PayPal Aktie: 60,50 Dollar je Aktie
Stripe und Advent bieten 53 Milliarden Dollar für PayPal. Der Vorstand hält das Angebot für zu niedrig und berät über Gegenstrategien.

- Übernahmeofferte von 53 Milliarden Dollar
- Vorstand hält Gebot für unzureichend
- Strategische Neuausrichtung unter Enrique Lores
- Stripe strebt Integration von Stablecoins an
Der Zahlungsdienstleister Stripe hat gemeinsam mit dem Finanzinvestor Advent International ein Übernahmeangebot in Höhe von rund 53 Milliarden US-Dollar vorgelegt – 60,50 US-Dollar je Aktie, ein Aufschlag von etwa 28 Prozent auf den Kurs vor Bekanntwerden der Offerte. Laut Reuters bewertet der PayPal-Vorstand das Angebot bislang als unzureichend, verweist dabei auf regulatorische Hürden und offene Finanzierungsfragen. Eine formelle Antwort an Stripe und Advent hat das Unternehmen nach diesem Stand jedoch noch nicht übermittelt. Der Vorstand soll sich am heutigen 20. Juli treffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.
Das Angebot und seine Architektur
Die Offerte soll durch rund 50 Milliarden US-Dollar an Bankfinanzierung unterlegt sein, organisiert unter anderem über JPMorgan und Morgan Stanley. Hinzu kommt ein Eigenkapitalanteil von 17 Milliarden US-Dollar, an dem sich neben Stripe und Advent auch der Zahlungsanbieter Block von Jack Dorsey beteiligt. Ein erster Kontakt zwischen den Parteien soll bereits im April stattgefunden haben, das eigentliche Angebot wurde Anfang Juli übermittelt. Sollten sich die Unternehmen einigen, entstünde ein Zahlungsverbund mit einem gemeinsamen jährlichen Transaktionsvolumen von schätzungsweise 3,7 Billionen US-Dollar – Stripe verarbeitete zuletzt rund 1,9 Billionen US-Dollar (plus 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr), PayPal kam auf etwa 1,79 Billionen US-Dollar bei einem Plus von 7 Prozent.
Vorstand wägt ab, Analysten sehen Luft nach oben
Dass der Vorstand die Offerte vorerst als zu niedrig einstuft, bedeutet nicht das Ende der Verhandlungen. Vielmehr wird intern offenbar geprüft, ob die laufende Restrukturierung unter dem seit Anfang 2026 amtierenden neuen Firmenchef Enrique Lores den fairen Wert des Unternehmens eigenständig steigern könnte. Lores verfolgt einen Sparkurs mit einem Volumen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Für das Argument, PayPal sei mehr wert als die gebotenen 60,50 US-Dollar, sprechen die Bilanzkennzahlen: Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen freien Cashflow von 6,4 Milliarden US-Dollar und verfügt über eine Kassenposition von 13,5 Milliarden US-Dollar. Ein Analyst von William Blair hält laut einem Bericht von channelnews sogar ein deutlich höheres Gebot von bis zu 70 US-Dollar je Aktie für möglich. PayPal zählt nach eigenen Angaben mehr als 430 Millionen Kundenkonten, die Bezahl-App Venmo kommt auf 67 Millionen monatlich aktive Nutzer und steigerte ihren Umsatz zuletzt um 20 Prozent.
Stripes strategisches Kalkül: Stablecoins und Kryptoinfrastruktur
Hinter dem Angebot steckt für Stripe offenbar mehr als reine Marktkonsolidierung. Das Unternehmen baut seit einiger Zeit ein Ökosystem rund um Stablecoins auf – mit der Übernahme von Bridge für 1,1 Milliarden US-Dollar, der Beteiligung an Privy und der Entwicklung der Blockchain Tempo. Eine Fusion mit PayPal würde Stripe Zugang zu Venmo und zum PayPal-eigenen Stablecoin PYUSD verschaffen und könnte eine vertikale Integration ermöglichen, die etablierte Kartennetzwerke wie Visa und Mastercard teilweise umgeht. PayPal selbst zeigte sich zuletzt offen für digitale Zahlungswege und hatte PYUSD Anfang Juli auf der Blockchain Polygon integriert.
Kursreaktion: Deutliches Plus, aber weit vom Rekordhoch entfernt
Die Marktreaktion auf die Übernahmegespräche fiel deutlich aus. Der PayPal-Kurs stand zum Handelsschluss am Freitag bei 49,45 Euro und hat damit binnen sieben Handelstagen um 18,10 Prozent zugelegt – ein Spiegelbild der Spekulation um ein mögliches höheres Gebot. Vom 52-Wochen-Hoch bei 70,78 Euro, erreicht Ende Oktober 2025, bleibt die Aktie mit einem Abstand von 30,13 Prozent aber weiterhin deutlich entfernt. Zur Einordnung: Das Unternehmen war 2021 an der Börse mit rund 360 Milliarden US-Dollar bewertet, aktuellen Angaben zufolge sind davon nur noch etwa ein Achtel übrig. Wie es mit dem Übernahmepoker weitergeht, dürfte sich in den kommenden Tagen entscheiden – ein endgültiges Votum des Vorstands steht nach derzeitigem Stand noch aus.
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