PG&E Aktie: SB 492 gescheitert, Haftungsschutz weg

Nach dem Ausbleiben einer kalifornischen Haftungsreform verliert PG&E 9,8 Prozent. Analysten senken Bewertungen, der Investitionsplan steht zur Prüfung.

Die Kernpunkte:
  • Parlament vertagt Reform ohne Abstimmung
  • PG&E prüft 61-Milliarden-Dollar-Investitionsplan
  • Bank of America halbiert Kursziel nahezu
  • Aktie verliert 9,8 Prozent

Die Ungewissheit über die künftige Haftung bei Waldbränden hat die Aktie des kalifornischen Energieversorgers PG&E am Mittwoch massiv unter Druck gesetzt. Nachdem das Parlament in Sacramento seine Sitzungsperiode beendete, ohne über das umstrittene Gesetzespaket SB 492 abzustimmen, reagierten Anleger mit deutlichen Abverkäufen.

Die politische Sackgasse lässt das Unternehmen mit erheblichen finanziellen Risiken zurück, da eine Deckelung der Haftungssummen für Versorger vorerst vom Tisch ist.

Gesetzgeber lässt Haftungsreform scheitern

Das kalifornische Unterhaus, die State Assembly, vertagte sich am Dienstag (Ortszeit), ohne ein Votum über die Waldbrand-Reform abzugeben. Der Entwurf SB 492 sah zwar beschleunigte Zahlungen an Brandopfer und ein Verbot von Boni für Führungskräfte im Falle verursachter Brände vor, klammerte jedoch den von den Versorgern und Gouverneur Gavin Newsom geforderten Schutz vor ausufernden Haftungsansprüchen aus.

Newsom hatte vergeblich versucht, sogenannte Subrogationsansprüche – bei denen Versicherer die Kosten für Schäden von den Versorgern zurückfordern – einzuschränken.

Die Ablehnung dieser Forderung durch die Gesetzgeber hatte bereits zu Wochenbeginn für Turbulenzen gesorgt. Da das Gesetz nun vorerst gescheitert ist, bleibt die rechtliche Lage für PG&E prekär. Das Unternehmen warnt davor, dass ohne eine strukturelle Reform die Finanzierungskosten steigen und notwendige Investitionen in die Infrastruktur gefährdet seien.

PG&E-Chefin Patricia Poppe kündigte bereits an, den Investitionsplan in Höhe von 61 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2030 aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen einer Überprüfung zu unterziehen.

Analysten reagieren mit Herabstufungen

Die ausbleibende politische Lösung löste eine Welle von Analystenanpassungen aus. Die Bank of America stufte die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ herab und kürzte das Kursziel drastisch von 24 auf 13 US-Dollar. Die Experten begründeten diesen Schritt mit der fehlenden Klarheit über die langfristige Haftungsstruktur und modellierten in der Folge geringere Investitionsspielräume sowie ein niedrigeres Gewinnwachstum bis zum Ende des Jahrzehnts.

Auch Wells Fargo senkte die Einstufung für PG&E auf „Equal Weight“. Analyst Shahriar Pourreza verwies auf das Versagen der kalifornischen Legislative, wesentliche Reformen zur Risikominderung zu verabschieden.

Medienberichten zufolge wird das Risiko für die Kreditwürdigkeit der Versorger als kritisch eingestuft, da die Unternehmen weiterhin für Schäden haftbar gemacht werden können, selbst wenn sie geltende Sicherheitsvorschriften eingehalten haben.

Massive Marktverluste und unsichere Aussichten

Die Enttäuschung am Markt spiegelt sich unmittelbar im Kursverlauf wider. Das Papier von PG&E verliert heute 9,8 % an Wert und notiert bei 11,00 €. Damit nähert sich der Titel gefährlich seinem 52-Wochen-Tief, das erst am heutigen Mittwoch bei 10,80 € markiert wurde. Insgesamt hat der Versorgersektor in Kalifornien seit letztem Donnerstag rund 20 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt.

Die finanzielle Belastung bleibt hoch, da PG&E im Falle einer Erschöpfung des staatlichen Waldbrandfonds für 48 % der Wiederauffüllung aufkommen müsste. Dieser Fonds, der derzeit noch über Milliardenmittel verfügt, gilt als letztes Sicherheitsnetz.

Gouverneur Newsom erwägt nun die Einberufung einer Sondersitzung des Parlaments im Herbst, um die festgefahrenen Verhandlungen doch noch zu einem Abschluss zu bringen. Bis dahin dürfte die Unsicherheit über die Bilanzrisiken das Geschehen bestimmen.

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