8,15 bis 8,16 Milliarden Dollar angehobenen Umsatzprognose – ein Wert, an dem sich beim kommenden Quartalsbericht ablesen lässt, ob die aktuelle Bewertung gerechtfertigt bleibt oder nachjustiert werden muss.

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