PayPal Aktie: Stripe bietet 60,50 Dollar
PayPal-CEO Lores signalisiert Gesprächsbereitschaft für Übernahmen trotz abgelehntem Stripe-Angebot. Starke Quartalszahlen und angehobene Prognose stützen die Eigenständigkeitsstrategie des Aufsichtsrats.

- CEO Lores hält Übernahmeoption offen
- Starke Quartalszahlen übertreffen Erwartungen
- Jahresprognose für Gewinn angehoben
- Aktie trotz Rücksetzer technisch überkauft
PayPal-Chef Enrique Lores hat eine Tür offen gelassen, die der Aufsichtsrat gerade erst zugeschlagen hatte. Trotz starker Quartalszahlen und einer angehobenen Jahresprognose signalisiert er Gesprächsbereitschaft für eine Übernahme. Die Aktie reagiert am Mittwoch mit einem Rücksetzer auf 50,65 Euro, ein Minus von 1,05 Prozent nach dem Dienstagsschluss bei 51,19 Euro.
Lores lässt Tür offen, nennt aber keinen Preis
Beim Earnings Call zum zweiten Quartal 2026 wich Lores der Übernahmefrage nicht komplett aus. Er sagte, PayPal würde jeden Weg prüfen, der „überlegenen Wert“ für die Aktionäre schafft. Das Statement kommt, nachdem der Aufsichtsrat ein Angebot von Stripe und dem Private-Equity-Haus Advent International bereits abgelehnt hatte.
Zum konkreten Gebot wollte sich Lores nicht äußern. PayPal kommentiere grundsätzlich keine möglichen Fusionen oder Marktspekulationen, so seine Begründung. Trotzdem räumte er ein, dass ein ernsthaftes Übernahmeangebot nicht automatisch vom Tisch sei: „Wenn wir Hebel oder einen Weg sehen, der mehr Wert schafft als unsere aktuelle Strategie, werden wir das sorgfältig prüfen.“
An anderer Stelle des Calls beschrieb er das Spannungsfeld zwischen eigenständigem Wachstum und externem Interesse noch direkter. Die Transformationsstrategie werde erheblichen Wert für die Aktionäre schaffen, so Lores. Gleichzeitig bleibe man offen und objektiv bei der Bewertung von Gelegenheiten.
Starke Zahlen stärken die Position des Boards
Die Aussagen wiegen schwerer, weil sie auf ein Quartal folgen, das die Erwartungen übertraf. PayPal meldete einen bereinigten Gewinn je Aktie von 1,38 Dollar, Analysten hatten mit 1,28 Dollar gerechnet. Der Umsatz kletterte um 5 Prozent auf 8,68 Milliarden Dollar, ebenfalls über der Konsensschätzung von 8,47 Milliarden Dollar.
Das Management hob zudem den Ausblick für das restliche Jahr an. Für den bereinigten Gewinn je Aktie erwartet PayPal nun 5,38 Dollar, nach 5,31 Dollar im Vorjahr. Bei der Transaktionsmarge — einer zentralen Profitabilitätskennzahl — rechnet der Konzern mit rund 15,6 Milliarden Dollar, ein Anstieg gegenüber 15,5 Milliarden Dollar im Vorjahr und eine Kehrtwende gegenüber der zuvor angekündigten leichten Rückgangsprognose.
Auch operativ lief es rund. Die monatlich aktiven Konten der Venmo-Debitkarte wuchsen um mehr als 50 Prozent im Jahresvergleich, das Transaktionsvolumen bei Braintree legte im mittleren zweistelligen Prozentbereich zu. Das gesamte Zahlungsvolumen stieg auf Berichtsbasis um 10 Prozent auf 486,4 Milliarden Dollar.
Nicht jede Kennzahl war eindeutig positiv. Die bereinigte operative Marge schrumpfte im Jahresvergleich um 248 Basispunkte auf 17,4 Prozent. Für das dritte Quartal stellte das Management einen leichten Rückgang des bereinigten Gewinns in Aussicht.
Bewertungslücke zum Stripe-Advent-Angebot bleibt bestehen
Die soliden Zahlen untermauern das Argument des Boards, das abgelehnte Angebot unterbewerte den Konzern. Das aktuelle Gebot von Stripe und Advent International liegt bei 60,50 Dollar je Aktie. Nach Einschätzung des Finanzdienstleisters Cantor ist PayPal eher rund 70 Dollar je Aktie wert — gerade nach den besser als erwarteten Gewinn- und Umsatzzahlen.
Das Bieterkonsortium hat sich in der Zusammensetzung verändert. Block war ursprünglich im April gemeinsam mit Stripe und Advent an PayPal herangetreten, stieg aber vor dem finalen Angebot von 60,50 Dollar je Aktie wieder aus. Damit bleiben Stripe und Advent als alleinige Bieter übrig. Öffentlich hat sich bislang keine der beiden Parteien zur Ablehnung durch den Aufsichtsrat geäußert.
Charttechnik zeigt überkauftes Bild nach Rally
Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen um 30,41 Prozent zugelegt, bleibt aber auf Jahressicht mit einem Plus von nur 0,02 Prozent nahezu unverändert. Der 14-Tage-RSI liegt bei 75,7 und signalisiert eine technisch überkaufte Lage nach dem schnellen Anstieg. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 54,90 Prozent zeigt, wie stark die Übernahme-Spekulation und die Zahlenüberraschung die Stimmung durcheinanderwirbeln.
Ob Lores‘ versöhnlicher Ton und die starken Quartalszahlen tatsächlich ein höheres Gebot von Stripe und Advent provozieren, ist offen. Genauso gut könnten die Zahlen einfach die Standalone-Strategie des Boards bestätigen. Für die kommenden Handelstage bleibt die Übernahme-Frage der bestimmende Faktor für die Aktie.
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