PayPal Aktie: Honey verliert sieben Millionen Nutzer

PayPal profitiert von Stripe-Übernahmegerüchten, doch der Honey-Vertrauensverlust und kartellrechtliche Hürden trüben die Aussichten. Analysten bleiben skeptisch.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus durch Stripe-Übernahmegerüchte
  • Honey verliert Millionen Nutzer
  • Gemischte Signale institutioneller Anleger
  • Aktie technisch klar überkauft

Die Übernahmefantasie um Stripe und Advent International hat den Kurs von PayPal binnen 30 Tagen um 9,9% nach oben getrieben. Für mich ist genau das der Punkt, an dem Anleger nüchtern hinschauen sollten, statt sich von der Schlagzeile mitreißen zu lassen.

Denn während das Management offenbar über einen Verkaufspreis oberhalb der im Juli abgelehnten 60,50 Dollar verhandelt, brennt im operativen Geschäft ein Feuer, das kaum jemand thematisiert: die Honey-Browsererweiterung verliert massenhaft Nutzer und Händlerpartner.

Zwei Nachrichten, eine Aktie – aber nur eine zählt wirklich

Nach Medienberichten haben sich Stripe und Advent International wieder an den Verhandlungstisch gesetzt, diesmal mit Aussicht auf ein höheres Angebot als im Sommer.

Ein kombiniertes Unternehmen würde jährlich rund 3,7 Billionen Dollar an Zahlungsvolumen verarbeiten – eine Größenordnung, die die Anwaltskanzlei White & Case bereits als Kandidaten für eine intensive kartellrechtliche Prüfung einstuft, weil sich Kontrolle über Händlerinfrastruktur und Verbraucher-Wallets gleichzeitig bündeln würde.

Genau diese regulatorische Hürde halte ich für unterschätzt. Wer heute auf einen schnellen Abschluss „in den kommenden Wochen“ setzt, blendet aus, dass zwischen Verhandlungsdurchbruch und tatsächlichem Vollzug juristisch noch viel passieren kann.

Parallel dazu zeigt sich ein zweites Bild, das deutlich weniger Beachtung findet: Die Honey-Erweiterung hat Berichten zufolge über sieben Millionen Chrome-Nutzer und 7.000 Händlerpartner verloren, nachdem virale Vorwürfe zu sogenannter „Last-Click“-Praxis bei Affiliate-Provisionen die Runde machten – Content-Ersteller werfen PayPal vor, ihnen zustehende Provisionen abzugreifen.

Eine US-Bundesrichterin hat inzwischen einer zweiten geänderten Sammelklage stattgegeben, die genau diese Praxis zum Gegenstand hat. Für mich ist das ein handfestes Reputationsrisiko, das im Übernahme-Trubel unterzugehen droht.

Wer kauft, wer verkauft – und was das über die Stimmung sagt

Interessant finde ich, wie unterschiedlich institutionelle Anleger derzeit positioniert sind. Investor Michael Burry hat seine Position aufgestockt und die Attraktivität des Unternehmens für Private-Equity- und strategische Käufer beim aktuellen Bewertungsniveau explizit als Begründung genannt.

Auf der anderen Seite haben Handelsbanken Fonder AB ihren Bestand im zweiten Quartal um 12,2% reduziert, und Chicago Trust Co NA hat sogar drei Viertel seiner Position abgestoßen.

Auch ein Senior Vice President des Unternehmens, Chris Natali, verkaufte Ende Juli einen Teil seiner Direktbestände. Diese gegenläufigen Signale sprechen für mich dafür, dass die Übernahmespekulation längst nicht von allen Marktteilnehmern als sichere Sache eingepreist wird.

Am 3. August hatte Cantor Fitzgerald sein Kursziel von 54 auf 60 Dollar angehoben, allerdings bei einer neutralen Einstufung – ein Hinweis darauf, dass selbst optimistischere Stimmen die Aktie nicht vorbehaltlos zum Kauf empfehlen.

Charttechnisch überhitzt, fundamental zwiegespalten

Mit einem RSI von 74 und einem Abstand von 22% zum 50-Tage-Durchschnitt sowie 21% zum 200-Tage-Durchschnitt notiert die Aktie technisch klar überkauft. Die Volatilität von 54% auf Jahresbasis unterstreicht, wie nervös der Markt die Übernahmegeschichte derzeit handelt.

Zum 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober fehlen der Aktie trotz der jüngsten Rally noch 25%, was zeigt, dass ein Großteil des Vertrauensverlusts der vergangenen zwölf Monate noch nicht aufgeholt ist.

Unterm Strich sehe ich eine Aktie, die von einer einzigen Geschichte lebt: dem möglichen Verkauf an Stripe. Alles andere – der Honey-Skandal, die divergierenden institutionellen Positionierungen, die anstehenden Änderungen der Nutzervereinbarung zum 14. September – wirkt daneben fast nebensächlich. Genau das macht die Aktie für mich riskant.

Sollte die Übernahme an kartellrechtlichen Hürden oder einem erneut zu niedrigen Angebot scheitern, dürfte der Kurs die operativen Probleme plötzlich wieder in den Vordergrund rücken lassen. Die Chancen auf einen Deal überwiegen aus meiner Sicht die Zweifel daran nicht deutlich genug, um die aktuelle Bewertung ohne Vorbehalt zu rechtfertigen.

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