Partners Group Aktie: 9,8 Prozent Rücknahmeanträge überlasten Fonds

Partners Group startet milliardenschweres Immobilienprogramm, während Shortseller-Klage und erhöhte Rücknahmeanträge den Aktienkurs belasten.

Die Kernpunkte:
  • Neues 1,5-Milliarden-Immobilienprogramm gestartet
  • Rücknahmeanträge überschreiten Obergrenze deutlich
  • Klage gegen Shortseller Grizzly Research eingereicht
  • Management kauft Aktien im Millionenwert

Partners Group steckt in einer ungewöhnlichen Zwickmühle. Das Unternehmen legt ein milliardenschweres neues Fonds-Programm auf — und kämpft gleichzeitig gegen Rücknahmedruck, einen Shortseller-Angriff und einen Kurseinbruch von fast 30 Prozent seit Jahresbeginn.

Neues Immobilien-Programm mit starkem Erstclosing

Der Schweizer Private-Markets-Spezialist hat sein fünftes globales Immobilien-Secondaries-Programm gestartet. Das Zielvolumen liegt bei 1,5 Milliarden US-Dollar. Beim ersten Closing kamen bereits über 650 Millionen US-Dollar zusammen.

Das Programm investiert in ertragsstarke Immobilien über GP- und LP-geführte Secondaries-Transaktionen. Den Startbestand bildet ein Portfolio aus drei globalen Immobilienfonds — mit Schwerpunkten in Wohnen, Industrie und Hospitality. Partners Group hat seit 2008 mehr als 6 Milliarden US-Dollar in über 120 solcher Transaktionen investiert. Das neue Programm ist damit kein Experiment, sondern ein etabliertes Format.

Der Markt spielt dem Unternehmen dabei in die Hände. Niedrigere Transaktionsvolumina und träge Fundraising-Zyklen zwingen Investoren und Manager, Liquidität über Sekundärmarkttransaktionen zu schaffen.

Rücknahmedruck und Shortseller-Klage belasten die Aktie

Das operative Signal kommt zur Unzeit. Im 8,6 Milliarden Dollar schweren Global Value SICAV stellten Investoren Rücknahmeanträge in Höhe von 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts. Die quartalsweise Obergrenze liegt bei 5 Prozent — das entspricht fast dem Doppelten. Bedient werden nur rund 62 Prozent der Anträge.

Ein zweites Vehikel steht unter ähnlichem Druck. Ein US-amerikanisches Evergreen-Vehikel mit Delaware-Domizil erhielt nach dem Mai-Rücknahmefenster Anträge in Höhe von rund 6 Prozent des NAV — knapp über der 5-Prozent-Schwelle.

Kein Alleinstellungsmerkmal: Apollo Global Management, KKR, BlackRock und Blue Owl haben bei ihren Evergreen-Vehikeln zuletzt ähnliche Obergrenzen eingeführt. Der Rücknahmedruck trifft die gesamte Branche.

Parallel dazu hat Partners Group den US-Shortseller Grizzly Research verklagt. Der Bericht hatte das Unternehmen mit Wirecard verglichen und die Bewertungspraxis angegriffen. Das Management bezeichnete die Vorwürfe als „leichtfertig, verleumderisch und höchst irreführend“.

Management kauft — Jahresziele halten vorerst

Das Führungsteam hat in den vergangenen Wochen eigene Aktien im Wert von über 20 Millionen Schweizer Franken erworben. Anfang Juni öffnete das Unternehmen ein spezielles Handelsfenster, damit Mitarbeiter ihre Bestände aufstocken konnten.

Den Kursrückgang aufhalten konnte das nicht. Die Aktie schloss am Freitag bei 767,00 Euro — ein Tagesplus von 1,43 Prozent, aber rund 30 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau. Der RSI liegt bei 28,7, ein deutlich überverkauftes Niveau.

Co-Gründer Fredy Gantner verweist auf ein Rekordjahr und eine Dividendenrendite von rund 7 Prozent. Rund 80 Prozent der 185 Milliarden US-Dollar an verwalteten Vermögen stammen von langfristigen institutionellen Investoren — kein Retail-Phänomen, so die Botschaft.

An der Brutto-Neugeldzufluss-Prognose von 26 bis 32 Milliarden US-Dollar für 2026 hält das Unternehmen fest. Allerdings drücken die Rücknahmen das Netto-AuM-Wachstum im zweiten Halbjahr voraussichtlich um ein bis zwei Prozentpunkte — mit möglichen Folgen auch 2027. Da die Managementgebühren direkt an die Vermögensbasis geknüpft sind, ist das kein Randeffekt.

Am 15. Juli veröffentlicht Partners Group sein reguläres AuM-Update per 30. Juni. Dann zeigt sich, ob institutionelle Zuflüsse die Abflüsse aus dem Retail-Segment kompensieren. Der vollständige Halbjahresbericht folgt am 1. September.

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