PayPal Aktie: Übernahmepoker eskaliert

Stripe und Advent bieten 55,45 Euro je PayPal-Aktie. Der Vorstand lehnt ab und fordert eine Erhöhung um 15 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Übernahmeangebot von 60,50 Dollar je Aktie
  • PayPal-Vorstand fordert 15 Prozent Aufschlag
  • Kurs legte in sieben Tagen um 22 Prozent zu
  • Entscheidung bis Ende Juli erwartet

Ein Angebot über umgerechnet 55,45 Euro je Aktie liegt auf dem Tisch. PayPals Vorstand hält es trotzdem für zu niedrig. Genau dieser Streit treibt den Kurs gerade durch die Decke.

Stripe hat sich mit dem Finanzinvestor Advent International zusammengetan und bietet rund 53 Milliarden Dollar für den Zahlungsdienstleister. Konkret stehen 60,50 Dollar je Aktie im Raum, umgerechnet etwa 55,45 Euro. Medienberichten zufolge könnte eine Erhöhung um 15 Prozent nötig sein, damit der PayPal-Vorstand zustimmt. Beide Seiten wollen offenbar noch im Juli eine Einigung erzielen.

Die Börsen bleiben an diesem Sonntag geschlossen. Am Freitag schloss die Aktie bei 49,45 Euro, minimal leichter als am Vortag. Der Kurs hat allein in den vergangenen sieben Handelstagen um 21,87 Prozent zugelegt, auf Monatssicht sogar um 35,07 Prozent.

Die entscheidende Frage

Erhöhen Stripe und Advent ihr Angebot auf ein Niveau, das der Vorstand akzeptiert? Oder bremsen regulatorische Bedenken und PayPals eigene Gewinnwarnung die größte Fintech-Fusion der Geschichte aus? Von der Antwort hängt ab, ob der aktuelle Kursaufschwung Bestand hat oder in sich zusammenfällt.

Bull-Szenario: Ein Netzwerk mit 3,7 Billionen Dollar Volumen

Die Größenordnung einer möglichen Fusion ist gewaltig. Zusammen würden Stripe und PayPal jährlich mehr als 3,7 Billionen Dollar an Zahlungsvolumen abwickeln. Stripe kam 2025 auf 1,9 Billionen Dollar, PayPal auf 1,79 Billionen Dollar.

Für Optimisten zählt vor allem die Reichweite: PayPal bringt 439 Millionen aktive Kundenkonten mit. Stripe will genau diese Basis nutzen, um das gesamte Transaktions-Ökosystem zu kontrollieren. Der Markt hat die Übernahmefantasie bereits eingepreist – die Aktie notiert derzeit 52,54 Prozent über ihrem Jahrestief von 32,42 Euro aus dem Februar.

Setzt sich der Vorstand durch und drückt eine Erhöhung um 15 Prozent auf das Ausgangsangebot durch, sehen Befürworter noch Luft nach oben. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 70,78 Euro läge dann bei deutlich weniger als den aktuellen 30,13 Prozent.

Bear-Szenario: Überhitzte Technik, schwache Fundamentaldaten

Die Gegenposition stützt sich auf eine simple Beobachtung: Die Übernahme-Euphorie und PayPals operative Realität laufen auseinander. Das Unternehmen warnte für das erste Quartal 2026 vor einem Gewinnrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich. Die GAAP-Marge schrumpfte zuletzt um 182 Basispunkte auf 17,8 Prozent.

Technisch sendet die Aktie ein Warnsignal. Der 14-Tage-RSI steht bei 81,2 Punkten – tief im überkauften Bereich. Das deutet darauf hin, dass ein Großteil der Übernahmeprämie bereits im Kurs steckt. Bricht die Verhandlung ab, bleibt wenig Puffer nach unten.

Der Analystenkonsens für das Kursziel liegt bei 44,91 Euro und damit 9,2 Prozent unter dem Freitagsschluss. Scheitert eine Einigung bis Ende Juli, wäre ein Rückfall in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts von 44,77 Euro ein realistisches Szenario. Im ungünstigeren Fall droht sogar ein Test des 50-Tage-Durchschnitts bei 38,69 Euro.

Ausblick: Eine Woche mit hohem Einsatz

Zum Start der neuen Handelswoche richtet sich der Blick auf offizielle Signale – entweder vom PayPal-Vorstand oder vom Stripe-Advent-Konsortium. Solange die Übernahmestory lebt und ein höheres Gebot wahrscheinlich erscheint, dürfte sich der Kurs oberhalb der 49-Euro-Marke halten.

Anders sieht es aus, wenn die Monatsfrist ohne konkrete Einigung verstreicht oder regulatorische Bedenken zum kombinierten Volumen von 3,7 Billionen Dollar an Gewicht gewinnen. Die annualisierte Volatilität von 54,82 Prozent zeigt bereits jetzt, wie nervös der Markt reagiert – ein Umschwung könnte entsprechend schnell kommen.

Als kritische Unterstützung gilt die Marke von 44,91 Euro, der aktuelle Analystenkonsens. Fällt der Kurs darunter, wäre das ein Zeichen schwindenden Vertrauens in die Fusion. Der nächste große Termin: eine grundsätzliche Einigung oder ein formelles Scheitern der Gespräche, erwartet bis Ende Juli 2026. Bis dahin dürfte die Aktie vor allem auf M&A-Schlagzeilen reagieren – weniger auf harte Unternehmenszahlen.

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