Petrobras Aktie: Gewinnplus von 96,8 Prozent
Petrobras meldet für Q2 2026 einen Rekordgewinn von 52,4 Mrd. Real dank Höchstproduktion. Ordentliche Dividende bestätigt, Sonderausschüttung aber ausgeschlossen.

- Gewinnsprung auf 52,4 Mrd. Real
- Rekordproduktion von 3,34 Mio. Barrel täglich
- Dividende von 1,35 Real je Aktie
- Keine Sonderausschüttung geplant
Petrobras hat für das zweite Quartal 2026 den höchsten Gewinn seit Jahren vorgelegt. Am Donnerstag veröffentlichte der brasilianische Ölkonzern einen Nettogewinn von 52,4 Milliarden Real, ein Plus von 96,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz kletterte auf 169,5 Milliarden Real, das bereinigte Ebitda stieg auf 93,8 Milliarden Real. Am Freitag folgte die Telefonkonferenz zu den Zahlen, bei der Vorstandschefin Magda Chambriard und Finanzchef Fernando Melgarejo Details erläuterten.
Treiber der Entwicklung war eine Rekordproduktion von 3,34 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag. Die Eigenproduktion in Brasilien erreichte 2,7 Millionen Barrel täglich, ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr und rund 200.000 Barrel über der eigenen Zielvorgabe. Die Raffinerien liefen mit einer Auslastung von 101 Prozent über ihrer Nominalkapazität. Chambriard bezeichnete den in Dollar gerechneten wiederkehrenden Gewinn als den höchsten in der Unternehmensgeschichte, den Nettogewinn insgesamt als den dritthöchsten überhaupt.
Dividende kommt, Sonderausschüttung nicht
Der Vorstand billigte eine Ausschüttung von 17,4 Milliarden Real, umgerechnet 1,34814262 Real pro Aktie. Die Zahlung erfolgt in zwei Tranchen im November und Dezember, der Stichtag an der brasilianischen Börse B3 liegt am 21. August, der Ex-Tag am 24. August. Der brasilianische Staat als Großaktionär mit einem Anteil von 29,02 Prozent erhält daraus rund 5 Milliarden Real.
Eine zusätzliche Sonderdividende schloss Finanzchef Melgarejo hingegen aus. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei „sehr gering“, sagte er auf der Konferenz am Freitag. Petrobras verfolgt aktuell eine Ausschüttungspolitik von 45 Prozent des freien Cashflows als ordentliche Dividende. Priorität habe stattdessen der beschleunigte Schuldenabbau in Richtung des selbst gesetzten Ziels von 65 Milliarden Dollar bis 2030 – die Bruttoverschuldung lag zum Quartalsende bei 70,8 Milliarden Dollar und damit unterhalb der internen Obergrenze von 75 Milliarden Dollar. Melgarejo begründete die Zurückhaltung auch mit der Erwartung, dass der Brent-Preis vom aktuellen Niveau aus wieder nachgeben werde.
Analysten loben Zahlen, mahnen bei der Kapitalallokation
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen überwiegend positiv aus. Itaú BBA hob hervor, dass das Ebitda die eigene Prognose um 3 Prozent übertroffen habe, und bestätigte ein Kursziel von 64 Real, was einem Aufwärtspotenzial von 30,4 Prozent entspräche. BTG Pactual stufte die in New York gehandelten ADRs auf Kaufen mit einem Kursziel von 22 Dollar ein, ein Potenzial von 18,8 Prozent. Weitere Häuser bewegen sich in einer breiteren Spanne: Genial sieht ein Kursziel von 50 Real, Santander stuft mit Outperform und Kursziel 60 Real ein, Safra empfiehlt Kaufen mit Ziel 57 Real, während Bradesco BBI mit Neutral und einem Kursziel von 53 Real vorsichtiger bleibt. Trotz der insgesamt freundlichen Aufnahme mahnten mehrere Analysten zur Qualität der Kapitalallokation des Konzerns an.
Kursreaktion bleibt hinter den Erwartungen zurück
An der Frankfurter Börse schloss die Petrobras-Vorzugsaktie am Freitag bei 7,20 Euro und verlor damit 2,77 Prozent – ein Rückgang, der trotz der starken operativen Zahlen kam und wohl auch die zurückhaltenden Aussagen zur Brent-Erwartung des Finanzchefs widerspiegelt. Auf Jahressicht steht das Papier mit einem Plus von 46,84 Prozent aber weiterhin deutlich im Plus, was die grundsätzlich positive Bewertung der operativen Entwicklung durch den Markt unterstreicht.
Investitionsseitig meldete Petrobras für das zweite Quartal Ausgaben von 5,3 Milliarden Dollar, für das erste Halbjahr summierten sich die Investitionen auf 10,4 Milliarden Dollar, davon 82 Prozent in Exploration und Produktion. Die Inbetriebnahme der Förderplattform P80 wurde auf das erste Quartal 2027 vorgezogen. Parallel dazu sorgt ein juristisches Restrukturierungsrisiko beim Petrochemiekonzern Braskem, an dem Petrobras beteiligt ist, weiter für Unsicherheit im Konzernumfeld.
Am Rande des Quartalsberichts sorgte auch eine gewerkschaftliche Initiative für Aufmerksamkeit: Der Gewerkschaftsverband FUP forderte am Freitag bei einer Anhörung im Arbeitsausschuss der Abgeordnetenkammer die Wiedereinstellung von Beschäftigten privatisierter Tochtergesellschaften wie BR Distribuidora, Liquigás und Petroquímica Suape. Nach Einschätzung der zuständigen Haushaltsberatung hätte ein entsprechendes Gesetzesvorhaben keine direkten Auswirkungen auf die Ausgaben des brasilianischen Bundeshaushalts.
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