PayPal Aktie: Stripe und Advent verhandeln weiter
PayPal-Aufsichtsrat weist 60,50-Dollar-Angebot von Stripe und Advent zurück. Verhandlungen über höheren Kaufpreis laufen weiter.

- Board lehnt 60,50 Dollar pro Aktie ab
- Michael Burry hält Gebot für zu niedrig
- PYUSD-Stablecoin als strategischer Trumpf
- Quartalszahlen könnten Verhandlungen beeinflussen
PayPal will mehr Geld. Das Board des Zahlungsdienstleisters hat das gemeinsame Übernahmeangebot von Stripe und der Private-Equity-Firma Advent International offiziell abgelehnt. Bei 60,50 Dollar je Aktie war den Aufsichtsräten Schluss – ein klarer Bruch sieht allerdings anders aus.
Die Entscheidung fiel bei einer eigens einberufenen Sitzung am 20. Juli 2026. Das Board signalisiert damit keine grundsätzliche Absage, sondern den Wunsch nach einem höheren Preis. Die Verhandlungen dürften also weitergehen.
Warum 60,50 Dollar zu wenig sind
Das Angebot war komplett in bar strukturiert, abgesichert durch eine Bankenfinanzierung von rund 50 Milliarden Dollar unter Führung von JPMorgan und Morgan Stanley. Es hätte PayPal mit mehr als 53 Milliarden Dollar bewertet. Dem Board reicht das nicht.
Die Aufsichtsräte argumentieren, das Angebot unterschätze sowohl den langfristigen Wert des Unternehmens als auch die regulatorische und finanzielle Komplexität einer solchen Transaktion. Diese Einschätzung teilte Reuters bereits am 17. Juli unter Berufung auf Personen mit Einblick in die Gespräche.
Prominenten Rückhalt bekommt diese Position von Investor Michael Burry, der PayPal-Aktien hält. In einem Beitrag auf seinem Substack-Kanal Cassandra Unchained schrieb Burry, das Gebot liege beim 1,21-fachen seines IV15-Werts – „schlicht zu niedrig“. Sein eigener Fair-Value-Bereich liegt nach eigener Methodik zwischen 75 und 115 Dollar je Aktie. Mit einer Kontrollprämie am unteren Ende dieser Spanne kommt Burry auf ein realistisches Gebot von rund 100 Dollar je Aktie – deutlich über dem, was aktuell auf dem Tisch liegt.
Die Stablecoin-Karte
Ein Faktor macht die Bewertungsdebatte besonders kompliziert: PayPals Stablecoin-Geschäft. PYUSD, der von Paxos Trust Company ausgegebene, dollar-gebundene Stablecoin, ist seit August 2023 am Markt und mittlerweile in etwa 70 Märkten über PayPal und Venmo verfügbar. On-Chain-Aggregatoren beziffern die Marktkapitalisierung von PYUSD Mitte Juli 2026 auf rund 2,85 Milliarden Dollar.
Analysten sehen darin einen strategischen Trumpf für jeden möglichen Käufer. Sanjay Sakhrani von Keefe Bruyette & Woods schrieb am 15. Juli, PayPals Konsumentendaten seien im Zeitalter des „agentic commerce“ ein klarer Wettbewerbsvorteil.
Der Hintergrund: Stripe hat über seine Bridge-Tochter bereits eine föderal lizenzierte Infrastruktur für Ausgabe und Abwicklung von Stablecoins aufgebaut. Zusätzlich hat Stripe das x402-Protokoll auf Base integriert, das KI-Agenten autonome Stablecoin-Zahlungen ermöglicht. Käme PYUSD mit seinem Vertriebsnetz in 70 Märkten hinzu, entstünde ein programmierbares Zahlungsnetzwerk ohne echtes Vorbild im Privatsektor.
Der Kurs als Stimmungsbarometer
Die Aktie hat die Übernahmespekulation längst eingepreist. Über die vergangenen 30 Tage legte das Papier um 34,33 Prozent zu, allein in der vergangenen Woche um 20,02 Prozent. Trotz dieser Rally notiert die Aktie noch 29,66 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 70,78 Euro, erreicht im Oktober 2025.
Der 14-Tage-RSI steht bei 81,6 – ein Wert, der auf eine deutlich überkaufte Situation hindeutet und die Schärfe der jüngsten Kursbewegung unterstreicht. Der Markt geht offenbar von einer realistischen Chance auf einen Deal aus, rechnet aber mit weiterem Feilschen um den Preis.
Der Quartalsbericht als Verhandlungshebel
Stripe und Advent drängen darauf, noch vor Ende Juli eine Einigung zu erzielen. Bevor es soweit kommt, dürfte allerdings PayPals nächster Quartalsbericht die Verhandlungen beeinflussen.
Das Unternehmen hatte für das zweite Quartal 2026 ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Bereich in Aussicht gestellt, dazu einen leichten Rückgang der Transaktionsmarge sowie einen Rückgang des bereinigten Gewinns je Aktie um etwa 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Analysten rechnen konkret mit einem Gewinn von rund 1,28 Dollar je Aktie – ein Minus von 8,57 Prozent im Jahresvergleich – bei einem Umsatz von etwa 8,52 Milliarden Dollar, was einem Plus von 2,75 Prozent entspräche.
Übertrifft PayPal diese ohnehin niedrig angesetzte Messlatte, gewinnt das Board Argumente dafür, dass 60,50 Dollar den Wert des Unternehmens im Alleingang unterschätzen. Bestätigen sich die Zahlen dagegen nur oder fallen sie schlechter aus, wird es schwerer, ein Prämienangebot auszuschlagen und auf eine bessere Zukunft zu wetten. Ob Stripe und Advent nachlegen, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen – die selbst gesetzte Frist bis Ende Juli rückt näher.
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