PANDION-Aktie: Was der 1. September für Anleger entscheidet

Der Kölner Baukonzern Pandion AG meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an. Während ein Projekt fortgeführt wird, bleibt die Zukunft anderer Vorhaben ungewiss. Der Aktienkurs verzeichnet drastische Verluste.

Die Kernpunkte:
  • Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt
  • Löhne bis Oktober durch Insolvenzgeld gesichert
  • Münchner Projekt mit Siemens fortgeführt
  • Aktienkurs fällt um 88 Prozent in 30 Tagen

Ausgangslage: Insolvenz sichert Löhne, aber nicht die Zukunft

Der Kölner Baukonzern Pandion AG hat beim Amtsgericht Köln Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Auslöser waren fällige Zinsen in Höhe von 3,6 Millionen Euro auf eine Anleihe über 45 Millionen Euro, die das Unternehmen nicht mehr bedienen konnte.

Für die 190 Mitarbeiter sind die Löhne von August bis Oktober über Insolvenzgeld gesichert – eine kurzfristige Atempause, keine Lösung. Das Projekt „Officehome Beat“ in München, dessen Mieter Siemens ist, soll fortgeführt werden. Über das Schicksal anderer Projekte im Portfolio herrscht dagegen Unklarheit.

Am Markt ist die Reaktion bereits eingepreist: Der Kurs schloss am Freitag bei 5,00 Euro, ein Minus von 8,7 Prozent an einem einzigen Handelstag. Über sieben Tage summiert sich der Rückgang auf 77 Prozent, über 30 Tage auf 88 Prozent.

Ein RSI von 15 signalisiert eine extrem überverkaufte Lage, während die annualisierte Volatilität von 261 Prozent zeigt, wie nervös der Handel geworden ist. Warum zählt das jetzt? Weil die Insolvenz in Eigenverwaltung dem Management noch Handlungsspielraum lässt – aber nur, solange Gläubiger und Gericht diesen Weg mittragen.

Die entscheidende Frage: Trägt das Eigenverwaltungsverfahren bis zur Sanierung?

Für Anleger reduziert sich die Lage auf einen einzigen Punkt: Gelingt es Pandion, im Rahmen der Eigenverwaltung eine tragfähige Sanierungslösung mit den Anleihegläubigern zu verhandeln, bevor liquide Mittel und Vertrauen aufgebraucht sind?

Die Eigenverwaltung bedeutet, dass die bisherige Geschäftsführung unter gerichtlicher Aufsicht weiterarbeitet – ein Vertrauensvorschuss, der an Bedingungen geknüpft ist. Ob dieser Vorschuss trägt, hängt davon ab, wie viele der laufenden Projekte werthaltig bleiben und wie die Gläubiger der 45-Millionen-Anleihe sich positionieren.

Bullisches Szenario

Sollte es gelingen, für einen Großteil der Projekte tragfähige Fortführungslösungen zu finden – wie es beim Münchner Siemens-Projekt bereits angedeutet ist – könnte ein Insolvenzplan die Substanz des Unternehmens erhalten und Gläubigern sowie Aktionären zumindest eine Teilbefriedigung ermöglichen.

Eigenverwaltungsverfahren sind in der Baubranche keine Einbahnstraße in die Zerschlagung; gelingt eine geordnete Sanierung, könnte dies den extremen Abschlag, den der Markt aktuell einpreist, teilweise korrigieren. Der stark überverkaufte RSI-Wert deutet darauf hin, dass beim geringsten positiven Signal spekulatives Kapital kurzfristig zugreifen könnte.

Bärisches Szenario

Dagegen steht ein ernsthaftes Risiko: Insolvenzen in Eigenverwaltung scheitern häufig dann, wenn sich herausstellt, dass zu viele Projekte nicht mehr finanzierbar sind oder Käufer für Teilprojekte fehlen.

Für Pandion ist die Zukunft mehrerer Vorhaben laut den vorliegenden Angaben ausdrücklich unklar – nur das Münchner Objekt gilt als gesichert fortgeführt. Bleibt es bei dieser Unsicherheit oder verschärft sie sich, drohen Gläubiger auf eine Zerschlagung mit Verwertung der Vermögenswerte zu drängen.

In diesem Fall wären Anleiheinhaber im Rang deutlich vor den Aktionären zu bedienen, was für Aktionäre einen Totalverlust bedeuten könnte. Die extreme Volatilität von 261 Prozent zeigt, dass der Markt genau dieses binäre Ergebnis – Sanierung oder Zerschlagung – noch nicht eingepreist hat, sondern zwischen beiden Polen schwankt.

Ausblick: Der Webcast als nächster Prüfstein

Solange die Eigenverwaltung Bestand hat und zumindest ein werthaltiges Projekt wie „Officehome Beat“ fortgeführt wird, bleibt ein geordneter Sanierungspfad theoretisch möglich. Kippt jedoch die Unterstützung der Anleihegläubiger oder zeigt sich, dass weitere Projekte nicht zu retten sind, dürfte der Weg in Richtung Verwertung führen – mit entsprechend geringen Aussichten für Aktionäre.

Ein für den 1. September angekündigter Webcast zur Anleihe gilt als nächster konkreter Termin, an dem sich zeigen muss, wie belastbar die Position der Gläubiger gegenüber dem Sanierungskonzept ist.

Bis dahin dürfte die Aktie von der extremen Nervosität geprägt bleiben, die RSI und Volatilität aktuell anzeigen – ein Umfeld, in dem jede neue Information, ob positiv oder negativ, den Kurs kurzfristig deutlich bewegen kann.

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