PepsiCo, Fielmann und die Insolvenzwelle: Der Konsument macht nicht mehr mit

PepsiCo und Fielmann zeigen: Internationale Geschäfte wachsen, während Nordamerika und Deutschland unter schwachem Konsum leiden.

Die Kernpunkte:
  • PepsiCo-Getränkevolumen in Nordamerika bricht ein
  • Fielmann-Wachstum nur durch Auslandsgeschäft
  • Deutsche Firmenpleiten auf 21-Jahres-Hoch
  • Chinas schwache Nachfrage drückt Importpreise

Liebe Leserinnen und Leser,

vier Prozent. So stark brach das Getränkevolumen von PepsiCo in Nordamerika im zweiten Quartal ein — während der Konzern weltweit Umsatz und Gewinn deutlich steigerte. Das ist die eigentliche Geschichte dieses Donnerstags, nicht der wieder aufgeflammte Iran-Konflikt, den die Börsen mit erstaunlicher Gelassenheit wegstecken. Der westliche Verbraucher spart, der Rest der Welt kauft weiter. Dieses Muster zieht sich heute durch gleich drei Kontinente — von Pepsis Bilanz über Fielmanns Hamburger Zentrale bis zu Pekings Preisstatistik.

PepsiCo: Amerika bremst, die Welt trägt

Die Zahlen zum Quartal, das am 13. Juni endete, sind ein Lehrstück in Divergenz. Der Konzernumsatz kletterte um 6,4 Prozent auf 24,18 Milliarden Dollar und übertraf die erwarteten 23,95 Milliarden deutlich, das Nettoergebnis verdoppelte sich fast auf 2,98 Milliarden Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie verfehlte Pepsi mit 2,20 Dollar die Schätzung von 2,21 Dollar nur hauchdünn — Anlegern dürfte das kaum aufgefallen sein.

Der eigentliche Bruch verläuft geografisch. International legte der organische Umsatz um 7 Prozent zu, mit Asien-Pazifik bei plus 12 Prozent und Lateinamerika bei plus 15 Prozent — das 21. Quartal in Folge mit solidem Wachstum außerhalb der Heimat. In Nordamerika dagegen sank der Umsatz um 0,5 Prozent, das Getränkevolumen brach um 4 Prozent ein. CEO Ramon Laguarta wurde ungewöhnlich deutlich: Das Konsumentenverhalten sei „schlechter als erwartet“ — getrieben von Benzinpreisen, die Ende Mai bei 4,56 Dollar pro Gallone lagen, und von Haushaltsbudgets, die keinen Spielraum mehr lassen. Noch vor dem Super Bowl hatte Pepsi die Preise für Lay’s, Doritos und Cheetos um bis zu 15 Prozent gesenkt, um Kunden zurückzuholen. Dann kam der Iran-Krieg dazwischen und hat diese Rechnung zusätzlich erschwert.

Für Anleger zählt vor allem der Ausblick: Pepsi bestätigt die Jahresprognose — organischer Umsatz plus 2 bis 4 Prozent, Kern-EPS plus 4 bis 6 Prozent —, rechnet aber mit dem unteren Ende der Spanne und für das zweite Halbjahr mit steigenden Inputkosten. Die geplante Aktionärsrendite von 8,9 Milliarden Dollar, davon 7,9 Milliarden Dividenden, bleibt der Stabilitätsanker. Die Kursreaktion war entsprechend zerrissen: vorbörslich bis zu 4 Prozent im Minus, im regulären US-Handel laut ARIVA dann 4,1 Prozent im Plus. Die Botschaft bleibt trotzdem eindeutig: Wer auf US-Konsumtitel setzt, kauft im Kern ein internationales Geschäft — Amerika trägt gerade nicht mehr.

Fielmann: Das gleiche Muster, nur mit deutschem Absender

Dass die Konsumschwäche kein US-Phänomen ist, zeigt Fielmann. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz zwar um 2 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro — getragen jedoch ausschließlich vom internationalen Geschäft, das im zweiten Quartal um 6 Prozent zulegte. Das bereinigte EBITDA bewegte sich mit einem Plus von 4 Millionen Euro auf 296 Millionen Euro praktisch auf der Stelle.

Der Konzern hält an seiner Jahresprognose fest — Umsatz von 2,55 bis 2,6 Milliarden Euro, bereinigtes EBITDA von 590 bis 610 Millionen Euro —, rechnet wegen der verhaltenen Konsumstimmung aber mit dem unteren Ende beider Spannen. Die Baader Bank bestätigte ihr „Add“-Rating mit Kursziel 50 Euro, die Aktie gab am Nachmittag knapp 1 Prozent nach auf rund 42,60 Euro. Endgültige Zahlen folgen am 27. August.

Das ist exakt das Pepsi-Muster: Ausland trägt, Heimatmarkt schwächelt. Die dramatischere Zahl kam an diesem Donnerstag allerdings nicht von Fielmann, sondern vom IWH: Die Firmenpleiten in Deutschland erreichten im zweiten Quartal mit 4.996 Insolvenzen den höchsten Stand seit 21 Jahren. Creditreform zählt für das erste Halbjahr 12.900 Unternehmensinsolvenzen — Höchststand seit 2013. Wer deutsche Konsum- und Binnenwerte im Depot hält, sollte diese Fundamentaldaten ernster nehmen als jede DAX-Rekordmeldung.

Chinas Preis-Split trifft westliche Margen doppelt

Aus China kommt ein Signal, das genau in dieses Bild passt — nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Die Verbraucherpreise stiegen im Juni nur um 1,0 Prozent, nach 1,2 Prozent im Mai und unter den Erwartungen. Die Kerninflation verlangsamte sich ebenfalls auf 1,0 Prozent, das schwächste Tempo seit Januar. Nahrungsmittelpreise fielen um 1,6 Prozent, der Autoabsatz sank den neunten Monat in Folge. Chinas Binnennachfrage bleibt schwach.

Gleichzeitig sprang der Erzeugerpreisindex mit plus 4,1 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch, angetrieben von einem Bergbau-Plus von 16,5 Prozent und dem Rohstoffhunger der KI-Industrie. Der IWF hob seine Wachstumsprognose für China 2026 auf 4,6 Prozent an, senkte aber die globale Prognose auf 3,0 Prozent und die für die Eurozone auf magere 0,9 Prozent.

Für westliche Konsumgüterhersteller ist das eine Zange, kein Zufall: Schwache chinesische Verbraucherpreise drücken über billige Importe die Endpreise im Westen nach unten — während dieselben Hersteller, siehe Pepsis Warnung für das zweite Halbjahr, gleichzeitig über steigende Rohstoffkosten klagen. Wer margenschwache Konsumtitel hält, bekommt diesen Druck von beiden Seiten zu spüren.

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Iran-Konflikt: Börsen gelassen, Ölmarkt wacher als es scheint

Der Waffenstillstand ist Geschichte. Nach iranischen Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus erklärte Trump ihn für „beendet“. Das US-Militär traf rund 90 Ziele im Iran, mit 14 Toten und 78 Verletzten, Iran griff im Gegenzug US-Stützpunkte in Kuwait, Katar und Bahrain an. Bemerkenswert ist, wie ruhig die Börsen darauf reagierten: Der EuroStoxx 50 legte über 1 Prozent zu, der DAX hielt sich stabil über der 25.000-Punkte-Marke, die Wall Street drehte ins Plus.

Der Ölpreis selbst zeigte sich verhaltener als der Konflikt vermuten lässt: Brent fiel am Donnerstag leicht auf rund 77 Dollar, nach einem kurzen Ausflug über 80 Dollar am Mittwoch — spürbar über dem Vorkriegsniveau von 72 Dollar, aber ohne Panik. Aussagekräftiger für risikoscheue Anleger sind zwei andere Preise: Gold stieg um 1,3 Prozent auf über 4.130 Dollar, Silber sprang um fast 4 Prozent auf über 60 Dollar. Parallel zogen die US-Anleiherenditen an, die zehnjährige auf 4,58 Prozent, weil Händler eine höhere Inflation durch mögliche Versorgungsstörungen einpreisen.

Der Markt wettet offenbar darauf, dass Hormus trotz allem offen bleibt — dabei ist der kommerzielle Schiffsverkehr dort laut Bloomberg bereits fast zum Stillstand gekommen. Das Risiko ist damit keineswegs gebannt, nur eingepreist. Gold und Silber sind die eindeutigen Profiteure dieser Unsicherheit. Und der wieder anziehende Ölpreis hält auch die Falken in der EZB wach: Für die Sitzung am 23. Juli erwartet niemand eine Bewegung, doch die Märkte preisen für den 10. September eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte mit 80 Prozent Wahrscheinlichkeit ein.

Was bleibt

Die eigentliche Nachricht dieses Donnerstags ist nicht die Geopolitik, sondern der müde Verbraucher — in Nordamerika wie in Deutschland. Pepsi und Fielmann liefern dieselbe Diagnose aus zwei verschiedenen Branchen und zwei verschiedenen Kontinenten: Wer heute noch wächst, wächst im Ausland. Der nächste echte Prüfstein sind die US-Verbraucherpreise am 14. Juli — sie zeigen, ob der Ölpreis-Schock die Inflation zurück in die Schlagzeilen bringt. Bis dahin bleibt die Lehre simpel: Konsumtitel mit reiner Heimatmarkt-Exponierung sind derzeit die Schwachstelle in vielen Depots, egal auf welcher Seite des Atlantiks sie notieren.

Herzlichst, Ihr

Felix Baarz

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