Peking zieht einen Boden ein, aber nicht unter die Chipwerte

Pekings Maßnahmen begünstigen Banken und Staatskonzerne; zugleich belasten Speicherpreise Apples Marge und die Zinsdebatte Gold.

Die Kernpunkte:
  • Kredite für Aktienrückkäufe werden günstiger
  • STAR 50 verliert fast vier Prozent
  • Marvell übernimmt Lumentum per Aktientausch
  • Apple erwartet niedrigere Bruttomarge im Weihnachtsquartal

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die chinesische Regierung stützt ihre Börse ab sofort dauerhaft und nicht mehr nur im Notfall. Den Anlass liefert der schlechteste Monat des Leitindex CSI 300 seit mehr als zehn Jahren. Meine Lesart ist klar: Peking rettet die Banken, nicht die Chips.

Bei den Chips sortiert sich auch an der Wall Street einiges neu. Marvell kauft Lumentum, und Apple bezahlt die Preismacht der Speicherhersteller mit der eigenen Marge. Dazu kommen Edelmetalle auf Jahrestiefs und ein US-Wahlabend, der die Zinsfrage neu stellt.

Chinas Netz hat Löcher

Volksbank, Börsenaufsicht CSRC und Finanzaufsicht NFRA haben das Paket am Montag beschlossen, heute wurde es wirksam. Der wichtigste Hebel ist unscheinbar: Unternehmen können Aktienrückkäufe künftig billiger auf Kredit finanzieren. Der Zins dafür sinkt von 1,25 auf 1 Prozent, und das Programm wird zur Dauereinrichtung. Zudem setzt die CSRC laut Financial Times Börsengänge und Großverkäufe von Altaktionären vorerst aus.

Hat das gewirkt? Der Markt antwortete gespalten. Der CSI 300 verlor nach dem Oktober-Absturz nur noch leicht, der Technologie-Index STAR 50 fiel dagegen um fast 4 Prozent. Das Staatsportfolio steckt zu über 90 Prozent in Banken, Versicherern und Staatskonzernen. Die KI-Chipwerte, die den Oktober-Absturz verursacht haben, bekommen dieses Netz nicht.

Wer China-ADRs hält, also in den USA gehandelte Zertifikate auf chinesische Aktien, sollte auf Alibaba schauen. Alibaba liegt seit Jahresbeginn 29 Prozent im Minus. Dabei stiegen die Verkäufe von KI-Token-Paketen vom 1. bis 20. Oktober um 450 Prozent gegenüber dem Vormonat. Alibaba ist damit beides: Rückkaufkandidat zu Staatskonditionen und KI-Anbieter mit messbarem Umsatz bei Verbrauchern.

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Wenn ein Konzern wie Alibaba mit KI-Paketen messbar Umsatz erzielt, lohnt der Blick auf die Unternehmen, die dahinter die Dateninfrastruktur liefern. Ein kostenloser Report stellt die Top 10 der Big-Data-Aktien vor und zeigt, wie sich gezielt in Künstliche Intelligenz investieren lässt: Big-Data-Favoriten kennenlernen

Marvell kauft groß, der Markt winkt ab

Marvell übernimmt Lumentum für 115 Milliarden Dollar, komplett in Aktien. Der Deal zeigt, wohin das Geld der KI-Lieferkette als Nächstes fließt: in die optische Verbindungstechnik zwischen den Chips. Der Markt verkaufte trotzdem beide Seiten. Marvell schloss gestern deutlich tiefer, Lumentum verlor noch mehr.

Warum diese Skepsis? Bank of America stuft Marvell von Kaufen auf Neutral ab und senkt das Kursziel auf 225 Dollar. Die Begründung: Die Aktienzahl verwässert um rund 50 Prozent. Der Gewinn verteilt sich also auf deutlich mehr Anteile, dem stehen laut Bank of America nur geringe Kosteneinsparungen gegenüber.

Morgan Stanley hält den Ausverkauf dagegen für übertrieben, UBS bleibt bei Kaufen. Profiteur ist Nvidia: Konzernchef Jensen Huang hat die Fusion vorab befürwortet, Nvidia ist an beiden Firmen beteiligt. Merken sollten Sie sich ein Muster. Der Markt bestraft Fusionen per Aktientausch, wenn der Käufer selbst 45 Prozent unter seinem Juni-Hoch steht.

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Wie Anleger erkennen, ob der Markt Auftragsbestände systematisch unterbewertet, zeigt das Live-Webinar „Rüstungs-Double-Header“ morgen, Mittwoch, um 18:00 Uhr. Ähnlich wie bei Marvell und Lumentum klafft auch bei zwei Rüstungswerten eine Lücke zwischen Auftragslage und Börsenwert: Ein Unternehmen verbucht über 80 Milliarden Euro Aufträge bei einer Marge von 17,1 Prozent, ein zweites hat 7,4 Milliarden Euro Auftragsbestand bei halbiertem Kurs. Carsten Müller ordnet beide Fälle ein und erläutert, was die Zahlen für die Bewertung bedeuten. Jetzt zum Webinar „Rüstungs-Double-Header“ anmelden

Apple zahlt die Speicherrechnung

Apple hat unter dem neuen Konzernchef John Ternus erstmals berichtet, und das Wachstum stimmt. Der Umsatz stieg im September-Quartal um 12 Prozent, beim iPhone sogar um 17 Prozent. Das Problem sind die Speicherpreise, die Apple selbst „beispiellos“ nennt.

Was heißt das für die Marge? Für das Weihnachtsquartal stellt Apple bei der Bruttomarge nur noch 45 bis 46 Prozent in Aussicht. Gemeint ist der Anteil, der vom Umsatz nach Abzug der Herstellkosten bleibt. Analysten hatten im Schnitt mehr erwartet, und bei Mac und iPad drohen Engpässe.

Die Preismacht liegt bei den Speicherherstellern. Das Marktforschungshaus TrendForce erwartet für das vierte Quartal bei DRAM-Speicher Vertragspreisanstiege von 10 bis 15 Prozent. Samsung und SK Hynix fielen in Seoul heute trotzdem deutlich, weil der Abverkauf in Asien die Chipwerte als Ganzes erfasste. Wer Speicherknappheit handeln will, kauft nicht den Abnehmer Apple, sondern die Hersteller und bekommt sie jetzt billiger als vor einer Woche.

Gold verliert, Kupfer wartet

Edelmetalle verlieren den Rückenwind der Zinssenkungsfantasie. Gold notiert nahe 3.900 Dollar und damit nur knapp über dem Jahrestief vom 30. Oktober. Woran liegt das? Die Märkte rechnen Zinserhöhungen von Fed und EZB bereits für Dezember in die Kurse ein.

Kupfer bleibt trotzdem die strukturell interessantere Seite. JPMorgan legt heute eine Studie vor, nach der sich die US-Minenproduktion über Jahrzehnte auf rund 1 Million Tonnen halbiert hat. Neue Kapazitäten kommen kaum vor 2030 ans Netz. JPMorgan empfiehlt unter anderem Freeport-McMoRan und Glencore zum Übergewichten.

Kurzfristig warnt die Bank vor US-Zöllen. Heute gab Kupfer an der Terminbörse nach. Das Angebot ist knapp, der Preis hängt aber an der Zinsfrage. Mein Urteil: Kupferminen sind derzeit der geduldigere Kauf als Gold.

Der globale Kompass

Drei Linien ziehen sich durch diesen Tag. Peking stützt Banken und Staatskonzerne, nicht die Chipwerte. Die Rechnung für knappen Speicher zahlt Apple, die Preismacht haben die Hersteller. Und Gold leidet unter der Zinsfrage, während Kupfer auf seine Knappheit setzen kann.

Heute wählen die USA ihren Kongress, Prognosemärkte sehen die Demokraten im Repräsentantenhaus klar vorn. Morgan Stanley erinnert daran, dass US-Standardwerte in den sechs Monaten nach Zwischenwahlen im Schnitt 15 bis 16 Prozent zulegten. Am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht, der über die Dezember-Zinsfrage mitentscheidet. Bitcoin hält sich über seinem Freitagstief, obwohl Geld aus den börsengehandelten US-Bitcoin-Fonds abfließt.

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